Urban Beergardening VI

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20:26 Uhr – Die Erntezeit rückt sichtbar näher. Der Callista-Hopfen hat vor ungefähr zwei Wochen angefangen, auffällig zu blühen. Erst dachte ich, dass irgendwas nicht stimmt, weil ich noch nie bewusst weiße Blüten an einer Hopfenpflanze wahrgenommen habe. Es ist aber alles gut, denn die Blüten werden nach und nach zu schönen Hopfendolden. Der Polaris-Hopfen hat direkt Dolden angesetzt, oder vielleicht waren die Blüten einfach auch nur extremst unauffällig. Beide Pflanzen haben noch nicht sehr viele Dolden, aber ich hoffe, dass da noch einiges kommt. Noch ein paar Tage Sonne, dann kann ich die ersten ernten und trocknen.

Für die Gerste gilt, so glaube ich, das gleiche. Noch zwei, drei warme Tage und ich kann mit der Ernte beginnen. Der Großteil der Halme ist inzwischen sehr trocken und entsprechend braun. Nur noch wenige Halme sind grün. Leider sind weitere Pflanzen abgestorben, so dass die Ausbeute relativ gering ausfallen wird. Dazu kommt, dass die Körner recht klein sind. Man muss sicher überlegen, ob Gerste vielleicht doch nicht das optimale Balkongetreide ist. Festzuhalten ist aber auch, dass es mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit eine Ernte geben wird – und damit das Projekt, ein Bier nur mit Zutaten vom eigenen Balkon zu brauen, am Leben ist.

Das heißt natürlich auch, dass ich mich so langsam ernsthaft mit der Kunst des Mälzens vertraut machen muss. Denn die geernteten Gerstenkörner wollen ja auch verarbeitet werden.

Aus Hamburg in die Welt

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21:01 Uhr – Ein Geschenk aus Hamburg war das Great Escape India Pale Ale der Buddelship Brauerei. Sehr schön finde ich, wie hier Hamburg, der Hafen von denen Viele in die sogenannte neue Welt aufgebrochen sind (bestimmt mit stark eingebrautem Bier an Bord), mit Aromahopfen kombiniert wird, der jetzt aus dieser neuen Welt zurück kommt. Solche Geschichten habe ich gerne. Auf dem Etikett, das einmal rund um die braune Drittelliterflasche geht, ist auch ein bisschen was von dieser Geschichte zu sehen: Ganz links ein Kranen im Hamburger Hafen, daneben das große Logo der Brauerei. Darunter immer die blauen Wellen, auf denen sich etwas weiter rechts ein großes Dampfschiff bewegt. Dass schon Land in Sicht ist, verrät die Möwe, die auf das Schiff zufliegt.

Beim Einschenken entwickelt sich extrem viel Schaum, der fast ein bisschen wie weißer Spülmittelschaum aussieht und das Trinkerlebnis erheblich verzögert. Darunter zeigt sich ein goldfarbenes, klares Bier, das insgesamt äußerst nett anzuschauen ist. In der Nase zeigt das IPA eine gehörige Hopfenwucht, man kann die Herbe schon richtig heraus riechen. Dazu kommen leicht säuerliche Fruchtaromen und der Geruch von nassem Wald.

Der Geschmack bestätigt den Geruch: Ein ziemlich herbes IPA, mit auffälligen waldigen (Pinien?) und erdigen Aromen. Wenn sich die erste Bitterwelle legt, sind da auch Töne von unreifer Mango und im Abgang Grapefruit. Dazu kommt ein leichter Karamellgeschmack, der Dank der Hopfenherbe aber gar keine Süße entwickelt. Für seine 6,5 Prozent Alkohol kommt das Great Escape doch recht schlank und einigermaßen spritzig daher. Ein ganz ordentliches IPA, das den Gaumen mit seiner ganzen Herbe erfreut und ein paar Fruchtaromen andeutet, ohne eine komplette Fruchtbombe zu sein.

Tripel Trouble

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22:15 Uhr – Den Schlafanzug habe ich schon an, es ist also allerhöchste Schlummertrunkzeit. Heut mal wieder was aus der Ename-Reihe der belgischen Roman-Brauerei. Das Tripel versteckt seine schlummertauglichen 8,5 Prozent Alkohol wie gewohnt in einer Drittelliter Steiniflasche. Das Etikett ist vollkommen schwarz, lediglich der Name des Bieres ist in klaren, weißen Buchstaben darauf geschrieben. Darüber Steckt ein Mönch mit Kapuze seine Nase in gleich drei Bierkelche. Sieht sehr edel aus.

Im Glas ist das Ename dunkelgold, sehr klar und macht irgendwie einen eisigen Eindruck. Es hat eine sehr lebendige Kohlensäure und einen ganz enormen, grobporigen Schaum, der gar nicht weniger wird. Der Geruch ist säuerlich nach Wein, leicht alkoholisch und ein bisschen muffelig – auf jeden Fall recht intensiv.

Der erste Schluck ist überraschend mild. Meine erste Assoziation ist Weichkäse mit Rotschmiere. Das Bier hat eine ganz besondere Konsistenz auf der Zunge und eben diese Spur von miefigem Käse. Dann hält sich die  karamellige Malzigkeit eigentlich ganz gut die Wage mit den bitteren Kräutertönen. Im Abgang kommt für meinen Geschmack der Alkohol aber viel zu stark durch. Zurück bleibt der abgestandene Geschmack von erbrochener Banane.

Das hört sich jetzt alles sehr furchtbar an. Ist es nicht. Wenn das Tripel ein bisschen an Temperatur gewinnt und sich der Gaumen daran gewöhnt hat, ist es zwar immer noch stark, herb und gewöhnungsbedürftig, aber schon ganz okay. Definitiv was relativ außergewöhnliches – das ich jetzt aber zugegebenermaßen nicht so bald wieder haben muss.

Belgische Bakterienparty

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21:48 Uhr – Ein Kind, das in diesem Moment geboren wird, wird schon volljährig sein, wenn das Fläschchen Bier, das zu meiner Rechten steht, sein Mindesthaltbarkeitsdatum überschreitet: 10. August 2037. Ein frommer Wunsch, dass wir alle dann noch da sind – das Bier wird es nämlich nicht mehr sein. In wenigen Augenblicken werde ich es öffnen.

Um dem Kind – also dem Bier – einen Namen zu geben: Es heißt Oude Geuze Boon à l’Ancienne und ist Jahrgang 2014 und 2015. Fangen wir mal an zu entziffern: Boon ist der Name der Brauerei. Geuze ist eine Bierart, bei der verschiedene Lambics miteinander vermischt werden, und zwar ungesüßt und ungefiltert. In diesem Falle aus den Jahren 2014 und 2015. Oude steht dafür, dass es eine Geuze traditioneller Art ist. Ein Lambic wiederum ist ein Bier, das mit wilden Hefen vergoren wurde, die von selbst in das frisch gebraute Bier kamen. Anschließend wir das Bier in Holzfässern gelagert. Spontangärige Biere werden nur in der kleinen Region um Lembeek in Belgien hergestellt. Eine Geuze wird auch Umgangssprachlich Brüsseler Champagner genannt. Und à la Ancienne heißt das gleiche wie Oude. So. Alles klar, oder?

Die grüne Flasche fasst nur einen viertel Liter und erinnert ein bisschen an eine Mini-Sektflasche. Das Etikett ist dunkelgrün, in weißen und goldenen Buchstaben steht der Name des Bieres drauf. Weder besonders schick, noch besonders spektakulär. Aber irgendwie ein bisschen edel.

Die Flasche schäumt nach dem Einschenken direkt über, das geht ja gut los. Klar ist auf jeden Fall also, dass es sich um ein lebhaftes Tröpflein handelt. Was sich auch direkt bemerkbar macht, ist ein sehr intensiver, säuerlicher Geruch. Optisch ist die Geuze recht hübsch, matt und trüb goldgelb, dazu ein feiner, weißer Schaum. Wenn man die Nase ins Glas hält, wird klar, dass die Säure nicht an Bier erinnert, sondern an Sekt.

Der Eindruck von Sekt verhärtet sich zunächst auch beim ersten Schluck, aber nur kurz. Dann gesellt sich ein schwer zu definierendes Aroma dazu. Fast ein bisschen hölzern, vielleicht kommt das tatsächlich von den Fässern? Dazu eine leicht fruchtige Süße, die mich vor allem an säuerliche Äpfel erinnert. Man muss klar sagen: Mit Bier im herkömmlichen Sinne hat das geschmacklich nichts zu tun. Aber es schmeckt, auf seine Art, ziemlich gut. Das Zusammenspiel der Säure, der leichten Süße und die Spritzigkeit passen gut und macht die Geuze zu einem ziemlich erfrischenden Getränk – die 7 Prozent Alkohol bemerkt man überhaupt nicht. Das spannende ist ja, dass in diesem Bier nur Wasser, Gerste, Weizen und Hopfen drin sind – und eben die von selbst gekommene Hefe. Dass letztere so einen extremen Einfluss auf den Geschmack ausübt, ist schon faszinierend.

Wer in diesem Sommer noch einen Sektempfang für Bierfreude plant – mit dem Geuze Boon könnte das ein echter Coup werden.

Urban Beergardening V

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8:10 Uhr – Ich muss mich entschuldigen. 5 Wochen lange habe ich keine Wasserstandsmeldung aus meinem Biergarten herniedergetippt. Sicherlich haltet ihr es vor Wissbegierde kaum mehr aus. Absolut verständlich.

Der Hopfen gedeiht weiterhin prächtig. Die beim letzten Mal entdeckten Schädlinge waren Läuse, die ich mit den herkömmlichen Amateurgärtnertricks nicht los geworden bin. Also bin ich in die Schädlingsbekämpfungsabteilung des Gartenmarktes meines Vertrauens und habe mir ein Sprühmittelchen geholt. Was harmloses natürlich, denn aus dem Hopfen soll ja noch ein Lebensmittel werden. Es hat gewirkt, die allermeisten Läuse sind weg. Und an den restlichen erfreuen sich Ameisen und Marienkäfer. Die Hopfenpflanzen haben jetzt auch so langsam kapiert, dass es nach oben nicht weitergeht, das erspart mir viel Abzwickerei – und ganz nebenbei erfüllen sie ihre Rolle als Sichtschutz immer dichter und damit besser. Nun mache ich mich täglich auf die Suche nach den ersten kleinen Dolden.

Die Gerste ist weiter gewachsen, allerdings ist ungefähr die Hälfte abgestorben. Ich denke in der Tat, dass mein Feld zu dicht war und sich einfach die stärksten Halme durchgesetzt haben. Letzte Woche hat sie mich dann richtig glücklich gemacht, meine Gerste. Aus den breiten Grashalmen hat sich nämlich die Entwicklung zu richtigem Getreide angedeutet: Erste Härchen haben sich oben herausgestreckt. Nach ein paar Tagen waren auch die ersten Körnchen zu sehen. Jetzt wird die Gerste natürlich noch mehr gehegt und gepflegt als ohnehin schon. Und so langsam muss ich mir einen Experten suchen, der weiß, wann man ernten kann. Und einen Minimähdrescher sollte der im Idealfall auch haben.

Brot Bier

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20:44 Uhr – Gabriel hat mir vor Monaten eine Reportage über verschiedene Menschen empfohlen, die Lebensmittel retten. Hab ich geguckt und das meiste vergessen. Eine Gruppierung aber, ich habe vergessen in welchem Land, hat aus altem Brot Bier gebraut – und somit die Haltbarkeit eines Lebensmittels von ein paar Tagen auf ungefähr ein Jahr erhöht. Klingt spannend, hab ich mir gedacht. Das mach ich auch.

Also habe ich am vorletzten Brautag einen kleinen Extrasud Brot Bier gebraut. Dabei ersetzt man einen gewissen Anteil des Malzes durch getrocknetes, altes Brot. Und das schöne ist: Es hat geklappt! Es ist tatsächlich Bier daraus geworden. Und obwohl es nur ein Versuch war, nehme ich das heute mal unter die Lupe.

Im Glas sieht das Bier etwas dünn und wässrig aus, die Farbe geht in die Richtung eines matten Goldgelbes. Der feste, weiße Schaum weiß zu gefallen, dank lebendiger Bläschenentwicklung hält der ewig. Das Bier riecht sehr intensiv, vor allem fällt eine säuerliche Zitrusnote auf. Die kommt vom verwendeten Citra-Hopfen. Spannend ist aber auch ein hefig-brotiges Aroma, das in die Nase dringt. Vielleicht kommt das vom Brot, vielleicht aber auch daher, dass das Brot Bier von der Brauart her ein Hefeweizen ist. Auch im Geschmack kommt das Gebräu eher etwas leicht, dünn und wässrig daher. Beim nächsten Mal also stärker einbrauen. Dazu hat es eine leichte Herbe, auch die Zitrussäure ist wieder dezent zu bemerken. Im Abgang ist es recht drucken, auf der Zunge bleibt ein irgendwie Gefühl nach (zu) frischem Brot zurück.

Das Wichtigste ist ja – wie oben geschrieben – es hat funktioniert. Jetzt kann man an die Feinarbeit gehen.

Ostapfel

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23:34 Uhr – Mein erstes Bier aus der Klosterbrauerei Neuzelle war ein Kartoffel-Bier, das ganz gut war. Seitdem habe ich diverse Sorten aus dem Kloster an der polnischen Grenze probiert. Ekelhaftes wie das Anti-Aging-Bier, gesundes wie den Roten Baron oder ganz schmackhaftes wie das Seelsorger-Bier. Heute ist das Apfel Bier an der Reihe.

Auf dem golden hinterlegten Etikett ist eine Hand zu sehen, auf der ein grüner Apfel liegt, der von einer grünen Schlange umgarnt wird. Es mag ein biblisches Motiv sein, die Art der Illustration gefällt mir auf jeden Fall ganz gut. Im Glas ist das Apfelbier herrlich goldgelb mit einer leichten Trübung und einer schönen, wenn auch kleinen, Schaumkrone. Das Bier lebt durch große Kohlesäurebläschen wahrhaftig.

Sofort nach dem Einschenken verströmt das 4,8 Prozent starke Getränk einen ausgeprägten fruchtigen Geruch nach Apfelschalen und Apfelsaft. Die Zunge ist von so viel Süße von sehr reifen Äpfeln erstmals leicht verwirrt, aber es bleibt nicht genug Zeit dafür, denn sofort wird das Apfelbier sauer und bitter. Das Wechselbad der Geschmackseindrücke findet schließlich darin sein Ende, dass die Süße wieder zurückkommt. Wer denkt, dass das mit Apfelsaftkonzentrat, Invertzuckersirup und Zitronensaftkonzentrat versetzte Pils eine sommerliche Erfrischung ist, liegt aber daneben: Es ist recht schwer und dazu zuckersüß – also alles andere als erfrischend.

Mit seiner extremen Süße und der leichten Mostsäure ist das ein trinkbares Gebräu. Aber eigentlich kein Bier mehr.

Ja sind wir im Wald hier, wo bleibt unser Altbier?

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21:44 Uhr – Altbier. Was weiß man schon über Altbier? Dass es aus dem Rheinischen kommt, aber auf keinen Fall aus Köln. Vielleicht aus Düsseldorf. Dass es ein Altbierlied gibt, das die Toten Hosen gesungen haben. Ich bin mir noch nicht mal sicher, ob ich schon mal ein Altbier getrunken habe. Wahrscheinlich schon, als ich einst mal von Köln aus einen Ausflug auf die andere Rheinseite gemacht habe. Falls ihr genau so wenig von Altbier wisst, wie ich – hier kommt eine Portion Schlauheit:

Altbier ist ein obergäriges Bier, also genau wie Hefeweizen, Kölsch oder auch englische und amerikanische Ales. Im Gegensatz zu diesen anderen obergärigen Bieren ist das Alt aber eher dunkel und nur aus Gerstenmalz gebraut (in Weizen und Kölsch gehört auch Weizen). „Alt“ ist das Bier nicht, weil es tatsächlich alt ist oder lange gelagert wurde, sondern weil es nach alter Brauart gebraut wird. Getrunken wird es aus kurzen 0,2 Liter Gläsern oder Alt-Pokalen.

Mit beiden Gläserarten kann ich zwar nicht dienen, dennoch probiere ich heute meine Flasche Füchschen Alt von der Brauerei im Füchschen in Düsseldorf. Die Halbliter-Bügelflasche ziert ein tiefschwarzes Etikett mit feinem roten Rand, auf dem in weißer, alter Schrift der Name des Bieres steht. Darüber ist in einem roten Kreis ein Fuchs zu sehen, der um einen überschäumenden Krug voller rotem Bier schleicht.

Natürlich ist das Alt dunkel, aber nicht schwarz. Eher Kastanienfarben – und klar. Der feine Schaum ist schön weiß und hält sich wacker. Der Geruch ist süßlich-malzig, vielleicht sogar ein bisschen harzig. Der Duft ist zwar leicht zu erkennen, aber nicht zu intensiv und aufdringlich. Der Erste Schluck ist dann mal wieder überraschend; überraschend herb. Von der erschnupperten Süße ist in dem 4,8 Prozent starken Getränk überhaupt nichts mehr zu finden. Diese Kombination aus Malzigkeit und Herbe ist (für mich) etwas ziemlich Außergewöhnliches, aber durchaus ganz gutes. Das Füchschen Alt zeigt, dass dunkles Bier nicht süß sein muss. Aromen von Tannennadeln und Nüssen umspielen den Gaumen, vor sich eine erdige und trockene Herbe im gesamten Mund breit macht.

Gar nicht so übel, dieses Altbier. Da werde ich in Zukunft sich mal noch das ein oder andere probieren.

Urban Beergardening IV

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22:23 Uhr – Es wächst und gedeiht in meinem Biergarten, aber scheinbar ziehen auch die ersten grauen Wolken auf. Am Hopfen habe ich vor allem an den frischen Trieben kleine, schwarze Mücken entdeckt. Ich kann nirgendwo etwas über einen solchen Schädling finden und vielleicht genießen die einfach nur den schönen Schatten der Pflanze. Trotzdem beunruhigt mich das ein bisschen. Davon abgesehen gedeihen die zwei Pflanzen hervorragend. Seit rund zwei Wochen muss ich fast täglich oben die Spitzen abschneiden, damit die nicht auf dem Balkon über mir weiterwachsen. Als Sichtschutz und Schattenspender wird der Hopfen auch immer besser, noch ein paar sonnige Tage und die eine Balkonseite dürfte komplett dicht sein.

Gerste im Strandstuhl

Die Gerste ist hochgeschossene wie die Sau. Jetzt fängt sie aber an, die Flügel hängen zu lassen. Erst dachte ich, dass sie zu trocken hat. Es war ja doch schon ziemlich sommerlich die letzten Tage. Mittlerweile beschleicht mich aber das Gefühl, dass ich zu dicht gesät habe und der Pflanze jetzt der Platz zur Entfaltung fehlt. Oder es halt doch ein Gewächs ist, dem es im Blumenkasten nicht so gut gefällt. Ich werde mal die Entwicklung der nächsten Tage und vielleicht Wochen abwarten. Vielleicht gehört das ja auch so.

Cerveza Motoconcho

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18:25 Uhr – Wenn Leute, die man vielleicht einmal im Jahr trifft, bei ihren Reisen um die Welt an einen denken und exotische Bierchen in ihren Koffer packen, dann hat man es eigentlich geschafft. Auf diesem Wege haben es zwei Flaschen Presidente der Cervecería Nacional Dominicana zu mir nach Oberschwaben geschafft. Gebraut zwar in der Dominikanischen Republik, gekauft aber – so wurde es mir berichtet – auf Curacao. Soll ja beides ganz schön sein.

Zu Presidente kann ich sogar eine kleine Anekdote erzählen: Ein näher nicht zu definierender Verwandter hat mal zwei Wochen All-inclusive-Urlaub in der Dominikanischen Republik verbracht und dabei offenbar auch gern mal das ein oder andere Bierchen gezippt (bestimmt waren nationale alkoholische Getränke im Paket inklusive). Nach ein paar Tagen hat er sich gefreut, dass man vom freundlichen lateinamerikanischen Hotelpersonal morgens wie ein Staatsgast begrüßt wird: „Guten Morgen, Presidente!“

Zurück zum mir vorliegenden Produkt, das ich heute öffne, weil sich das Wetter wenigstens ein klein wenig nach Karibik anfühlt. Das Bier nach Pilsener Brauart ist in ein grünes Viertelliterfläschchen gefüllt. Auf dem grünen Kronkorken und dem goldenen Halsband ist ein schlichtes, geschwungenes „P“ zu sehen. Auch auf dem golden und rot umrandeten Etikett steht nur in schwarzer Schrift auf weißem Grund der Name des Bieres. Wer das kleingedruckte auf der Rückseite liest, erfährt auch, dass neben Wasser, Hopfen, Malz und Hefe auch Zucker und unvermälzte Getreide verbraut wurden.

Im Glas ist das Presidente zwar von goldener Farbe, aber es wirkt sehr klar und dünn. Schaum hat sich leider kaum entwickelt, der wenige verbleibt in einer weniger hübschen Schicht auf der Oberfläche. Das karibische Bier riecht durchaus nach Bier, mit süßen Malzaromen. Der Geschmack ist ein bisschen wässrig, aber doch erstaunlich intensiv. Auch hier dominieren die süßen, aber leichten Malzaromen. Für seine immerhin 5 Prozent Alkohol ist das Presidente sicherlich ein ganz hervorragendes Strandbarbier: Süffig, gut gegen den Durst, leicht – und in der kleinen Flasche hat es auch keine Chance, großartig warm zu werden. Im Nachgang warte ich vergebens auf einen Hauch von Herbe, die man bei einem Pils erwarten würde. Da kommt allerdings nichts mehr – und schon ist das Glas leer.

Eine Offenbarung ist das Presidente nicht – aber dennoch bin ich positiv überrascht. Das lässt sich gut trinken an einem heißen Sommertag.