Buchtipp: Kukolka

21:59 Uhr – Es wird nicht nur getrunken, es wird auch noch gelesen. Und kürzlich habe ich in der Stadtbücherei ein Buch ausgeliehen, das mir sehr gut gefallen hat. Ein Glücksgriff, denn eigentlich weiß ich nicht mehr, warum ich das mitgenommen haben: Kukolka von Lana Lux.

Es geht um ein kleines Mädchen, das Anfang der 90er-Jahre aus seinem Waisenhaus in der Ukraine wegläuft mit dem großen Wunsch, die Freundin in Deutschland zu besuchen, die von einer deutschen Familie adoptiert wurde. Was mit einer kindlich-naiven Idee beginnt wird schon am Bahnhof zu einer zehnjährigen Horrorshow. Betteln, Straßenmusik, Drogen, Prostitution – kein leichter Stoff, sprachlich oft recht roh und auch nahe dran an Details, die man gar nicht so genau wissen möchte. Aber ein sehr fesselndes Buch. Am Ende ist Samira 15 Jahre alt und tatsächlich in Deutschland. Ihre Geschichte dazwischen empfehle ich euch sehr.

Was mich vor allem beeindruckt hat: Das ist die – fiktive – Geschichte eines Mädchens, das im gleichen Jahr geboren wurde wie ich. Wie leicht der Geburtsort, kleine oder größere Schicksalsschläge, spontane Entscheidungen und hier und da ein bisschen Glück oder Pech zu zwei so verschiedenen Leben führen können, ist bedrückend und man weiß sofort wieder zu schätzen, wie es bei einem selbst gelaufen ist.

Ciao Giovanni: Prosciutto e Melone

21:52 Uhr – Den sonnigen Nachmittag habe ich für einen Ausflug an den Bodensee genutzt. Natürlich nicht ganz ohne Hintergedanke. Ich habe nämlich herausgefunden, dass es in Langenargen ein Bierfachgeschäft gibt. So habe ich dann nach einem Spaziergang am Seeufer das KommproBier angesteuert. Ein interessanter kleiner Laden in einer Art Lagerhalle. Vollgestopft mit Regalen und ein paar Kühlschränken, Fenster habe ich maximal eines entdeckt. Das besondere ist, dass dort ausschließlich leere Flaschen stehen. Man kann dann auswählen, was man gerne hätte und ein Mitarbeiter verschwindet für eine Weile im Kühlraum und bringt die gut gekühlten Flaschen wieder. Artgerechte Haltung also – und genügend Wartezeit, um sich für noch viele andere Biere zu entscheiden.

Bei so viel Auswahl will man natürlich auch etwas besonders mit nach Hause bringen. Darum war ich heute sehr mutig und hab zu einem Rauchbier gegriffen. Mit Rauchbieren verbinde ich bisher nicht gerade Hochgenuss. Eigentlich habe ich erst einmal eines getrunken, ein Schlenkerla Rauchbier aus Bamberg auf der Heimfahrt von einem Fußballspiel in Nürnberg. Es war furchtbar. Trotzdem: Die Beschreibung des Parma Rauch IPA hat einen Kauf unausweichlich gemacht. Steht da doch: „Warum nicht mal den Geschmack von Melone mit Schinken ins Bier bringen – quasi Schinken mit Melone im Glas“. Klingt spannend, oder? Find ich auch. Auch wenn es mir ein bisschen Angst macht.

Das Etikett ist ein Cremetönen gehalten, rechts ein Leuchtturm, links eine Insel mit Palmen, dazwischen das Meer. Der Leuchtturm könnte auf den Sitz der Kehrwieder Kreativbrauerei in Hamburg hinweisen, die Palmeninsel vielleicht auf die Indischen Kronkolonien. Kein Schinken, keine Melone und schon gleich gar kein Rauch.

In einer hellen Bernsteinfarbe und mit grobem Schaum schmiegt sich das Parma ins Glas. Und es riecht tatsächlich süßlich, viel Phantasie braucht man nicht, um da die Melone hinein zu interpretieren. Ein paar schon leicht angedatschte Beeren sind auf jeden Fall auch mit im Geruchsstrauß. Ja, und tatsächlich auch ein Hauch von abgebranntem Altbau. Das ist nun ja erst mal kein schöner Parmaschinken.

Uh. Wie soll ich sagen: Der erste, kleine, vorsichtige Schluck ist dann doch sehr gewöhnungsbedürftig. Jetzt habe ich (zum Glück!) niemals ausversehen aus einer Flasche getrunken, in die zuvor stundenlang Zigarettenkippen gesteckt wurden. Aber so stelle ich mir das vor. Im Detail: Eine schwere, dumpfe Herbe, die erst recht bitter wird und dann wirklich ein Asche-Aroma hat (Röst-Aroma finde ich nicht die richtige Beschreibung), das lange im Mund bleibt.

Nachdem die ersten Schlücke des 6,1 Prozent schweren Gebräus hart sind, gewöhnt man sich aber an den sehr außergewöhnlichen Geschmack – und man entwickelt den Ehrgeiz, zwischen all dem Rauch noch den Schinken und die Melone zu finden. Von der Süße aus dem Geruch ist im Bier allerdings beim besten Willen nichts mehr zu finden. Der verbrannte Aschegeschmack wird aber immer mehr zu dem Gefühl von Rauch. Beinahe möchte man diesen lässig aus dem Mund blasen (Anmerkung des Autors: Klappt nicht).

Ein faszinierendes Geschmackserlebnis, das man beinahe mal probiert haben muss. Aber: Gut ist es leider nicht wirklich. Für die nächsten Monate brauche ich kein Rauchbier mehr. Kam eigentlich schon jemand auf die Idee, Bier mit dem Geschmack von Menthol-Zigaretten zu brauen? Oder Räucherlachs mit Meerrettich?

Fensterputzaffe

14:30 Uhr – Lebensgefühl. Es kann so herrlich sein, sobald die Sonne endlich mal wieder scheint. Während  hinter mir der Fensterputzroboter meiner Eltern meine Wohnzimmerfenster reinigt, sitze ich erstmalig in diesem Jahr wieder ohne Jacke und mit Sonnenbrille in meinem orangenen Strandstuhl auf meinem Balkon und erfreue mich des Lebens. Mit einem echt feinen Bierchen.

Ein äußerst erfrischendes und wohlschmeckendes Corporate Monkey aus dem Hause Bier Factory Rapperswil aus der Schweiz. Im Glas sieht es unspektakulär aus, ein mattes Goldgelb und eher trüb mit grobem Schaum. Der Geruch ist nicht allzu intensiv, leicht nach Hefe und mit einer frischen Biernote. Das bestätigt sich auch beim Trinken: Eine ganz, ganz leichte Note von Zitrusfrucht, die aber so aufdringlich ist, dass das Bier noch nach Bier schmecken darf. Der Hefegeschmack ist markant, aber keineswegs unangenehm, er verleiht dem Craft Lager mit 4,8 Prozent Alkohol und 21 IBU das bestimmte Etwas. Sehr erfrischend ist es auf jeden Fall, genau das richtige für einen Frühlingsmittag im Liegestuhl. Während es zunächst kaum Herbe hat, kommt im Abgang eine dezente Säure, die aber absolut in Ordnung ist. Das gefällt mir sehr gut!

Ein paar Worte zur Flasche seien auch noch gesagt: Das Etikett der braunen Drittelliterflasche ist in einem sehr moderne Design gehalten: Schwarz, Weiß und Rot dominieren, neben dem Brauereilogo „BF“ sticht natürlich vor allem ein traurig dreinblickender Affe mit roter Sonnenbrille und rot-weiß gestreifter Krawatte heraus. Auf der Rückseite ist ein relativ langer, Englischer Text angedruckt, der beschreibt, wie cool dieses Bier ist und einem sagt, dass man kein trauriger Affe sein soll. Kann man machen, brauch ich jetzt nicht unbedingt. Interessant finde ich noch, dass angegeben ist, wann dieses Bier am besten ist: Zwischen 3 und 6 Monaten nach der Abfüllung. Jetzt ist allerdings schon Monat 11 nach Abfüllung, das Bier hat damit seinen geschmacklichen Tiefpunkt erreicht. Dafür ist es noch ganz schön gut. Ich mag mir gar nicht ausmalen, wie das im Oktober geschmeckt hätte!

Camba, Caracho, ein IPA

20:50 Uhr – Welch überschäumendes Ereignis: Das Camba IPA hat es wohl besonders eilig, in mein Bierglas zu kommen. So eilig, dass es trotz stehender Lagerung im Kühlschrank und vorsichtigem Öffnen mit dem Flaschenöffner direkt aus der 0,33 Liter-Flasche übergeschäumt ist. Das, was da so über meine Finger gelaufen ist, hat aber schon ganz fein geduftet.

Das Etikett ist einigermaßen klassisch und vor allem grün. Das Logo der Brauerei aus Seeon am Chiemsee ist grün eingefärbt und auch sonst ist das nur mit dem Wesentlichen beschriftete Stück Papier hauptsächlich grün – und schön anzusehen.

Bernsteinfarben bis leicht rötlich liegt das IPA im Glas, die obere Hälfte füllt der grobe Schaum aus (irgendwas ist komisch mit diesem Bier). Einen besonders starken Duft hat es nicht, vielleicht liegt das an der dicken Schaumschicht. Eine bittere Fruchtnote nach Zitrone oder Grapefruit lässt sich aber erahnen. Und ein sehr alkoholisches Geschmäckle.

Der Geschmack ist natürlich ziemlich bitter (62 IBU), aber auch ein bisschen hölzern – und vielleicht nach getrocknetem Zitronengras. Besonders spritzig kommt es mir nicht vor, was aber am Überschäumen liegen mag. Geschmacklich ist das Camba IPA eigentlich nicht schlecht, leider ist die Herbe aber ein bisschen zu dominant. Definitiv ein trinkbares India Pale Ale, aber längst nicht das beste, das mir bisher ins Glas kam.

Geschmacksrichtung Brot

20:18 Uhr – Noch immer habe ich Bierchen aus der Schweiz, die mir Bernd im letzten Jahr geschenkt hat, in meiner exquisiten Sammlung. Höchste Zeit, mal wieder eines davon zu köpfen. Ich habe zu der Falsche gegriffen, die so unscheinbar ist, dass sie schon wieder auffällt: Das Mercury Saison von der Blackwell Brewery in Burgdorf, nördlich von Bern. Die braune Drittelliter-Einwegflasche ist mit einem Etikett beklebt, das so aussieht, als ob es aus dem heimischen HP-Drucker (Baujahr 1992) kommt: In einer klaren Schriftart sind in schwarz der Name des Biers und die wichtigsten Informationen auf weißes Papier gedruckt. Fertig.

Im Glas ist das Mercury Saison mit seinen 4,6 Prozent Alkohol goldgelb, leicht trüb und glänzt mit feinem Schaum. Es riecht recht süß. Der Eindruck setzt sich im Geschmack fort, der ist nämlich ziemlich brotig bis teigig, sogar leicht säuerlich. Alles Elemente, die ich jetzt nicht unbedingt haben muss. Da ist es also nicht besonders schlimm, dass das Bier schnell wässrig wird und insgesamt ohnehin nicht mit viel Geschmack punktet. Fazit: Dank der Wässrigkeit ein schöner Durstlöscher. Zumindest, wenn man auf Durstlöscher mit Brotgeschmack steht.

Was man allerdings sagen muss: Die Etiketten und die Biernamen der Brauerei sind echt cool. Bestimmt gibt’s da auch was feines.

Eine Hommage an Opa Herbert II.

19:46 Uhr – Am Samstag habe ich eine kleine Ausfahrt ins Oberallgäu gemacht und auch im Brauerei-Markt der Brauerei Zötler in Rettenberg rein geschaut und mir das ein oder andere zum Probieren mitgenommen. Auch zwei Fläschchen aus der Braukunst-Serie, in der die ganz besonderen Biere aus dem Hause Zötler erscheinen. Heute möchte ich das Herzsolo testen.

Herzsolo ist dem Opa des momentanen Brauereichefs gewidmet. Und weil der wohl ein leidenschaftlicher Schafkopfer war, zieht sich das Kartenspielmotiv optisch über das kunstvolle Etikett. Auf der Zeichnung sind drei Kartenspieler mit Bierkrügen zu sehen, im Zentrum einer mit Filzhut, Vollbart und Pfeife, der mit der linken Faust auf den mit einem rotkarierten Tischtuch bedeckten Tisch haut. Karten und Münzen fliegen durch die Wirtschaft. Ob das der Opa Herbert ist? Im Vordergrund hat man Blick auf die Karten des vierten Spielers. Da ich leider nicht Schafkopfen kann, kann ich nicht sagen, ob das ein gutes Blatt ist. Ein Herz-Ass ist auf jeden Fall dabei.

Im Glas ist das Bier viel heller, als ich es erwartet hätte: Helles Goldgelb mit einer ganz, ganz leichten Trübe und relativ grobporigem Schaum. Optisch fast schon zu filigran für so eine raue Partie am Stammtisch. Der Geruch ist wahnsinnig intensiv, eine klare Biernote aber vor allem ein deutlicher und frischer Duft von säuerlichen Beeren steigt mir in die Nase, vielleicht auch ein bisschen Apfel. Das macht auf jeden Fall neugierig.

Das Herzsolo schmeckt gut. Es hat was ganz besonders, eigenes an sich und hebt sich deutlich von anderen Bieren ab. Es ist nicht so fruchtig, wie es riecht, aber immer noch sehr erfrischend und gleichzeitig doch vollmundig und gehaltvoll. Ganz leicht machen sich Hefe und das Malz bemerkbar, dann kommt aber sofort eine sehr angenehme, kräftig-fruchtige Herbe, die es wohl den fünf (!) verwendeten Hopfensorten und der Kalthopfung verdankt.

Jetzt kannte ich Großvater Zötler nicht. Meinem Opa, seines Zeichens passionierter und erfolgreicher Zwanzigab-, Sechsundsechzig- und Rommé-Spieler, würde dieses 5,2 Prozent starke Bier wohl eher nicht schmecken. Und in ein dunkles Gasthaus passt es für mich irgendwie auch nicht so richtig, in steinerne Krüge mit Zinndeckel schon gleich gar nicht. Für mich ist das eher ein überragendes Sommerbier, das ich aus einem zarten Glas trinken will, während ich die Nase in die Sonne und die Zehen in einen kalten Bergbach halte.

Vielleicht muss der Geschmack ja auch gar nicht zwangsläufig zum Motiv passen. Es ist auf jeden Fall eine schöne Idee, der vorletzten Generation der Familienbrauerei ein solch feines Andenken zu schaffen. Für die Oma gibt’s übrigens auch ein Bier. Das werde ich demnächst aufmachen.

SteinbäckerTimischlSchiffkowitz

21:19 Uhr – Heute lugen wir kulinarisch mal wieder gemeinsam zu unseren Freunden nach Österreich. Eingekauft habe ich dieses Fläschchen zwar in Tirol, ursprünglich stammt es aber aus dem Dörfchen Göss in der Steiermark. Die besonders Kombinationsfreudigen unter euch dürften jetzt schon erahnen, dass es sich um ein Gösser handelt. Ja genau, das ist die Biermarke, zu der hippe Berliner greifen, wenn sie ein Radler zischen wollen. Ich dagegen zische heute ein Stifts-Zwickl hell. Das ist eine der Sorten aus der Reihe „Brauschätze“, die von Gösser in Halbliter-Bügelflaschen gefüllt werden. Zur klassischen Flaschenform gesellt sich ein klassisches, in grün gehaltenes Etikett im gewohnten Gösser-Look.

Im Glas ist das Bier nicht so hell, wie man nach Studium des Etiketts vermutet hätte. Es geht schon in eine helle Bernsteinfärbung über – mit spritzigem, weißem Schaum. Das sieht optisch A1 aus. Es riecht leicht süßlich, ohne übertriebene Malznote und ordentlich nach Bier. Der Antrunk ist unspektakulär, schnell macht sich aber eine gewisse Gediegenheit im Mund breit, die aber überhaupt nicht schwer ist (auch nicht wässrig). Auf den Gaumen legt sich eine interessante Mischung aus leichter Süße und leichter Herbe, im Nachgeschmack bleibt eher die angenehme Herbe zurück. Das naturtrübe Zwickl hat seinen eigenen, gefälligen Geschmack, ohne zu große Experimente zu wagen und sich zu weit vom klassischen Bier zu entfernen. Insgesamt ist es eher mild und ein ganz guter, aber geschmackvoller Durstlöscher. Prima!

Ja is‘ denn heut scho‘ Weihnachten?

21:15 Uhr – Ein Internet-Trend, der mir lange verborgen blieb, sind Unpacking-Videos. Das funktioniert so: Man bestellt sich irgendwas (im Internet natürlich) und wartet sehnsüchtig darauf, bis der liebe DHL- oder Hermesbote es abliefert. Man sitzt dann vor dem Paket, vorzugsweise ein brauner, großer Karton. Das ist der Moment, in dem man die Kamera startet und sich dabei filmt (oder filmen lässt), wie man das Paket öffnet, das Produkt aus Unmengen von Luftpolsterfolie schält, sich dann freut und anschließend den Neuerwerb gründlich untersucht. Wichtig ist natürlich, dass alles Kommentiert wird, im besten Fall mit starkem sächsischem Akzent. Während ich Testberichte, auch in Video-Form, ganz praktisch finde, erschließt sich der Nutzen des Unpacking-Videos für mich bisher nicht. Aber ganz außer Acht lassen will ich diesen Trend auch nicht.

Nein, ich drehe kein Unpacking Video. Aber ein Unpacking-Wort-zum-Tag wäre eigentlich schon mal angebracht. Ideal, dass ich am Freitag bei Aldi so ein Päckchen mit Fußball-Stickern geschenkt bekommen habe.

Das Päckchen ist ungefähr neun auf sechs Zentimeter groß und nur wenig dicker als ein Blatt Papier. Es hat einen gelben Rand, auf dem Grün hinterlegten Zentrum sind neben dem Budesliga-Logo auch sechs Fußballspieler zu sehen. Links ein Typ im Trikot von Weder Bremen, den ich nicht kenne. Dann Kostic vom HSV, Julian Brandt von Leverkusen, Matthias Ginter von Gladbach, Harnik von Hannover 96 und Simon Terodde noch im Trikot des VfB Stuttgart. Es handelt sich um die offizielle Sticker Kollektion 2017/2018, die nicht im Verkauf ist. Man erhält sie nur bei einem entsprechend hohen Einkauf beim Aldi Süd. Im diesem heiligen Päckchen befinden sich wohl fünf Sticker.

Ich suche nun, ob es eine Vorrichtung, Vorstanzung oder Ähliches zum Öffnen dieses Päckchens gibt. Aber ich kann nichts erkennen. Es scheint rundum fest verschlossen zu sein, ich komme mit meinem Fingernagel nirgendwo rein. Ich muss es wohl aufreißen. An welcher Stelle macht man das am besten? Ich denke mal, am besten reiße ich vorsichtig einen Streifen an der Oberseite ab. Ich mache das jetzt. Man kann das typische Geräusch hören, das man vom langsamen Zerreißen von Papier kennt.

Das Päckchen ist nun oben offen. Ich kann schon erkennen, dass sich etwas darin befinden. Das sind wohl die Sticker. Ich schüttele sie nun vorsichtig aus der Packung, indem ich die Packung an der Unterseite festhalte und schüttele. Die Sticker kommen nur langsam heraus, aber jetzt sind sie schon zur Hälfte zu sehen. Ich bin unglaublich gespannt, welche Spieler ich bekomme und ob ein Spieler meiner Lieblingsmannschaft dabei ist.

Ich halte nun die fünf Stücker in der Hand. Es sind also tatsächlich fünf Sticker in dem Päckchen. Ober drauf liegt Koen Casteels, der Torwart des VfL Wolfsburg. Lange nichts von ihm gehört, aber immerhin Stammspieler bei einem Bundesligisten. Dieser Sticker mit der Nummer 259 muss also relativ wertvoll sein.

Der nächste Spieler im Stapel ist Pascal Stenzel vom SC Freiburg, ein Abwehrspieler. Der wurde immerhin bei meinem Lieblingsverein Borussia Dortmund ausgebildet und spielt jetzt ja auch bei einem ganz sympathischen Club. Ob er wirklich spielt? Ich glaube, er war jetzt auch länger verletzt oder so. Die Nummer 85 ist auf jeden Fall ein Sticker mit Potenzial.

Lukas Künter vom 1. FC Köln folgt. Scheint eher so ein Päckchen mit Abstiegskandidaten zu sein. Klünter, junger Rechtsverteidiger, soviel ich weiß. Könnte mich nicht erinnern, dass der in den letzten Spielen gespielt hat. Mal sehen, für wie wertvoll sich Sticker Nummer 141 noch erweist.

Auf den nächsten Bildchen erkenne ich tatsächlich ein schwarz-gelbes Trikot, in dem Abwehrfelsen Sokratis Papastathopoulos, genannt Papa, steckt.  Es ist auch gut, dass ich den erkenne, denn es steht kein Namen dabei. Und das Bild sieht auch etwas abgeschnitten aus. So, als ob da noch ein oder mehrere Teile fehlen. Richtig wertvoll wird Nummer 274 also wohl erst, wenn man auch die anderen Teile dazu hat.

Nun kommt schon das letzte Bild. Und was für eine Enttäuschung: Das Wappen von Erzgebirge Aue. Nummer 277 hat wohl gar keinen Wert.

Als Fazit kann ich sagen, dass ich mit der Anmutung der Verpackung und auch der Verarbeitung des Inhalts sehr zufrieden bin. Die Sticker sehen gut aus und fühlen sich gut an. Allerdings ist meine Ausbeute eher mittelmäßig. Da hätte ich mir ehrlich gesagt schon Spektakuläreres erhofft.

Die Sonne über Texas

14:38 Uhr – Sonntagnachmittag ist Zeit für Kaffee und Kuchen? Vielleicht. Die ersten richtigen Sonnenstrahlen im Jahr 2018, die ich direkt in meinem Liegestuhl eingesammelt habe, haben bei mir aber für einen Kreativitätsschub und Lust auf kühles Bier gesorgt. Warum also nicht, findet sich in meinem Kühlschrank doch mit Sicherheit auch etwas, was einem sonnigen Sonntag angemessen ist.

Das Northeast Texas IPA von Hop&String Brewing ist ein weiteres Mitbringsel für mich selbst aus Texas. Die Dose ist in sehr dunklem Blau, vor allem aber in verschiedenen Gelb- und Orangetönen gehalten. In einem großen, gelben Herz steht der Name des Bieres, links und rechts sind vertikal die Skylines von zwei Städten zu sehen. Eine davon ist Dallas, das erkenne ich. Die andere ist mir unbekannt. Das Städtchen Farmers Branch, dort sitzt die Brauerei, ist es aber wohl eher nicht. Auf jeden Fall ein sehr cooles, amerikanisches Design.

Das IPA („easy to love“) ist goldfarben bis schon beinahe leicht bernsteinfarben und hat einen schönen, grobporigen, weißen Schaum. Es riecht stark und sehr, sehr lecker nach Zitrusfrüchten, vor allem nach Grapefruit. Die Fruchtigkeit ist im Geschmack nur noch dezent und leicht verändert (Melone?) zu finden, dafür eine deftige Hopfenherbe, die zwar überrascht, aber keineswegs unangenehm ist. Dazu kommt eine leichte Säuere, die wieder eher in Richtung Zitrone geht und die sich nach mehreren Schlücken bemerkbar macht.

Sobald man sich an den bitteren Geschmack gewöhnt, ist das Northeast Texas ein empfehlenswertes IPA, sehr erfrischend und somit trotz seiner 6,9 Prozent Alkohol ideal für den ersten Frühlingstag in Oberschwaben und die Erinnerungen an einen texanischen Wintertag bei 25 Grad.

Man muss dem lieben Gott für alles danken.

21:26 Uhr – Nein, rein optisch ist die Flasche nicht gerade einladend: Dunkle Bügelflasche mit schwarzen Etiketten, auf denen ein paar goldene Gerstenhalme zu sehen sind und in weißen, geschwungenen Buchstaben „Landbier“ steht. Aktien Landbier aus der Bayreuther Bierbrauerei befindet sich darin.

Das Landbier ist, wenig überraschend, handelt es sich doch um ein „Fränkisch Dunkel“, sehr dunkelbraun, ganz knapp vor schwarz. Der grobporige Schaum ist leicht beige und passt wunderbar. Es riecht leicht süßlich-malzig mit Röstaromen. So schmeckt es auch: Malzig, etwas zu süß und mit einem Hauch von Lakritze. Im Abgang wird es kurz ein bisschen herb, aber das verfliegt schnell. So eiskalt, wie ich es gerade trinke, entfalten sich die genannten Geschmäcker nicht zu stark. Und das ist vermutlich auch gut so. So ist es nämlich einigermaßen gut trinkbar, allerdings nichts, was mich besonders anspricht. Es ist aber bei weitem nicht so schlimm, wie ich mir ein dunkles, fränkisches Landbier vorgestellt hätte. Der ganzen Sache fehlt es gehörig an Spritzigkeit, aber eine Flasche am Abend kann man schon mal trinken.