Ostapfel

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23:34 Uhr – Mein erstes Bier aus der Klosterbrauerei Neuzelle war ein Kartoffel-Bier, das ganz gut war. Seitdem habe ich diverse Sorten aus dem Kloster an der polnischen Grenze probiert. Ekelhaftes wie das Anti-Aging-Bier, gesundes wie den Roten Baron oder ganz schmackhaftes wie das Seelsorger-Bier. Heute ist das Apfel Bier an der Reihe.

Auf dem golden hinterlegten Etikett ist eine Hand zu sehen, auf der ein grüner Apfel liegt, der von einer grünen Schlange umgarnt wird. Es mag ein biblisches Motiv sein, die Art der Illustration gefällt mir auf jeden Fall ganz gut. Im Glas ist das Apfelbier herrlich goldgelb mit einer leichten Trübung und einer schönen, wenn auch kleinen, Schaumkrone. Das Bier lebt durch große Kohlesäurebläschen wahrhaftig.

Sofort nach dem Einschenken verströmt das 4,8 Prozent starke Getränk einen ausgeprägten fruchtigen Geruch nach Apfelschalen und Apfelsaft. Die Zunge ist von so viel Süße von sehr reifen Äpfeln erstmals leicht verwirrt, aber es bleibt nicht genug Zeit dafür, denn sofort wird das Apfelbier sauer und bitter. Das Wechselbad der Geschmackseindrücke findet schließlich darin sein Ende, dass die Süße wieder zurückkommt. Wer denkt, dass das mit Apfelsaftkonzentrat, Invertzuckersirup und Zitronensaftkonzentrat versetzte Pils eine sommerliche Erfrischung ist, liegt aber daneben: Es ist recht schwer und dazu zuckersüß – also alles andere als erfrischend.

Mit seiner extremen Süße und der leichten Mostsäure ist das ein trinkbares Gebräu. Aber eigentlich kein Bier mehr.

Ja sind wir im Wald hier, wo bleibt unser Altbier?

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21:44 Uhr – Altbier. Was weiß man schon über Altbier? Dass es aus dem Rheinischen kommt, aber auf keinen Fall aus Köln. Vielleicht aus Düsseldorf. Dass es ein Altbierlied gibt, das die Toten Hosen gesungen haben. Ich bin mir noch nicht mal sicher, ob ich schon mal ein Altbier getrunken habe. Wahrscheinlich schon, als ich einst mal von Köln aus einen Ausflug auf die andere Rheinseite gemacht habe. Falls ihr genau so wenig von Altbier wisst, wie ich – hier kommt eine Portion Schlauheit:

Altbier ist ein obergäriges Bier, also genau wie Hefeweizen, Kölsch oder auch englische und amerikanische Ales. Im Gegensatz zu diesen anderen obergärigen Bieren ist das Alt aber eher dunkel und nur aus Gerstenmalz gebraut (in Weizen und Kölsch gehört auch Weizen). „Alt“ ist das Bier nicht, weil es tatsächlich alt ist oder lange gelagert wurde, sondern weil es nach alter Brauart gebraut wird. Getrunken wird es aus kurzen 0,2 Liter Gläsern oder Alt-Pokalen.

Mit beiden Gläserarten kann ich zwar nicht dienen, dennoch probiere ich heute meine Flasche Füchschen Alt von der Brauerei im Füchschen in Düsseldorf. Die Halbliter-Bügelflasche ziert ein tiefschwarzes Etikett mit feinem roten Rand, auf dem in weißer, alter Schrift der Name des Bieres steht. Darüber ist in einem roten Kreis ein Fuchs zu sehen, der um einen überschäumenden Krug voller rotem Bier schleicht.

Natürlich ist das Alt dunkel, aber nicht schwarz. Eher Kastanienfarben – und klar. Der feine Schaum ist schön weiß und hält sich wacker. Der Geruch ist süßlich-malzig, vielleicht sogar ein bisschen harzig. Der Duft ist zwar leicht zu erkennen, aber nicht zu intensiv und aufdringlich. Der Erste Schluck ist dann mal wieder überraschend; überraschend herb. Von der erschnupperten Süße ist in dem 4,8 Prozent starken Getränk überhaupt nichts mehr zu finden. Diese Kombination aus Malzigkeit und Herbe ist (für mich) etwas ziemlich Außergewöhnliches, aber durchaus ganz gutes. Das Füchschen Alt zeigt, dass dunkles Bier nicht süß sein muss. Aromen von Tannennadeln und Nüssen umspielen den Gaumen, vor sich eine erdige und trockene Herbe im gesamten Mund breit macht.

Gar nicht so übel, dieses Altbier. Da werde ich in Zukunft sich mal noch das ein oder andere probieren.

Urban Beergardening IV

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22:23 Uhr – Es wächst und gedeiht in meinem Biergarten, aber scheinbar ziehen auch die ersten grauen Wolken auf. Am Hopfen habe ich vor allem an den frischen Trieben kleine, schwarze Mücken entdeckt. Ich kann nirgendwo etwas über einen solchen Schädling finden und vielleicht genießen die einfach nur den schönen Schatten der Pflanze. Trotzdem beunruhigt mich das ein bisschen. Davon abgesehen gedeihen die zwei Pflanzen hervorragend. Seit rund zwei Wochen muss ich fast täglich oben die Spitzen abschneiden, damit die nicht auf dem Balkon über mir weiterwachsen. Als Sichtschutz und Schattenspender wird der Hopfen auch immer besser, noch ein paar sonnige Tage und die eine Balkonseite dürfte komplett dicht sein.

Gerste im Strandstuhl

Die Gerste ist hochgeschossene wie die Sau. Jetzt fängt sie aber an, die Flügel hängen zu lassen. Erst dachte ich, dass sie zu trocken hat. Es war ja doch schon ziemlich sommerlich die letzten Tage. Mittlerweile beschleicht mich aber das Gefühl, dass ich zu dicht gesät habe und der Pflanze jetzt der Platz zur Entfaltung fehlt. Oder es halt doch ein Gewächs ist, dem es im Blumenkasten nicht so gut gefällt. Ich werde mal die Entwicklung der nächsten Tage und vielleicht Wochen abwarten. Vielleicht gehört das ja auch so.

Cerveza Motoconcho

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18:25 Uhr – Wenn Leute, die man vielleicht einmal im Jahr trifft, bei ihren Reisen um die Welt an einen denken und exotische Bierchen in ihren Koffer packen, dann hat man es eigentlich geschafft. Auf diesem Wege haben es zwei Flaschen Presidente der Cervecería Nacional Dominicana zu mir nach Oberschwaben geschafft. Gebraut zwar in der Dominikanischen Republik, gekauft aber – so wurde es mir berichtet – auf Curacao. Soll ja beides ganz schön sein.

Zu Presidente kann ich sogar eine kleine Anekdote erzählen: Ein näher nicht zu definierender Verwandter hat mal zwei Wochen All-inclusive-Urlaub in der Dominikanischen Republik verbracht und dabei offenbar auch gern mal das ein oder andere Bierchen gezippt (bestimmt waren nationale alkoholische Getränke im Paket inklusive). Nach ein paar Tagen hat er sich gefreut, dass man vom freundlichen lateinamerikanischen Hotelpersonal morgens wie ein Staatsgast begrüßt wird: „Guten Morgen, Presidente!“

Zurück zum mir vorliegenden Produkt, das ich heute öffne, weil sich das Wetter wenigstens ein klein wenig nach Karibik anfühlt. Das Bier nach Pilsener Brauart ist in ein grünes Viertelliterfläschchen gefüllt. Auf dem grünen Kronkorken und dem goldenen Halsband ist ein schlichtes, geschwungenes „P“ zu sehen. Auch auf dem golden und rot umrandeten Etikett steht nur in schwarzer Schrift auf weißem Grund der Name des Bieres. Wer das kleingedruckte auf der Rückseite liest, erfährt auch, dass neben Wasser, Hopfen, Malz und Hefe auch Zucker und unvermälzte Getreide verbraut wurden.

Im Glas ist das Presidente zwar von goldener Farbe, aber es wirkt sehr klar und dünn. Schaum hat sich leider kaum entwickelt, der wenige verbleibt in einer weniger hübschen Schicht auf der Oberfläche. Das karibische Bier riecht durchaus nach Bier, mit süßen Malzaromen. Der Geschmack ist ein bisschen wässrig, aber doch erstaunlich intensiv. Auch hier dominieren die süßen, aber leichten Malzaromen. Für seine immerhin 5 Prozent Alkohol ist das Presidente sicherlich ein ganz hervorragendes Strandbarbier: Süffig, gut gegen den Durst, leicht – und in der kleinen Flasche hat es auch keine Chance, großartig warm zu werden. Im Nachgang warte ich vergebens auf einen Hauch von Herbe, die man bei einem Pils erwarten würde. Da kommt allerdings nichts mehr – und schon ist das Glas leer.

Eine Offenbarung ist das Presidente nicht – aber dennoch bin ich positiv überrascht. Das lässt sich gut trinken an einem heißen Sommertag.

rot, Brauner

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22:03 Uhr – „shrewd“ heißt also so viel wie „gewitzt“ oder „scharfsinnig“. Schon wieder was gelernt – und jetzt kann ich auch das komplette Etikett übersetzen und weiß, was für ein Bier das Irish Red Ale von The Crafty Brewing Company ist: Ein gewitztes, altmodisches, irisches Red Ale, süß und hopfig. Gerade auf diese Kombination bin ich sehr gespannt.

Der halbe Liter irisches Bier steckt in einer braunen Glasflasche mit leicht bauchigem Hals. Das Etikett ist dunkelrot mit großen, weißen Buchstaben. Außerdem ist dort ein weißer Schnurrbart zu sehen, der links schon schön gezwirbelt ist, rechts gerade von Daumen und Zeigefinger einer Hand gezwirbelt wird.

Ich hatte jetzt irgendwie erwartet, dass ein leicht rötliches Getränk aus der Flasche ins Glas läuft, dem ist aber nicht so. Das Red Ale ist ziemlich schwarz, hat die Farbe von Kaffee und einen cremefarbenen, feinporigen Schaum. Wenn man es direkt vors Licht hält, kann man mit viel gutem Willen einen Ansatz von Kupfertönen erkennen. Schon beim Einschenken schießt direkt der süße Geruch von Karamalz in die Nase. Dazu ein Hauch von gerösteten Kaffeebohnen. Ich bin gespannt.

Ich bin direkt schon wieder verwundert. Das Irish Red Ale ist sehr dünn, weder die dunkle Farbe noch der starke Geruch finden beim ersten Schluck ihr Pendant. Das sorgt immerhin dafür, dass es a) für ein dunkles Bier ein regelrechter Durstlöscher ist und man b) ein paar andere Aromen entdecken kann. Zum Beispiel macht es sich da eine ganze Hand voll Getreide im Mund bequem. Mit den leichten Röstaromen im Abgang erinnert mich das tatsächlich an Getreidekaffee oder an irgendeinen sehr gesunden Keks aus dem Bioladen. Zu diesem Schwerpunkt gesellt sich dann auch wirklich die auf dem Etikett angekündigte Hopfigkeit, ohne für besondere Herbe zu sorgen. Das rundet das 4,1 Prozent starke Bier aber ganz ordentlich ab. Was ich oben noch als guten Durstlöscher beschrieben habe, wird im letzten Drittel und mit steigender Trinktemperatur leider etwas zäh.

Insgesamt hatte ich heute zum Wochenabschluss ein Bier im Glas, das ich bei der Auswahl der Flasche ganz anders eingeschätzt habe. Ziemlich gewitzt.

Urban Beergardening III

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10:14 Uhr – In diesen Tagen ist viel zu tun, ich komme kaum mehr zum Biertrinken. Geschweige denn zum Schreiben. Die wenigen Ruhepausen verbringe ich, wenn es das Wetter einigermaßen zulässt, im Biergarten auf meinem Balkon. Der Hopfen entwickelt sich prächtig. Die ersten Triebe werden in den nächsten Tagen an der Decke anstoßen und somit die Maximalhöhe von rund drei Metern erreichen. Untenrum werden die Pflanzen immer buschiger und es kommen immer mehr zarte Triebe dazu. Drückt mir die Daumen, dass Callista und Polaris von Schädlingen verschont werden.

Hopfengarten

Die Gerste habe ich am letzten Aprilwochenende in Blumenkästen ausgesät, etwas mit Erde bedeckt und abgewartet. Trotz dem kalten Klima haben schon nach wenigen Tagen die ersten grünen Spitzen aus dem Boden geguckt. Und den Pflänzchen gefällt es offensichtlich ziemlich gut bei mir, denn inzwischen habe ich ein richtiges kleines Gerstenfeld. Gut 15 cm sind die viele Pflanzen inzwischen groß und sie gedeihen fröhlich und anspruchslos weiter. Mal schauen, ob das doch sehr eingeschränkte Erdreich das Wachstum irgendwann einbremst und ich dann Bonsaigerste habe. Das wäre ja auch nicht schlimm, Hauptsache es gibt was zu ernten.

Gerstenfeld

Neben den Bierzutaten gedeihen inzwischen auch etliche Chilipflanzen der verschiedensten Sorten, Salbei, Rosmarin, Basilikum (der gedeiht so mittelmäßig), Pflücksalat, Olivenkraut, Koriander, Pfefferminze und marokkanische Minze in meinem Biergarten. Damit Hopfen und Gerste gute Gesellschaft haben.

Hopfentorpedo

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21:27 Uhr – Für das Fernweh am Sonntagabend nach einen fleißigen aber trüben Maiwochenende gibt es jetzt noch ein Bierchen aus Kalifornien: Das Torpedo Extra IPA der Sierra Nevada Brewing. Das kleine, bauchige Fläschchen gefällt mir mal wieder sehr gut. Auf dem waldgrünen Etikett ist ein kleiner Hopfengarten zu sehen, im Hintergrund geht die hügelige, leicht bewaldete Landschaft in ein Gebirge mit verschneiten Gipfeln über. Außerdem erzählt uns das Etikett, dass dieses Bier 65 IBU und Aromen von Zitrusfrüchten, Kiefer und Kräutern hat. Kaum vorstellbar, dass in dieser Flasche kein ganz hervorragendes Bier steckt.

Das Torpedo ist kupfer- bis bernsteinfarben, der großporige Schaum ist cremefarben und hält sich ziemlich lange. Es riecht sehr hopfig, in der Tat etwas harzig nach Wald mit einem Hauch von Zitrusfrüchten. Da ist aber auch eine stark alkoholische Note. Vielleicht lassen sich hier schon die 7,2 Prozent Alkohol erschnuppern.

Das Extra IPA bleibt seinem Waldaroma treu, beim ersten Schluck drängen sich aber direkt verschieden Kräuter in den Vordergrund. Von sonnigen Zitrusfrüchten ist allerdings keine Spur. Ich fühle mich vielmehr an einen kalten Gebirgsbach versetzt, der sich durch einen Nadelwald schlängelt und an dessen Ufer dunkelgrüne Kräuter gedeihen. Diese sehr gute Würzigkeit verschleiert fast etwas, dass diese Hopfenbombe auch eine ordentliche Herbe hat, die aber sehr gut passt. Vor allem im Nachgeschmack bleibt dieses bittere Gefühl lange auf dem Gaumen liegen. Trotz der Herbe ist das kalifornische IPA sehr sanft und weich, und deshalb auch recht süffig. Nach einiger Zeit machen die Kräuteraromen dann doch Platz für etwas Frucht, interessanterweise erkenne ich ansatzweise den Geschmack von Multivitaminsaft – natürlich ohne jegliche Süße. Hinten auf der Zunge kann man einen Hauch von Steinobst und Trockenfrüchten erahnen.

Auch wenn es etwas anders schmeckt als erwartet – ein ganz tolles IPA, das ich hiermit gerne weiterempfehle!

Flüssige Mehlspeise

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18:53 Uhr – Die Brewbaker Handwerksbrauerei in Berlin ist gar nicht so einfach zu finden. Zwar wirbt die Brauerei damit, dass man jederzeit vorbeikommen und gucken kann, dazu muss man Brewbaker im Hintergebäude eines Getränkehändlers im Wedding aber erst mal finden. Dann war der Besuch auch ein bisschen skurril, weil sich wohl die Geschäftsführer zerstritten haben und derjenige, der da war, die Brauerei verlässt und wo anders mit einer anderen Brauerei weitermacht. Entsprechend wenig euphorisch hat er die Brauerei gezeigt und Fragen beantwortet. Naja. Eingekauft habe ich trotzdem ein bisschen.

Zum Beispiel das Berliner Hell. Wie alle Biere von Brewbaker ein Bio-Bier. Das gelblich gehaltene Etikett zeigt im Hintergrund eine Holzstruktur. Im Vordergrund dominiert ein dunkelgelber Streifen, auf den in großen weißen Buchstaben der Name des 4,8 Prozent starken Getränks steht. Außerdem ist das Brauereilogo in Stempeloptik zu sehen und ein historisches Foto der Oberbaumbrücke.

Im Glas ist das Hell überraschend dunkelgold, fast schon mit einem Stich von Bernstein. Der grobporige Schaum nimmt relativ schnell ab. Die Kohlensäure perlt mit auffallend großen Bläschen. Der Geruch ist recht malzig, irgendwie ein bisschen nach säuerlichem Teig.

Der erste Schluck lässt mich das Gesicht verziehen. Brotig bis mehlig-trocken, sofort kommt eine Bitterkeit ganz ohne Hopfenaroma. Zurück bleibt der Geschmack von rohen Kartoffeln. Nach dem halben Glas habe ich mich an all die negativen Punkte gewöhnt und bin auf der Suche nach anderen Geschmackseindrücken. Da kommt aber nichts mehr. Schade. Kein gutes Bier.

Was fürs Ojo

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21:10 Uhr – Ein letztes flüssiges Mitbringsel aus dem Mexiko-Urlaub im letzten Hebst: Ein Craft Beer von der Yucatan-Halbinsel, ein Pale Ale gebraut von der Cervecería Tulum. Etwas verwirrend ist ja, dass die Brauerei nach dem Städtchen Tulum benannt ist, ihren Sitz aber in Cancun hat. Das ist mir aber auch gerade eben erst aufgefallen. Die für uns Europäer ungewöhnlichen 355 Milliliter stecken in einer braunen Einwegglasflasche, auf der ein glänzend-verspiegeltes, petrolfarbenes Etikett klebt. In weißer Schrift steht lediglich der Name der Brauerei drauf, darüber fliegt ein gestrichzeichneter, nicht besonders hübscher, Vogel. Durch das verspiegelte Hochglanzetikett mit dem klaren Motiv sieht das sehr, sehr edel aus.

Um es kurz zu machen: Im Glas eines der schönsten Biere, die ich jemals gesehen habe. Es besticht mit einem trüben Dunkelgold mit leichtem Kupferstich, hat eine lebendige Kohlensäure und einen festen, langlebigen, alpinaweißen Schaum. Ein Traum! Es verströmt einen nicht besonders intensiven Geruch von frischer Herbe.

Geschmacklich zeigt das Pale Ale aus Mexiko zunächst eine sanfte Herbe mit leichter Süße. Vor allem fällt aber auf, dass es recht trocken und brotig mit einer starken Hefenote daherkommt. Das ist überraschend, da ich irgendwie ein spritziges Strandbier voller karibischer Aromen erwartet habe. Die Realität ist trotz leichter 4,7 Prozent Alkohol ein relativ schweres Getränk. Auch nach mehreren Schlücken zeigt sich kein besonders auffallendes Aroma. Es ist ein wunderschönes und recht ordentliches Bier – aber leider nicht mehr.

Katerfrühstück ohne Vanille

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19:05 Uhr – Das Katerfrühstück von Schoppebräu ist vermutlich die teuerste Flasche Bier, die ich jemals gekauft habe. Ich erinnere mich nicht mehr genau, aber so um die fünf Euro dürfte der Drittelliter gekostet haben. Der Preis wird damit erklärt, dass 200 Vanilleschoten von Hand in das Bier geschabt wurden. Wie viel davon in dieser Flasche gelandet ist, weiß man nicht. Auf jeden Fall ist das Katerfrühstück ein Imperial Vanilla Stout mit beachtlichen 12 Prozent Alkohol.

Auf dem grauen Etikett ist die Zeichnung eines Katzenkopfes zu sehen, vielleicht auch nur das Skelett davon. Darüber und am Flaschenhals fällt das schwarz-rot-gelbe Logo der Brauerei auf. Warum das Bier Katerfrühstück heißt, weiß ich nicht. Vielleicht, weil nach dem Fläschchen der Tag sowieso gelaufen ist. Aber man kann es ja auch teilen, was ich in diesem Fall tatsächlich auch mal mache.

Im Glas ist es wie erwartet tiefschwarz, der wenige Schaum verschwindet sofort. Es riecht ziemlich schwer, hat starke Röstaromen, die an Kaffee und Schokolade erinnern. Auch einen Hauch von Lakritz kann man erschnuppern. Aber Vanille? Naja, mit dem Wissen, das welche drin sein muss und mit etwas Fantasie und Wohlwollen, kann man vielleicht auch einen Hauch von Vanille erahnen.

Der erste Schluck Katerfrühstück schmeckt nach kaltem, leicht süßlichem Kaffee mit Kohlensäure – oder wie eine Mischung von Kaffee und Mineralwasser. Vielleicht stammt der Name des Bieres auch von diesem ersten Eindruck. Je wärmer das Bier wird, desto mehr kommen Aromen von Schokolade und Toffifee raus, was das ganze durchaus zu einem schmackhaften Erlebnis macht. Keine Spur ist da allerdings von der groß angekündigten und teuer bezahlten Vanille. Im Angang ist das Imperial Stout sehr schwer, hat einen alkoholischen Geschmack und hinterlässt eine säuerliche Herbe.