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21:42 Uhr – Das Jubel Bier der Berg Brauerei Ulrich Zimmermann steht im Ranking meiner favorisierten Biere schon ziemlich gut da. Heute möchte ich ein anderes Bier aus der Ehinger Brauerei verköstigen: Das Berg Original Hell. Auf der Halbliter-Euroflasche klebt ein dezentes Etikett in cremigen Weiß- und Ockertönen mit sehr dunkelblauer Schrift.

Im Glas ist das Original Hell sogar sehr hell, in einem etwas blassen Goldgelb. Insgesamt wirkt es optisch recht dünn. Gefällig sind allerdings die lebendige Kohlensäure und der feste, wölkchenartige Schaum. In der Nase sind die Aromen nicht besonders stark, eine gewisse Malzigkeit lässt sich aber erkennen.

Der Erste Geschmackseindruck ist sehr überraschend. Das 5 Prozent starke Bier hat nämlich eine intensive Hopfennote mit einer sehr angenehmen Herbe. Erst nach einer ganzen Weile machen sich auch die, für ein Helles typischen, leicht süßlichen Malzaromen bemerkbar. Das Original Hell ist kein Schwergewicht, hat aber durchaus einen ordentlichen Körper und ist so eine geschmacklich runde und süffige Option. Auch dieses Gebräu aus der Berg Brauerei ist empfehlenswert!

Yes, tu kan!

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 22:15 Uhr – Bei diesem hübschen Bierchen aus dem Hause Tilmans Biere fällt der Griff zur Flasche leicht: Das Pale Ale schmückt das Gemälde eines Tukans (wobei ich mich nicht auf die Vogelart festlegen möchte). Der gefiederte Geselle sitzt auf einem Ast und schläft. Unter ihm steht in bunten Buchstaben „Pale Ale“ und „Probiers mal mit Gemütlichkeit“. Ein besonders liebevolles Detail sind die bunten Dreiecke oder Fähnchen oben und unten am Etikett.

Im Bierglas liegt das Pale Ale bernsteinfarben und leicht trüb, Schaum hat sich beim Einschenken fast keiner entwickelt. Der wenige hat sich schnell verflüchtigt, sodass nur am Rand kleine Rückstände bleiben. Der Duft ist leicht säuerlich-fruchtig, Zitrustöne sind nicht zu verkennen.

Der Geschmack entpuppt sich als äußerst unfruchtig. Eine trockene, platte Herbe macht sich kurz im Mund breit, verschwindet aber sogleich wieder. Insgesamt macht es eher einen recht dünnen Eindruck. Ja, es ist ein Pale Ale. Aber das Beste an diesem Bier ist leider das süße Etikett.

Der Leutkircher Hopfentropfen

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19:05 Uhr – Mein neustes selbstgebrautes Bier ist der Leutkircher Hopfentropfen. Das besondere an dieser Kreation ist, dass Hopfendolden aus drei verschiedenen Leutkircher Gärten drin sind. Damit diese auch zur Entfaltung kommen, habe ich ein recht hopfig-bitteres Bier geplant. Dazu kommen etwas dunklere Malze und eine hohe Stammwürze, die dem Endprodukt circa 6,9 Prozent Alkohol verleiht. Zusammen ergibt das also ein klassisches IPA.

Der Hopfentropfen schimmert bernsteinfarben, fast schon kastanienbraun und (nach sehr vorsichtigem Einschenken ohne Bodensatz) ganz klar. Bedeckt wird er von einer schönen, weißen Schaumschicht, die sich allerdings recht schnell verflüchtigt. Der starke Hopfengeruch ist nicht  zu verkennen, aber auch süßliche Malznoten und eine gewisse Erdigkeit duften aus dem Glas.

Wenig überraschend kommt das IPA direkt mit seiner ganzen Herbe an. Die bitteren Aromen erinnern an den Wald: Erdig, etwas Tannennadeln und ein klitzekleiner Hauch von fruchtigen Blüten. Dank der feinen Kohlensäure ist der Hopfentropfen trotz seiner Schwere und der leichten Brotigkeit ziemlich spritzig. Der trockene Nachgeschmack legt sich bitter auf den Gaumen und bleibt auch dort, wie nach dem Genuss von englischer Orangenmarmelade.

Wie soll man auch immer über die eigenen Biere urteilen? Es ist so geworden, wie ich mir das vorgestellt habe: Stark und herb. Dass die heimischen Hopfen keine Fruchtbomben sind, ist klar. Trotzdem finde ich es schön, dass mit diesen Gartengewächsen ein durchaus konkurrenzfähiges Bier gebraut werden kann. Und vielleicht wird ja der ein oder andere Hobbygärtner zum weiteren Hopfenanbau motiviert. Dass der Hopfentropfen aufgrund seiner Herbe Vielen zu bitter ist, ist mir bewusst. Aber das war ja gewollt. Und für ein Genießergläschen am Abend ist er allemal zu gebrauchen.

Prototyp

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21:44 Uhr – Heute gibt es mal wieder was aus dem hohen Norden: Das Prototyp der Kehrwieder Kreativbrauerei aus Hamburg. Ein stark gehopftes Lagerbier mit 5,9 Prozent Alkohol. Das Etikett ziert ein kleines Gemälde, auf dem ich eine Flusslandschaft zu erkennen meine, die sich in Blau und Grün um das Brauereilogo und den Namen des Bieres schmiegt.

Die goldgelbe Farbe ist leicht trüb und matt. Die auffällig vielen und großen Kohlesäurebläschen sorgen für eine hohe und luftige, fast schon seifenblasenähnliche Schaumkrone. Im, wie auf dem Etikett empfohlenen, hohen, schmalen Pilsglas sieht das Bier wirklich hübsch aus. Das Prototyp riecht nach säuerlichen Früchten wie Ananas, Maracuja oder Beeren.

Der erste Schluck ist erstaunlich herb (vor allem für die angegebenen 25 IBU), und dieser erste Eindruck verfestigt sich direkt in einer zweiten Bitterphase und dem Zurückbleiben des Geschmacks von bitteren Orangenschalen nach dem Schlucken. Mit der Zeit umschmeichelt ein Hauch von fruchtiger Süße von Zitrusfrüchten und unreifen Melonen den Gaumen, im Vordergrund bleibt aber das starke Hopfenaroma. Mit zunehmender Trinktemperatur – und wenn man das Bier länger im Mund behält – wird aus der Hebe ein alkoholischer Geschmack, der mir nicht schmeckt. Vielleicht ist das Prototyp eher was für warme Sommertage. Dafür, dass es eines der bekanntesten Gebräue am deutschen Craft Bier Himmel ist, bin ich doch etwas enttäuscht jetzt.

Rote Medizin

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21:22 Uhr – Die Aroniabeere wird neumodisch als Superfood bezeichnet, sie soll sehr gesund sein. Angeblich hilft sie, Obacht, gegen Alzheimer, Bluthochdruck, Blutgerinnung, Brustkrebs, Darmkrebs, Leukämie, Bluthochdruck, hohes Cholesterin, Diabetes, Herzinfarkt, chronischen Entzündungen und sogar gegen Grippe. Außerdem hilft sie beim Muskelaufbau. Nur vernünftig also, dass es den AroZeller Roter Baron gibt, ein Kirsch-Aronia-Bier der Klosterbrauerei Neuzelle. Und was gesund und Bier ist, soll mir herzlich willkommen sein.

Auf dem rot-schwarzen Etikett steht in silberner Schrift der Name des Bieres, außerdem eine große 4,8 (der Alkoholgehalt). Zudem ist der Rote Baron als „Der Überflieger“ betitelt und es wird darauf hingewiesen, dass er gekühlt zu genießen sei. Auf der Zutatenliste finden sich neben Wasser, Hopfen und Malz Kirsch-Aronia-Saft und Invertzuckersirup.

Der Rote Baron ist wenig überraschend sehr dunkelrot, mit dem wenigen Schaum sieht er einfach aus wie ein Glas Trauben- oder Kirschsaft. Der Geruch ist allerdings eher mostig, es fehlt die Süße von Saft. Bei genauerem Hinriechen kann man durchaus auch ein kräftiges Bier erkennen.

Der Geschmack bestätigt den ersten Geruchseindruck: Zunächst leicht nach Most, ohne besonders sauer zu sein. Im Abgang zu einhundert Prozent dunkler Beerensaft, auch mit einer gewissen Restsüße. Im Nachgeschmack bleibt die dezente Säure zurück, die beispielsweise auch Johannisbeersaft hat. Von Bier, Malz oder Hopfen keine Spur. Nach Bier schmeckt dieses Getränk also nicht. Bedenkt man aber, wie gesund es sein soll, ist es ausgesprochen schmackhaft.

Wir demonstrieren, mit allen Bieren

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21:39 Uhr – Dieses Bier habe ich vor allem wegen der schönen Flasche und dem tollen Namen gekauft: Der Hopfen Auflauf von BrewAge, einer Brauerei im schönen Wien. Auf dem orangefarbenen Etikett ist eine demonstrierende, wütende Hopfendolde zu sehen, die in der linken Hand ein Schild hält. Auf dem steht: Zeit für GUTES BIER! Die rechte Hand ist zur Faust geballt und nach oben gestreckt. Ein Gesicht hat die Hopfendolde nicht. In der Flasche befindet sich ein Pale Ale mit 5,4 Prozent Alkohol.

Dunkelgold, fast schon in der Farbe von frischem Kupfer, liegt der Hopfen Auflauf im Glas. Der wenige Schaum hält sich nicht ewig, aber lange genug. Das Pale Ale erscheint mir dazu recht lebhaft zu sein. Der Geruch ist ziemlich fruchtig, nach Mango und tropischen Früchten, aber auch sehr hopfig und herb. Ich rieche außerdem auch frische, sommerliche Wiesenkräuter.

Der erste Eindruck ist dann fast ein bisschen enttäuschend, nach diesem Strauß von Aromen in der Nase. Vor allem ist nämlich eine ziemlich satte, hopfige Bitterkeit zu schmecken. Außerdem fehlt es dem Bier scheinbar etwas an Kohlensäure, weswegen es ein bisschen lack daher kommt. Die tropischen Früchte sind sehr, sehr schwach. Man muss schon ganz genau in seine Geschmacksknospen hineinfühlen, um noch einen Hauch von Zitrusfrüchten zu erahnen. Dank des schlanken Malzkörpers ist es aber auf jeden Fall sehr süffig, auch die Herbe ist noch soweit im Rahmen, dass einem nicht Bang vor dem nächsten Schluck sein muss. Im Nachgeschmack kommen langsam die Orangenschalen. Nach der ersten kleinen Enttäuschung entpuppt es sich dann doch noch als ziemlich gutes Pale Ale: Fast kein Malz, schön herb und ein bisschen fruchtig. Plus die Bonuspunkte für den coolen Namen und den Wuthopfen.

Bei Anruf Kellerpils

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21:56 Uhr – Das heutige kleine Fläschchen habe ich bereits im letzten Sommer in der Bierothek in Stuttgart erworben und auch damals schon bei herrlichem Sonnenschein im Schlosspark probiert. Heute nun aber der Test ohne Sommereuphorie und erhöhten Bierdurst. Das Bier heißt 0711, was die Telefonvorwahl von Stuttgart sein dürfte, und ist ein Kellerpils. Das Design gefällt mir gut. Das weiße Etikett durchziehen feine Nadelstreifen von oben nach unten. Drauf steht schwarz schattiert in weißen Zahlen „0711“, hinterlegt von einem roten Brustringt. Darüber in klein ein gelbes Wappen mit drei schwarzen Querbalken, was wohl eine Stilisierung des Stuttgarter Stadtwappens sein dürfte. Insgesamt erinnert das alles sehr an den VfB.

Bei diesem Kellerpils handelt es sich um das Hausbier der Bierothek Stuttgart. Ein großer Wehrmutstropfen bei allem Lokalpatriotismus dürfte sein, dass dieses Getränk offensichtlich in Bamberg gebraut wird.

Das 0711 sieht aus, wie ein Pils aussehen muss: Schöner, matter Goldton mit einer feinen Schaumkrone. Es riecht auch sehr klassisch nach Bier, mit einem Anklang von Getreide und Kräutern. Im Mund entwickelt sich rasch eine angenehm grasige Herbe, die noch lange nach dem Schlucken am Gaumen spürbar ist. Zurück bleiben auch die bereits errochenen Getreidearomen. Ein Pils, das mir sehr gut mundet, ohne dabei außergewöhnlich zu sein. Nun gut. Für Stuttgarter Verhältnisse ist es wohl schon außergewöhnlich. Nämlich außergewöhnlich gut.  Aber ist ja auch nicht aus Stuttgart.

Storchen Pils

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19:49 Uhr – Heute Abend kommt eines meiner letzten Brauerzeugnisse auf den Prüfstand, das Storchen Pils. Gebraut habe ich es nach Pilsener Brauart ausschließlich mit bei der Familie Künst in der Leutkircher Storchenstraße gewachsenem Hopfen. So kommt das Bier auch zu seinem Namen. Das Etikett ziert eine historische Postkarte aus dem Jahre 1904, auf der die Abbiegung von der Wangener Straße in die Storchenstraße zu sehen ist. Wer genau hinguckt, kann am Eckhaus über der Eingangstür sogar die angebrachte Storchenfigur sehen, die dort bis heute hängt. Darüber steht in brauner, geschwungener Schrift groß der Name des Bieres.

Die Idee war, Überraschung, ein ganz klassisches Pils zu brauen. Diese Brauart ist auch der Grund, warum das Storchen Pils mein erstes untergäriges Bier geworden ist. Das heißt, dass es mit untergäriger Hefe vergoren wurde. Diese Hefe arbeitet am Grund des Gärbehälters und vor allem bei Kühlschranktemperaturen. Deshalb hat das Storchen Pils quasi sein ganzes Dasein im Kühlschrank verbracht (direkt nach ihm kamen die Schildkröten zum Winterschlaf rein).

Im Glas sieht es leicht cremefarben bis goldgelb aus, durch die Trübe (naturtrüb!) wirkt es für ein Pils relativ dunkel. Die lebendige Kohlensäure und der feinporige Schaum mit Bläschen, der sich recht gut hält, sorgen für einen ansprechenden optischen Eindruck. In die Nase steigt ein gemäßigter Geruch nach Hopfen, Kräuter und ein bisschen nach Teig.

Der erste Schluck verrät, dass das Storchen Pils mit seinen ungefähr 4,5 Prozent Alkohol sehr vollmundig ist, fast schon eine  leicht cremige Konsistenz hat. Geschmacklich bietet es eine blumige Süße, die kurz an ein wenig Kandiszucker erinnert (natürlich ist kein Zucker im Bier!). Nach diesem süßlichen Auftakt kommt bald eine leicht säuerliche Herbe dazu. Im Mund zurück bleibt der Geschmack von frisch gebackenem Brot. Insgesamt finde ich völlig subjektiv, dass es ein rundes Pils mit einem ziemlich schnörkellosen und ursprünglichen Geschmack geworden ist. Schluck für Schluck verdrängt dann auch eine trockene Herbe die anfängliche Süße, ein grasiges Hopfenaroma setzt sich immer mehr durch.

Dem Alkohol das Riegele vorgeschoben

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21:16 Uhr – Heute mal was Alkoholfreies: Ein IPA Liberis 2+3 aus der Riegele BrauManufaktur in Augsburg. Wie der Name schon verrät, soll es sich hierbei um ein alkoholfreies IPA handeln, das mit 2 Hefesorten (Irish Ale und Riegele Hefe) und 3 Hopfensorten (Amarillo, Mandarina und Simcoe) gebraut wurde. Das Etikett fügt sich in die Reihe der Riegele Brauspezialitäten. Auf weißem Hintergrund ist eine Zeichnung der Brauerei zu sehen, mit blauen und orangenen Farbtupfern steht der Name des Bieres darauf. Außerdem ist der Weltmeister der Biersommeliers, Sebastian B. Priller mit Foto und Unterschrift verewigt. Er empfiehlt nämlich das IPA Liberis 2+3 höchstpersönlich.

Das IPA ist schön goldgelb, ziemlich klar und von einer ausgiebigen und ausdauernden weißen Schaumschicht bedeckt. Optisch brauch es sich nicht verstecken, im Gegenteil. In der Nase ist es extrem fruchtig, nach Zitrusfrüchten und sauren Beeren oder Steinobst.

Der erste Schluck überrascht dann für ein IPA nach dem so typischen Geruch doch: Das Liberis weist keine Spur von auch nur irgendeiner Herbe auf. Das verwundert mich vor allem, da das Etikett die Bittere mit sechs von zehn Hopfendolden auszeichnet. Es ist ziemlich fruchtig und hat dabei die typische Süße eines alkoholfreien Bieres, ohne dabei malzig zu schmecken. Es geht eher in Richtung Traubenzucker. Die Spritzigkeit fehlt ein bisschen, das ist schade. Schwierig zu sagen, ob ich das IPA im Blindversuch mit isotonischen Sportgetränken und Saftschorlen als Bier erkannt hätte.  Denn das Bieraroma fehlt schon sehr. Es dürfte vor allem gerne einen Tick herber sein. Bei aller Kritik ist das Riegele Brauwerk trotzdem ein sehr überdurchschnittliches alkoholfreies Bier. Um nicht zu sagen: Eines der besten, die ich je probiert habe.

Die härteste Tür Berlins

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22:13 Uhr – Dieser unwürdige Moment muss mindestens 10 Jahre her sein. Ich habe Bernd, der damals ein Praktikum dort gemacht hat, in Berlin besucht. In unserer jugendlichen Euphorie wollten wir Landkinder nicht einfach nur in Berlin einen draufmachen, sondern es gleich richtig wissen. Wir sind zum Berghain. Zum berühmtesten und verruchtesten Techno-Club der Welt. Ja, wir sind zum Berghain. Aber eben nicht ins Berghain. Der Türsteher hielt uns für nicht würdig. Was in der Nacht anschließend passiert ist, weiß ich nicht mehr. Legendär wurde sie dadurch, dass wir eben nicht rein kamen.

Ich wurde älter, aber an mir haftete all die Jahre dieser Makel, es nicht ins Berghain geschafft zu haben. Bis vergangenen Samstag. Denn Mara hat mir dabei geholfen, mein Jugendtrauma aufzuarbeiten – und mich ins Berghain gebracht. Leute, ich war im Berghain. In diesem berühmtesten und verruchtesten aller Techno-Clubs der Welt. Dieser Ort der durchtanzten Nächte, der Drogenexzesse und der wilden Sexpartys. Ich habe es geschafft.

Das Gebäude, eine alte, riesige Fabrik, ist wirklich sehr beeindruckend. Was mich total überrascht hat, war die unfassbar saubere Toilette ohne auch nur einen einzigen Aufkleber (kein Witz). Am meisten aber hat mich aus dem Konzept gebracht, dass mir die Musik in diesem Techno-Tempel ausgesprochen gut gefallen hat. Wir, Mara, ich und mein Pils, haben sogar ein bisschen zur Musik und zum Glanz der Lichtorgel getanzt.

Das mit der Musik mag vielleicht daran liegen, dass es Samstagmittag war und wir beim Familiennachmittag auf der Rollschuhbahn im Berghain waren. Aber ich war definitiv im Berghain. Utz utz utz.