Urban Beergardening II

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13:21 Uhr – Dem Hopfen geht es prächtig. Letzte Woche hat er ein äußerst professionelles Rankgerüst geschenkt bekommen, an dem er den Sommer über hochwachsen und gedeihen kann. Da sowohl der Callista als besonders auch der Polaris in den letzten Tagen kräftig gewachsen sind, fehlen nur noch wenige Zentimeter, um die gespannten Schnüre  zu erreichen. Und dann kann es abgehen. Interessant zu sehen ist auch, dass die beiden Hopfensorten tatsächlich recht verschiedenes Blattwerk haben. Der fruchtige Callista ist eher zart, der eisige Polaris eher grob. Ich bin gespannt, ob auch die Dolden sehr verschieden sein werden.

Jetzt wo der Hopfen so schön gedeiht, kann ich das nächste Projekt angehen: Die Gerste. Das Fragezeichen ist immer noch riesig, aber das muss ja auch irgendwie möglich sein.

Breda Sommerberger, ein süffiger Geistlicher

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21:42 Uhr – Als ich noch ganz klein war, hat meine Oma in Zwiefalten gewohnt. Auf dem Weg dorthin habe ich mich meistens im oder neben dem Auto übergeben. Ich erinnere mich nur noch sehr dünn und vielleicht auch falsch an das Haus. In meiner Erinnerung ging es nach der Haustür, dort wo normal das Klo ist, direkt rechts rein in ein Wohnzimmer, in dem man nie war. Gerade aus war das Esszimmer, in dem man immer war, und in dem es alt gerochen hat. Von dort führte eine Tür in die Küche. Außerdem gingen mehrere Gänge in andere Bereiche und Geschosse des Hauses ab. Einer davon ging bestimmt in den Keller. Und jetzt wird ein Schuh draus.

Heute gibt es nämlich ein kleines Fläschchen von Zwiefalter Klosterbräu: Kleiner Abt ist ein ursprüngliches Kellerbier in einer Drittelliter Euroflasche. Auf dem traditionell gehaltenen Etikett sind drei Mönche zu sehen, die offensichtlich gerade im Kerzenschein eine Bierprobe machen. Neben der Kerze und einer Schriftrolle sind auch Hopfendolden auf dem Tisch zu erkennen.

Im Glas hat der Kleine Abt ein schönes Goldgelb, eine dezente Trübe und auffällige Kohlensäure. Besonders viel Schaum entwickelt sich nicht. Das Kellerbier riecht malzig nach Getreide und Hefe. Im Geschmack erkennt man zunächst eine erstaunliche Süße, die sich dann aber mit einer leichten Herbe vermischt. Trotz einer gewissen Schwere (von 5,3 Prozent) scheint mir das milde Bier ziemlich süffig zu sein. Ich bin beinahe hin und weg, so positiv überrascht bin ich von diesem unscheinbaren Bier. Und es ist auch noch quasi aus der Region. So soll das sein. Auf das Wohl von Abt Breda Sommerberger!

Kanadisches Engel-Wit

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15:19 Uhr – Wie von kurzer Hand geplant ist es heute Zeit für das erste Bier in der Strandliege auf meinem Balkon. Zum europäischen Frühling gibt es Bier aus Kanada, aus dem Hause Steam Works. Und zwar ein White Angel IPA. Wie bei allen Bieren der Brauerei ist die Flasche sehr kunstvoll gestaltet. In Weiß, Gold und Orange ist ein weiblicher Engel im langen Kleid und mit orangener Pilotenbrille zu sehen, der eine riesige Bierflasche im Arm wiegt. Das erinnert etwas an die Freiheitsstatue, obwohl es eigentlich kaum Ähnlichkeiten gibt. Rund um den Engel fliegen mit Propellern angetriebene Bierkrüge. Auf der Zutatenliste stehen neben Weizen auch Orangenschalen, Gewürze und Koriander. Es handelt sich hier also um ein ziemlich klassisches Wit-Bier, wenn auch mit seinen 6,9 Prozent deutlich stärker.

Die Sonnenstrahlen lassen das White Angel IPA im Glas herrlich schimmern: Sattes Goldgelb mit einer leichten Trübe, die ganze Pracht wird von einer festen Schaumschicht bedeckt. Aus dem Glas strömt ein fruchtiger Duft mit sanfter Zitrusnote und Spuren von Hefeweizen. Ein typischer Wit-Geruch. Das kanadische IPA zeigt sich sofort mit einer deutlichen, aber angenehmen Herbe. Kurz blitzt eine schöne Fruchtigkeit auf, dann legt sich das Getränk muffig-matt auf die Zunge. Die Bitterkeit der Orangenschalen wird zusätzlich zur Hopfenherbe immer offensichtlicher. Der Nachgeschmack ist der der eines Weizenbiers.

Das White Angel IPA ist mit Sicherheit ein ganz hervorragendes, bestens durchkomponiertes Bier und auch eines der besseren Wit-Biere, die ich bisher probiert habe. Trotzdem muss ich sagen, dass ich nach wie vor kein Fan dieses Stiles bin.

Urban Beergardening

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11:48 Uhr – „Hier wächst Ihr Bier“ soll bald auf einem Schild auf meinem Balkon stehen. Ich habe mir nämlich für 2019 ein ganz spezielles Projekt vorgenommen: Ich möchte ein Bier brauen, dessen Zutaten ausschließlich auf meinem ungefähr zehn Quadratmeter großen Balkon gewachsen oder entstanden sind. Die heutige und erste Übung war vermutlich die einfachste, ich habe den Hopfen eingepflanzt. Zwei ganz kleine und zarte Pflänzchen der Sorten Callista und Polaris stecken nun in der Mitte zweier scheinbar viel zu großen Töpfe, die mit 80 Litern Blumenerde gefüllt sind. Ich bin aber zuversichtlich, dass die Hopfenranken schon bald gedeihen und im Frühsommer bereits oben am nächsten Balkon anstoßen.


Außerdem habe ich diesen herrlichen Frühlingsvormittag auch direkt mal genutzt, um meinen Balkon wieder fit für den Sommer zu machen. Ich habe also den Rasenteppich gesaugt, leere Blumentöpfe aufgeräumt und die Gartenmöbel abgestaubt. Momentan trocknet alles an der Sonne, aber am Nachmittag sollte mein Sommerparadies für den Genuss des ersten Bieres einsatzbereit sein.

Auf dem Weg zum selbstgebrauten Balkon-Bier fällt natürlich noch mehr an. Bier braucht bekanntermaßen neben Hopfen noch Malz, Wasser und Hefe. Regenwasser kann ich sicherlich irgendwie sammeln. Gerste werde ich auch versuchen zu sähen, hoffentlich wächst die. Wie das mit dem Mälzen und Schroten so funktioniert überlege ich dann, wenn ich die Körner gedeihen sehe. Ein großes Fragezeichen ist im Moment noch, wie ich auf meinem Balkon Hefe wachsen lassen kann. Aber wenn es einfach wäre, wäre es ja Winzerei.

Wirtshaus seit 1466

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21:42 Uhr – Das Jubel Bier der Berg Brauerei Ulrich Zimmermann steht im Ranking meiner favorisierten Biere schon ziemlich gut da. Heute möchte ich ein anderes Bier aus der Ehinger Brauerei verköstigen: Das Berg Original Hell. Auf der Halbliter-Euroflasche klebt ein dezentes Etikett in cremigen Weiß- und Ockertönen mit sehr dunkelblauer Schrift.

Im Glas ist das Original Hell sogar sehr hell, in einem etwas blassen Goldgelb. Insgesamt wirkt es optisch recht dünn. Gefällig sind allerdings die lebendige Kohlensäure und der feste, wölkchenartige Schaum. In der Nase sind die Aromen nicht besonders stark, eine gewisse Malzigkeit lässt sich aber erkennen.

Der Erste Geschmackseindruck ist sehr überraschend. Das 5 Prozent starke Bier hat nämlich eine intensive Hopfennote mit einer sehr angenehmen Herbe. Erst nach einer ganzen Weile machen sich auch die, für ein Helles typischen, leicht süßlichen Malzaromen bemerkbar. Das Original Hell ist kein Schwergewicht, hat aber durchaus einen ordentlichen Körper und ist so eine geschmacklich runde und süffige Option. Auch dieses Gebräu aus der Berg Brauerei ist empfehlenswert!

Yes, tu kan!

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 22:15 Uhr – Bei diesem hübschen Bierchen aus dem Hause Tilmans Biere fällt der Griff zur Flasche leicht: Das Pale Ale schmückt das Gemälde eines Tukans (wobei ich mich nicht auf die Vogelart festlegen möchte). Der gefiederte Geselle sitzt auf einem Ast und schläft. Unter ihm steht in bunten Buchstaben „Pale Ale“ und „Probiers mal mit Gemütlichkeit“. Ein besonders liebevolles Detail sind die bunten Dreiecke oder Fähnchen oben und unten am Etikett.

Im Bierglas liegt das Pale Ale bernsteinfarben und leicht trüb, Schaum hat sich beim Einschenken fast keiner entwickelt. Der wenige hat sich schnell verflüchtigt, sodass nur am Rand kleine Rückstände bleiben. Der Duft ist leicht säuerlich-fruchtig, Zitrustöne sind nicht zu verkennen.

Der Geschmack entpuppt sich als äußerst unfruchtig. Eine trockene, platte Herbe macht sich kurz im Mund breit, verschwindet aber sogleich wieder. Insgesamt macht es eher einen recht dünnen Eindruck. Ja, es ist ein Pale Ale. Aber das Beste an diesem Bier ist leider das süße Etikett.

Der Leutkircher Hopfentropfen

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19:05 Uhr – Mein neustes selbstgebrautes Bier ist der Leutkircher Hopfentropfen. Das besondere an dieser Kreation ist, dass Hopfendolden aus drei verschiedenen Leutkircher Gärten drin sind. Damit diese auch zur Entfaltung kommen, habe ich ein recht hopfig-bitteres Bier geplant. Dazu kommen etwas dunklere Malze und eine hohe Stammwürze, die dem Endprodukt circa 6,9 Prozent Alkohol verleiht. Zusammen ergibt das also ein klassisches IPA.

Der Hopfentropfen schimmert bernsteinfarben, fast schon kastanienbraun und (nach sehr vorsichtigem Einschenken ohne Bodensatz) ganz klar. Bedeckt wird er von einer schönen, weißen Schaumschicht, die sich allerdings recht schnell verflüchtigt. Der starke Hopfengeruch ist nicht  zu verkennen, aber auch süßliche Malznoten und eine gewisse Erdigkeit duften aus dem Glas.

Wenig überraschend kommt das IPA direkt mit seiner ganzen Herbe an. Die bitteren Aromen erinnern an den Wald: Erdig, etwas Tannennadeln und ein klitzekleiner Hauch von fruchtigen Blüten. Dank der feinen Kohlensäure ist der Hopfentropfen trotz seiner Schwere und der leichten Brotigkeit ziemlich spritzig. Der trockene Nachgeschmack legt sich bitter auf den Gaumen und bleibt auch dort, wie nach dem Genuss von englischer Orangenmarmelade.

Wie soll man auch immer über die eigenen Biere urteilen? Es ist so geworden, wie ich mir das vorgestellt habe: Stark und herb. Dass die heimischen Hopfen keine Fruchtbomben sind, ist klar. Trotzdem finde ich es schön, dass mit diesen Gartengewächsen ein durchaus konkurrenzfähiges Bier gebraut werden kann. Und vielleicht wird ja der ein oder andere Hobbygärtner zum weiteren Hopfenanbau motiviert. Dass der Hopfentropfen aufgrund seiner Herbe Vielen zu bitter ist, ist mir bewusst. Aber das war ja gewollt. Und für ein Genießergläschen am Abend ist er allemal zu gebrauchen.

Prototyp

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21:44 Uhr – Heute gibt es mal wieder was aus dem hohen Norden: Das Prototyp der Kehrwieder Kreativbrauerei aus Hamburg. Ein stark gehopftes Lagerbier mit 5,9 Prozent Alkohol. Das Etikett ziert ein kleines Gemälde, auf dem ich eine Flusslandschaft zu erkennen meine, die sich in Blau und Grün um das Brauereilogo und den Namen des Bieres schmiegt.

Die goldgelbe Farbe ist leicht trüb und matt. Die auffällig vielen und großen Kohlesäurebläschen sorgen für eine hohe und luftige, fast schon seifenblasenähnliche Schaumkrone. Im, wie auf dem Etikett empfohlenen, hohen, schmalen Pilsglas sieht das Bier wirklich hübsch aus. Das Prototyp riecht nach säuerlichen Früchten wie Ananas, Maracuja oder Beeren.

Der erste Schluck ist erstaunlich herb (vor allem für die angegebenen 25 IBU), und dieser erste Eindruck verfestigt sich direkt in einer zweiten Bitterphase und dem Zurückbleiben des Geschmacks von bitteren Orangenschalen nach dem Schlucken. Mit der Zeit umschmeichelt ein Hauch von fruchtiger Süße von Zitrusfrüchten und unreifen Melonen den Gaumen, im Vordergrund bleibt aber das starke Hopfenaroma. Mit zunehmender Trinktemperatur – und wenn man das Bier länger im Mund behält – wird aus der Hebe ein alkoholischer Geschmack, der mir nicht schmeckt. Vielleicht ist das Prototyp eher was für warme Sommertage. Dafür, dass es eines der bekanntesten Gebräue am deutschen Craft Bier Himmel ist, bin ich doch etwas enttäuscht jetzt.

Rote Medizin

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21:22 Uhr – Die Aroniabeere wird neumodisch als Superfood bezeichnet, sie soll sehr gesund sein. Angeblich hilft sie, Obacht, gegen Alzheimer, Bluthochdruck, Blutgerinnung, Brustkrebs, Darmkrebs, Leukämie, Bluthochdruck, hohes Cholesterin, Diabetes, Herzinfarkt, chronischen Entzündungen und sogar gegen Grippe. Außerdem hilft sie beim Muskelaufbau. Nur vernünftig also, dass es den AroZeller Roter Baron gibt, ein Kirsch-Aronia-Bier der Klosterbrauerei Neuzelle. Und was gesund und Bier ist, soll mir herzlich willkommen sein.

Auf dem rot-schwarzen Etikett steht in silberner Schrift der Name des Bieres, außerdem eine große 4,8 (der Alkoholgehalt). Zudem ist der Rote Baron als „Der Überflieger“ betitelt und es wird darauf hingewiesen, dass er gekühlt zu genießen sei. Auf der Zutatenliste finden sich neben Wasser, Hopfen und Malz Kirsch-Aronia-Saft und Invertzuckersirup.

Der Rote Baron ist wenig überraschend sehr dunkelrot, mit dem wenigen Schaum sieht er einfach aus wie ein Glas Trauben- oder Kirschsaft. Der Geruch ist allerdings eher mostig, es fehlt die Süße von Saft. Bei genauerem Hinriechen kann man durchaus auch ein kräftiges Bier erkennen.

Der Geschmack bestätigt den ersten Geruchseindruck: Zunächst leicht nach Most, ohne besonders sauer zu sein. Im Abgang zu einhundert Prozent dunkler Beerensaft, auch mit einer gewissen Restsüße. Im Nachgeschmack bleibt die dezente Säure zurück, die beispielsweise auch Johannisbeersaft hat. Von Bier, Malz oder Hopfen keine Spur. Nach Bier schmeckt dieses Getränk also nicht. Bedenkt man aber, wie gesund es sein soll, ist es ausgesprochen schmackhaft.

Wir demonstrieren, mit allen Bieren

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21:39 Uhr – Dieses Bier habe ich vor allem wegen der schönen Flasche und dem tollen Namen gekauft: Der Hopfen Auflauf von BrewAge, einer Brauerei im schönen Wien. Auf dem orangefarbenen Etikett ist eine demonstrierende, wütende Hopfendolde zu sehen, die in der linken Hand ein Schild hält. Auf dem steht: Zeit für GUTES BIER! Die rechte Hand ist zur Faust geballt und nach oben gestreckt. Ein Gesicht hat die Hopfendolde nicht. In der Flasche befindet sich ein Pale Ale mit 5,4 Prozent Alkohol.

Dunkelgold, fast schon in der Farbe von frischem Kupfer, liegt der Hopfen Auflauf im Glas. Der wenige Schaum hält sich nicht ewig, aber lange genug. Das Pale Ale erscheint mir dazu recht lebhaft zu sein. Der Geruch ist ziemlich fruchtig, nach Mango und tropischen Früchten, aber auch sehr hopfig und herb. Ich rieche außerdem auch frische, sommerliche Wiesenkräuter.

Der erste Eindruck ist dann fast ein bisschen enttäuschend, nach diesem Strauß von Aromen in der Nase. Vor allem ist nämlich eine ziemlich satte, hopfige Bitterkeit zu schmecken. Außerdem fehlt es dem Bier scheinbar etwas an Kohlensäure, weswegen es ein bisschen lack daher kommt. Die tropischen Früchte sind sehr, sehr schwach. Man muss schon ganz genau in seine Geschmacksknospen hineinfühlen, um noch einen Hauch von Zitrusfrüchten zu erahnen. Dank des schlanken Malzkörpers ist es aber auf jeden Fall sehr süffig, auch die Herbe ist noch soweit im Rahmen, dass einem nicht Bang vor dem nächsten Schluck sein muss. Im Nachgeschmack kommen langsam die Orangenschalen. Nach der ersten kleinen Enttäuschung entpuppt es sich dann doch noch als ziemlich gutes Pale Ale: Fast kein Malz, schön herb und ein bisschen fruchtig. Plus die Bonuspunkte für den coolen Namen und den Wuthopfen.