Ohne Filter, mit Vollbart

22:34 Uhr – Bierspezialitäten meiner Haus- und Hof-Brauerei Härle aus Leutkirch (die mit dem bekömmlichen Bier) habe ich bisher noch nie bewertet oder hier beschrieben. Probiert habe ich sie natürlich schon alle und schon oft. Irgendwie hatte ich immer ein bisschen Angst, dass vielleicht ein vernichtendes Urteil dabei rauskommt. Und das darf natürlich nicht sein.

Nun, lange Jahre habe ich fast ausschließlich Härle Pils getrunken. Das Härle Gold hat mir noch nie so richtig gut geschmeckt und Weizen trink ich sowieso quasi nie. Mit dem Landzüngle kam dann eine echte Leckerei für den gemütlichen und ausgedehnten Wirtshausaufenthalt, die mir den ein oder anderen Abend im Lamm versüßt hat. Daneben gibt es schon seit jeher einige Spezialitätenbiere wie das Clemens ohne Filter, das Fidelio oder das Clemens Spezial. Die sind alle gut trinkbar und schon alleine optisch was für besondere Tage. An einem ganz normalen Abend würde ich aber wohl eher nicht zu diesen Sorten greifen, schon allein wegen des Preis-Leistungs-Verhältnises. Seit vielleicht zwei Jahren ist das Lager Hell auf dem Markt – und es hat sich zu meinem Favoriten aus dem Hause Härle gemausert. Ab und an darf es natürlich auch ein kühles Pils oder ein frisch gezapftes Landzüngle sein. Aber oft greife ich eben auch zum Lager Hell. Auch weil die Gläser so hübsch sind.

In meinem Kühlschrank liegt allerdings ein Clemens ohne Filter, seit mein guter Freund Markus mich vor einigen Wochen besucht hat. Bei diesen Fläschchen ist schon die Optik eine Wucht, wohnen sie doch normalerweise in einer wunderschönen Holzkiste. Die Flasche ist eine 0,33-Liter Bügelflasche mit tiefem Bauch und langem, leicht bauchigem Hals. Auch sehr fesch. Den Hals ziert ein Etikett, auf dem der junge Clemens Härle mit prächtigem Vollbart zu sehen ist. Den Bauch schmückt ein historisches Bild des Brauereigebäudes, umrahmt von Hopfen und Gerste sowie dem geschwungenen Schriftzug „Clemens“.

Nun aber zum Inhalt. Der ist im Glas dunkelbernstein bis braun mit leichtem Rotschimmer. Der feine Schaum hält sich erfreulich lange. Der Geruch ist insgesamt nicht allzu stark, leicht malzig vielleicht. Auch der Geschmack ist etwas malzig, aber ohne übertrieben unangenehm zu sein. Ich bin mir sicher, dass irgendwer Karamellgeschmack rein interpretieren wird, aber für mich ist da nur eine leichte Süße. Und vielleicht sogar eine leichte Rauchnote. Besonders dominant erscheint mir kein Geschmack. Schlecht ist es nicht, einen besonderen Geschmack hat es auch, abseits von altbekannten Bieren. Auf jeden Fall ist es relativ schwer (5,4 Prozent) und nicht besonders spritzig, sodass man das Glas dann auch wieder für eine Weile hinstellt. Ideal also, wenn man über eine längere Zeit an einem Bier trinken und sich immer wieder über den Geschmack erfreuen will. Es sieht im Glas ja auch wirklich hübsch aus.

Das mache ich jetzt auch: Ich schließe diesen Text hier ab, lehne mich zurück und trinke gemütlich dieses Glas voller Bier für besondere Tage leer.

Jagertee light

21:33 Uhr – Es ist eindeutig Winter. In Ravensburg liegt zwar überhaupt kein Schnee, aber es ist eisig kalt. Die vergangenen Tage und Nächte waren wohl die kältesten seit der letzten Eiszeit. Vor der Frühling (hoffentlich morgen) mit voller Wucht kommt, muss ich also noch das Leibinger Winterbier, das nur für kurze Zeit erhältlich ist, testen. Ein Drittel Liter in einer entsprechend großen Flaschen, auf der ein eisblaues Etikett klebt. Darauf schneit es kräftig über schneebedeckten Berggipfeln und goldene und weiße Buchstaben verzieren es. Besonders erwähnenswert ist, dass auf dem geschwungenen „r“ von „Winter“ sogar ein kleiner Skifahrer unterwegs ist. Ein großes Lob für dieses Detail.

Das Winterbier ist ganz leicht trüb und matt, farblich ziemlich goldgelb und im Gesamtpaket mit seinem pulverschneeartigen Schaum hübsch anzuschauen. In der Nase macht sich eine leichte, sehr angenehme Hopfensüße breit. Geschmacklich ist das bei besonders tiefen Temperaturen gereifte Bier angenehm mild, eine ganz leichte Hopfenherbe mischt sich zu der dezent süßlichen – aber keinesfalls malzigen – Note.

Ich muss sagen, dass ich von diesem naturtrüben Leibinger mit 5,6 Prozent Alkohol recht positiv überrascht bin. Es ist vielleicht zu wenig außergewöhnlich, um für ewig im Kopf zu bleiben. Aber es ist solide, süffig und hat einen ordentlichen Geschmack. Falls der Frühling doch noch auf sich warten lässt, muss ich mir vielleicht demnächst einen kleineren Vorrat davon anlegen.

Ein Cobwoby namens Rainer Hopfenmacho

20:10 Uhr – Mein gestriger Eintrag hat vielleicht einen falschen Eindruck hinterlassen: Natürlich habe ich Bier aus dem Urlaub mit nach Deutschland gebracht. Wäre ja gelacht. Schließlich habe ich im texanischen Dallas einen meiner absoluten Lieblingsorte entdeckt: Den Craft Beer Cellar. Das ist ein relativ kleines Geschäft, zu zwei Dritteln vollgestopft mit (Craft-) Bieren aus aller Welt, hauptsächlich aber aus Texas und den USA, das andere Drittel beherbergt eine Bar mit ein paar Stehplätzen an der Theke und genau acht Hockern an einem massiven Holztisch. An der Bar gibt es 15 verschiedene, frisch gezapfte Bierspezialitäten, die sich immer dann ändern, wenn ein Fass (oder der Vorrat einer Sorte?) leer ist. Dort habe ich mich etwas beraten lassen und ein Brettshake IPA aus Fort Worth getrunken – ein sehr hervorragendes Bier. Leider gab es das nicht im Dosen oder Flaschen zu kaufen (wahrscheinlich hätte es an einem anderen Ort ohnehin nicht mehr sooo gut geschmeckt), darum habe ich mich für ein paar andere Produkte entschieden, die ich hauptsächlich nach Optik und der englischen Beschreibung ausgesucht habe.

Starten wir heute mit dem El Chingón von Four Corners Brewing in Dallas. Es ist ein IPA, das in einer weiß-orangenen Dose abgefüllt ist, auf der auf einer Seite ein schwarz-rot-goldener Hahn zu sehen ist, auf der anderen eine riesige, grüne Hopfendolde. Vor allem diese Seite macht schon was her. Platz haben in der Dose 12 FL. OZ. Das sind „Fluid ounce“ und damit Flüßigunzen zu je 29,5735295625 Millilitern – 12 FL. OZ. Entsprechen also  0,3549  Litern. Das Highlight der Dose kommt aber erst beim Öffnen zum Vorschein. Man drückt nämlich nicht nur so eine kleine Öffnung in den Deckel, nein, man zieht den kompletten Deckel von der Dose – wie bei einer Fischkonserve – und hat dann einen schönen Alubecher.

Ich habe den Inhalt trotzdem in ein richtiges Glas umquartiert und darf mich über den Anblick eines klaren, bernsteinfarbenen Getränks mit leichtem Orangestich freuen, auf dem ein fester Schaum thront. Aus dem Glas entweicht ein starker Hopfengeruch, der Lust macht.

Der erste Schluck ist herb. Sehr herb. Fast schon unangenehm bitter. Und das ändert sich auch bei den nächsten Schlücken zunächst nicht. Im Mund bleibt ein trockener, bitterer Geschmack. Erst nach einer Weile gewöhnt man sich an die Bitterkeit, empfindet sie dann als weniger schlimm. Aber es bleibt bitter. Außer bitter ist auch nichts zu schmecken. Um auch etwas Positives hervorzuheben: El Chingón ist dann trotz seiner männlichen 7,8 Prozent Alkohol doch irgendwie erfrischend, und bleibt auch frisch.

Dieses Craftbier aus Texas bietet sich für einen kleinen Exkurs zur Messung von Bitterkeit im Bier. Das wird mit der Maßeinheit IBU (International Bitterness Units) gemacht, die mit Hilfe der Menge des im Hopfen vorhandene Alpha-Säure berechnet wird. Was das genau ist und wie das genau geht, ist an dieser Stelle nicht so wichtig. Aber zum Vergleich: Eine Berliner Weiße hat 0-8 IBU, Weizen 10-15 IBU, Export 20-26 IBU und das in Deutschland als herb geltende Pils maximal 45 IBU. El Chingón hat 72 IBU, was einiges erklärt. Generell halte ich diesen Wert aber für sehr sinnvoll, so kann man vorher wenigstens ungefähr einschätzen, wie Bitter ein Bier wird.

„El Chingón“ heißt aus dem Spanischen Übersetzt übrigens so viel wie „Klugscheißer“ oder „Karrieremensch“ – natürlich im positiven Sinne. Und davon abgesehen hat es noch drölf Drillionen weitere Bedeutungen.

Oberschwabe im Piratengewand

18:12 Uhr – Bergfest in meiner ersten kompletten Arbeitswoche nach dem Urlaub, also allerhöchste Zeit für ein erstes Feierabendbier. Wer in der Ferne war, kann zurück in der Heimat entweder mit importierten Bieren aus dem Urlaubsland in Erinnerungen schwelgen, oder zu einem heimischen Getränk greifen, um wieder anzukommen. Das mache ich heute, meine Auswahl beschert mir ein Leibinger Seegold. Das ist ein Helles, das in der 0,33 Literflasche mit stylischem Seemannsdesign mit Anker und Seegelschiff daherkommt. Es erinnert tatsächlich eher an Piraten oder raue Nordsee, als an den Bodensee. Auch, dass es aus der Ravensburger Leibinger Brauerei stammt, ist weder auf den ersten noch auf den zweiten Blick direkt zu sehen. Ein Schelm, wer unter diesem kleinen Versteckspiel einen durchdachten Trick vermutet.

„Echte Seemänner genießen dieses Bier eiskalt und fahren danach auch keinesfalls mehr zur See!“, so das Etikett. Eiskalt ist es, zur See wollte ich heute ohnehin nicht mehr fahren. Es kann also los gehen. Im Glas ist das Seegold tatsächlich goldfarben, wenn auch etwas dünn. Der feine, weiße Schaum ist sehr hübsch anzusehen. Riechen tut es zunächst dezent nach Bier, was bei einem Bier ja erst mal gar nicht so verkehrt ist. Im Antrunk stelle ich eine leichte Herbe fest, die schnell verfliegt. Danach schmeckt es eigentlich ganz ordentlich, lässt aber einen unerklärlichen stumpfen Geschmack im Mund zurück. Trotz seiner immerhin 5,2 Prozent Alkohol schmeckt es ziemlich leicht und ist somit eigentlich ideal gegen den spontanen Bierdurst, der sicher auch mit mehreren dieser Fläschchen gestillt werden kann. Endlich mal ein erfreuliches Biererlebnis aus dem Schussental!

Altbier

20:55 Uhr – Schon wieder ein Bierchen aus der Schweiz. Dieses Mal aus dem Hause TurbinenBräu in Zürich. Das Rekord Spezialbier besticht durch sein orange-grünes Retro-Etikett mit gelber Schrift und schwarzem, vierblättrigem Kleeblatt. Sehr außergewöhnlich und irgendwie auch hübsch. Leider muss ich zugeben, dass dieses Schmuckstück nicht nur altbachen aussieht: Es ist bereits im Oktober abgelaufen. Irgendwie muss ich es übersehen haben. Es war zwar einigermaßen artgerecht gelagert, trotzdem bin ich mir natürlich nicht sicher, ob der Geschmack noch so ist, wie er sein soll.

Beim Öffnen des Kronkorkens überschäumt es sofort, keine Chance. Vielleicht ist das schon ein Zeichen des Verfalls? Im Glas ist es aber sehr hübsch anzusehen, farblich ist es zwar recht dunkel, ohne aber in Richtung Schwarzbier zu gehen. Auch wenn es lächerlich klingen mag, für mich ist dieser Farbton ganz klar „Colaweizen“. In der Nase – ich wollte eigentlich nie so hochtrabendes Zeug schreiben, aber diesmal ist es irgendwie echt so – erkenne ich nicht weiter definierte Röstaromen.

Der Geschmack ist erst und kurz überraschend herb, dann wird es schnell recht malzig – für meinen Geschmack schon fast zu malzig. Nach dem Malzschub macht sich eine leicht unangenehme, abgestandene Bittere im Mund breit. Ich hoffe, dass das wirklich am Verfallsdatum liegen kann.

Es ist jetzt nicht generell schlecht – und eine Beurteilung unter den gegebenen Umständen ohnehin unfair – aber ich bräuchte jetzt auf keinen Fall ein zweites Rekord. Schade eigentlich, nachdem optisch sowohl die Flasche als auch das Bier im Glas sehr gefallen hat.

Ice, Ice, Baby

21:43 Uhr – Zum Start in den Januarurlaub darf es doch ein Feierabendbier sein, dass nicht nur kalt ist, sondern auch so heißt: Ein Eisbier aus dem Böhmischen Brauhaus Grossröhrsdorf, das ich im Herbst in Dresden erstanden habe. Eisbier heißt es, weil es laut Etikett lange und eiskalt gereift ist (und nicht weil die Trauben Frost abbekommen haben). Das soll uns wohl auch das kristallklare Blau sagen, dass das sonst klassische Etikett der kleinen Steinieflasche unterlegt.

Das Bier aus Sachsen selbst ist goldgelb, aber relativ dünn und klar, eine ganz klassische Bieroptik. Nach ziemlich klassischem Bier riecht es auch: Herber Biergeruch mit einer malzigen Note. Da darf man gespannt sein.

Es schmeckt dann erst mal, wie es aussieht: Dünn und ein klein wenig wässrig, dann setzt sich kurz eine gewisse Würze durch, die schnell zu einer etwas trockenen Herbe wird. Vom malzigen Geruch kann ich im Mund nichts mehr finden.

Ein Bier, an dem mich nichts stört, das man gut trinken kann und das gut gekühlt aus der kleinen Flasche gut weggeht. Allerdings muss man auch sagen: Geschmackliche Highlights bietet das Eisbier mit seinen 4,9 Prozent leider auch nicht.

Amber aus dem falschen Land

21:18 Uhr – Was ist eigentlich Amber für ein Bier? Das muss erst geklärt werden, vor es verköstigt werden kann.

Amberbier, auch Belgisches Ale oder Spéciale genannt, ist ein Sammelbegriff für belgische Biere mit einer charakteristischen bernsteinähnlichen Farbe. Amberbiere werden unter Verwendung von obergäriger Hefe, Hopfen, Malz, Wasser und gelegentlich einer Kräutermischung (Grut) gebraut. In ihrer an Malz und Karamell erinnernden geschmacklichen Charakteristik ähneln sie am ehesten den englischen Pale Ales. Beeinflusst durch die Pale Ales etablierten Anfang des 20. Jahrhunderts belgische Brauereien die Amberbiere in Belgien. Zu den bekanntesten ihrer Vertreter gehören Palm, De Koninck und Kwak.

Danke Wikipedia. Unter weiter im Text.

Mein heutiges Amber kommt jetzt allerdings gar nicht aus Belgien, sondern aus dem Schweizer Winterthur. Die Brauerei, die da mit Biertradition seit 2002 wirbt, heißt Stadtguet, was auch immer das wieder heißen mag. Sicher ist allerdings: Sie kommt beim Bierbrauen ohne Kräutermischungen aus. Das Etikett ist einmal mehr sehr stilvoll: Weiß mit roter Umrahmung, darauf klare schwarze Schrift und ein geflügeltes S.

Der Inhalt ist dunkel bernsteinfarben und flockt ein kleines bisschen. Der Schaum ist gelblich und grobporig und entsprechend schnell verschwunden. Das Amber riecht nach Hefe und auch süßlich nach Lakritz.

Der Geschmack ist dann relativ schwierig zu beschreiben. Das naturtrübe Bier hat überhaupt keine Herbe, ist aber auch nicht besonders malzig. Es schmeckt leicht nach Brot und Gerste, ist dabei aber auch ein bisschen wässrig, sodass der Geschmack nicht zu intensiv wird. Ich bin ein bisschen ratlos, dann das ist bei Gott nichts schlechtes, was ich da in den Händen halte. Aber auch gar nicht so einfach zu beschreiben.

Honigkastanien aus Kärnten

21:45 Uhr – Der Jahreswechsel war etwas holprig, da ich krank war und vor allem Bett und Sofa gehütet habe. Wenn damit die schlechten Tage für 2018 schon erledigt sind, will ich allerdings nicht klagen. Die Woche vor Weihnachten haben wir unser Geld den österreichischen Nachbarn in den Rachen geworfen und uns die Zeit in Wien und den Tiroler Bergen vertrieben. Grad schön war‘s. Beim zwölften Ekelbierwichteln habe ich vermutlich den Hauptpreis gezogen und ein zwar dunkles, aber sehr hopfiges, kühles und feines Bier gewonnen. Leider habe ich vergessen, wie es hieß.

Seit Montag bin ich jetzt auch wieder bei der Arbeit – höchste Zeit also für das allererste Feierabendbierchen des neuen Jahres. Ein Hirter 1270 soll es heute sein. Das steht schon ziemlich lange bei mir rum, im Sommer hatte ich schon einmal das Hanfbier aus gleichem Hause getestet und für sehr gut befunden. Verpackt ist dieses laut lila-gelbem Etikett ursprüngliche Bier in einer 0,33-Liter Einwegflasche mit neckischem Dreh-Kronkorken.

Im Glas ist es überraschend dunkel; „Kastanie“ würde ich diesen Farbton nennen. Schaum hat es quasi keinen, was auch an meinen mangelnden Einschenkfähigkeiten liegen mag. In der Nase ist es süßlich und stark malzig. Dieser wenig erfreuliche Geschmack ist beim ersten Probierschluck dann glücklicherweise nicht ganz so penetrant vorhanden. Dennoch: Trotz einer ganz leichten Herbe überwiegt dieser Malzgeschmack, der nicht so mein Ding ist. Ich habe dank einer Honignote fast das Gefühl, kaltes, verdünntes Met zu trinken.

Nach dem ersten Schrecken kann ich mich aber auf diese natürliche Kärntener Brauspezialität einlassen. Ein Gläschen davon kann man schon mal trinken. Vielleicht ist das 1270 mit seinen 4,9 Prozent genau der richtige Schlummertrunk.

Feliz Weihnachtsbier

20:30 Uhr – Kein Witz, in meiner Zufalls-Playlist fängt in diesem Moment „Feliz Navidad“ an. Gerade jetzt, wo ich mir ein schönes Weihnachtsbier geöffnet habe. Das Schwabenbräu WeihnachtsBier aus der Halbliter-Bügelflasche mit weihnachtlich goldblauem Etikett. Passend ist es auch im Glas herrlich goldgelb, der Schaum ist allerdings so schnell weg wie mein Lebkuchenvorrat es im Normalfall ist (sehr schnell). Es duftet unaufdringlich nach Getreide, was mir Hoffnung macht, dass es nicht allzu malzig daherkommt.

Tut es nicht, eine leichte Süße macht schnell einer gewissen Bitterkeit Platz, die sich leider etwas unangenehm auf die Zunge legt. Süffig ist es auf jeden Fall, dieses Festbier, allerdings vor allem, weil es relativ wenig aneckt. Man muss sich schon sehr konzentrieren, um da einen bestimmten Geschmack rauszuschmecken. Seine 5,5 Prozent Alkohol versteckt das Weihnachtsbier auf jeden Fall gut. Generell jetzt kein schlechtes Bier, aber zu Weihnachten hätte ich mir irgendwie was Markanteres gewünscht.

Adrazhofen Pale Ale

20:17 Uhr – Wer braucht schon schnöde Lottomillionen, wenn es doch die kleinen Dinge sind, die das Leben besonders schön machen. Wie zum Beispiel mein erstes selbstgebrautes Bier. Über den Entstehungsprozess habe ich an dieser Stelle nicht berichtet, vermutlich, weil ich in meinem tiefsten Inneren nicht so ganz davon überzeug war, dass das Bier trinkbar sein wird. Nun, in aller Kürze vorneweg: Es ist trinkbar.

Angefangen hat alles im Herbst, an einem Tag, an dem man noch in Sommerkleidung draußen sein konnte. Ich habe meiner Mutter bei der Ernte des wilden Hopfens im elterlichen Garten geholfen. Herbstdeko war der Verwendungszweck des widerspenstigen Gewächses. Während der Ernte reifte in mir jedoch die Überlegung, dass man aus Hopfen eigentlich auch was anders machen könnte.

Wie es der Zufall so will, steht bei mir schon seit langem ein – bisher ziemlich enttäuschendes – Büchlein im Regal, das sich hauptsächlich mit dem Thema Likörherstellung beschäftigt. Die Rezepte bewegen sich auf dem Niveau „kaufe einen Haselnussbrand, lege einen Handvoll Haselnüsse rein, gib ein bisschen Zucker dazu, lass das ganze 3 Monate stehen, fertig ist dein Haselnusslikör“. Wow. Einige, bisher von mir wenig beachtete Seiten des Büchleins beschäftigen sich allerdings auch mit der heimischen Herstellung von Bier. Die Idee war auf dem Weg.

Also im Internet Malz (Pale Ale, Weizen hell, Cara dunkel) und Hefe (Safale US-05) besorgt und im großen Kochtopf eine schöne Maische gekocht. Das war ziemlich wild, weil es erstens stark riecht und es zweitens relativ kompliziert ist, eine ganz genaue Temperatur zu erreichen und zu halten. Die entstandene Würze grob gefiltert und mit Hopfen versetzt, später dann auch mit obergäriger Hefe. Wochenlang gärte das Bier dann zuerst in einem Eimer (inklusiver Kalthopfung) und später in Flaschen, erst in der Waschküche, dann im Kühlschrank.

Neben den Auswirkungen der ungenauen Temperatur beim Maischen war natürlich vor allem der Hopfen eine große Unbekannte. Kein Mensch weiß, was das für eine Sorte ist und wie diese schmeckt. Oder ob diese überhaupt zum Bierbrauen zu gebrauchen ist.

Letzten Samstag dann der große Moment. Zuerst habe ich mit meinem Vater das als „APA“ (Adrazhofen Pale Ale) getaufte Bier probiert, abends dann noch mit einigen Freunden. Und ich war mehr als positiv überrascht: Das Gebräu sieht zwar nicht schön aus, schmeckt aber durchaus nach Bier und das noch nicht mal schlecht. So waren die Flaschen ein bis vier zügig verköstigt.

Nun, mit etwas abgekühlter Euphorie und einer Woche Abstand möchte ich das APA unter fairen Bedingungen der gleichen Probe unterziehen, wie alle die anderen Biere.

Optisch ist es nicht sehr schön, zumindest nicht filigran. Das Bier ist dunkel bernsteinfarben bis bräunlich und so trüb, dass absolut kein Licht durchkommt. In der Flasche hat sich viel Hefe (?) abgesetzt, die sich auch in einzelnen hellen Flöckchen im Glas wiederfindet. Die viele Kohlensäure fällt direkt auf, der grobporige, feste Schaum ist leicht ockerfarben, nicht weiß.

Der Geruch ist bitter und nach Hopfen mit leichter, undefinierbarer Frucht. Im Mund ist es erst recht herb, da macht sich der Hopfen stark bemerkbar. Eine leichte fruchtige Süße ist neben einer bemerkbaren Hefenote auch zu bemerken. Eine interessante, außergewöhnliche Mischung. Der Nachgeschmack ist ähnlich, recht herb und auch der Hauch von Frucht taucht wieder auf. Im Mund verbleibt der ungefilterte Geschmack von Hopfen. Je weiter man sich dem Flaschenboden nähert, desto heller, fast schon milchiger wird das APA.

Zu Etikett und Alkoholgehalt kann ich heute leider keine Angaben machen. Hätte es ein Etikett, wäre dies wunderschön. Und Alkohol hat es vermutlich schon, ich weiß nur nicht, wie viel.

Seine eigenen Kinder findet man ja bekanntlich nie hässlich. Durch meine Biervaterbrille sage ich aber, dass mein Erstlingswerk überraschend erfreulich schmeckt. Gut trinkbar, interessant, spannend. Der Adrazhofener Aromahopfen scheint was zu können. Vielleicht ist das Apa kein Bier, von dem man am Abend fünf trinkt, aber zwei Gläser auf jeden Fall. Es ist ein Ansporn, es noch einmal zu versuchen. In Zukunft werde ich sicher mal mit verschiedenen Hopfen experimentieren und die Filtertechnik verfeinern, damit es ein bisschen hübscher wird. Und darauf jetzt noch ein Gläslein Adrazhofen Pale Ale. Die Flasche muss ja leer werden.