Urban Beergardening VIII

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21:53 Uhr – Nachdem ich am Samstagmorgen die Gerstenhalme geschnitten habe, habe ich mich am Nachmittag ans grobe Vorsortieren gemacht: Halme und Blätter von den Ähren trennen. Das war bei der kleinen Menge schon ganz schön viel Arbeit. Völlig aussichtslos war es aber, von Hand die einzelnen Kerne aus den Ähren zu pulen. Also habe ich den Küchenmixer mit einem stumpfen Aufsatz zum Minidrescher umfunktioniert und gedroschen, was das Zeug hält. Das hat sogar einigermaßen gut funktioniert und die Ähren in ihre einzelnen Bestandteile zerlegt. Und im Mixer ist ein Plastikteil durchgebrannt. Ein bisschen Schwund gibt’s immer.

Die nächste Herausforderung war nun, die Spreu von der Gerste zu trennen. Wieder eine Arbeit, die von Hand viel zu aufwändig wäre. Zuerst habe ich es mit Wind versucht. Ich habe in die Schüssel geblasen – und tatsächlich sind die ganz leichten Bestandteile davongeflogen. Trotzdem war noch viel zu viel übrig. Mir kam dann die Idee, alles in einen Eimer voll Wasser zu geben. Das hat wirklich einwandfrei funktioniert, die Kerne sind abgesunken, alles andere blieb oben. Zwischenziel erreicht.

Jetzt die Enttäuschung: Es sind nur sehr, sehr wenige Kerne übrig geblieben. Genau genommen 11 Gramm. Keine Hand voll. Aber 11 Gramm sind 11 Gramm und nicht nichts. Also lebt das Balkonbier weiter, auch wenn es (wenn überhaupt) nur sehr wenig werden wird. Und es konnte mit dem Mälzen losgehen. Heute Abend habe ich die Gerste für zwei Stunden in lauwarmes Wasser eingelegt, soeben habe ich sie abgesiebt und zum trocknen auf ein Teller gelegt. Dort bleiben sie bis morgen früh, dann wiederhole ich den Vorgang. Im Idealfall fangen die Samen dann bald zu keimen an. Es bleibt spannend und ich berichte weiter.

Achso, der am Samstag geerntete Hopfen ist inzwischen an der Sonne schön getrocknet und auch schon eingefroren.

Urban Beergardening VII

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7:48 Uhr – Erntetag. Ich begebe mich jetzt gleich mit einer Tasse frisch aufgebrühtem Kaffee auf meinen Balkon, denn die Zeit ist reif, die ersten Früchte der sommerlichen Gartenpflege zu ernten. Der Callista-Hopfen, der den etwas sonnigeren Platz hat, ist recht doldenbehangen. Da werde ich schon ein bisschen was weg machen können. Die Gerstenhalme sind zu 90 Prozent trocken, da wird also ohnehin nichts mehr wachsen und ich kann die vermutlich kümmerliche Ausbeute einfahren.

9.09 Uhr – Jetzt habe ich zwar zerkratzte Unterarme, aber der Callista ist abgeerntet. Im oberen Drittel ist die Pflanze zu einem ganz schön dichten Gestrüpp verkommen, das die Dolden sehr gut versteckt. Da ich meinen schönen Sichtschutz nicht komplett runter reißen wollte, habe ich die Dolden also wirklich einzeln raus gepflückt. Dieser Duft! Ein sehr zitroniges Hopfenaroma hat mich eingehüllt und haftet hoffentlich für immer an meiner Haut fest. Gäbe es jetzt schon das Bier, das aus diesem Hopfen gebraut werden wird – ich würde es ungeachtet der Uhrzeit trinken. Die Ernte füllte so ungefähr eine halbe, kleine Wanne. Ungefähr 100 Gramm, wenn die Dolden dann getrocknet sind, würde ich mal schätzen. Das ist nicht extrem viel, aber ich bin zufrieden. 20 Liter Bier gibt das allemal.

Dem Polaris-Hopfen lasse ich noch ein paar Sonnentage, da ist der Behang noch nicht besonders üppig. Jetzt geht es mit der Gerste weiter.

9:38 Uhr – Die Gerstenernte ist extrem frustrierend. Es sind nur sehr wenige schöne Ähren dran, die dann eine mickrige Ausbeute von ein bis drei sehr kleinen Gerstenkernen abgeben. Um an die ranzukommen, ist es aber eine langwierige Popelei. Ich habe jetzt mal die kompletten Halme geschnitten und muss mir einen etwas effektiveren Weg überlegen, wie ich an die Kerne komme. Stichwort: Dreschen. Jeden einzeln von Hand rausnehmen scheint mir keine Option zu sein. Davon abgesehen verlässt mich auch etwas der Optimismus, ob aus diesen zurückgebliebenen Kernchen wirklich Bier entstehen kann.

Hopfiges Lebensglück

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17:44 Uhr – Ich freue mich ganz außerordentlich über den Start in ein sommerliches Wochenende mit einem Bier aus der Riegele BierManufaktur in Augsburg, das ich sogar persönlich dort in der Brauerei gekauft habe. Das Objekt der heutigen Begierde ist ein Simco 3, ein obergäriges Bier aus Weizen- und Gerstenmalz mit 5 Prozent Alkohol und fruchtigen Aromen nach Holunder, Aprikose und Mango, die es den Hopfensorten Perle, Opal und Simcoe verdankt. Gemeinhin würde man dieses Getränk wohl als Pale Ale bezeichnen. In Augsburg sagt man dazu „Hopfiges Lebensglück“. Mal schauen, ob der Inhalt hält, was das Etikett verspricht.

Im Glas ist das Simco 3 gleich mal ein Träumchen: Trüb bernsteinfarben, mit leichtem Orangestich, dazu ein leicht cremefarbener Schaum. So muss das sein. Der Duft ist nicht extrem intensiv, aber ebenfalls vielversprechend: Herbe Hopfentöne deuten eine gewissen Fruchtigkeit an, verheimlichen aber auch nicht, dass es sich um Bier handelt, nicht um Mango Lassi.

Der erste Schluck ist längst nicht so herb, wie angenommen. Die Brauspezialität legt sich äußerst ausgewogen und vollmundig auf die Zunge (und darunter). Der dezente Hopfen mischt sich sehr schön mit einer fruchtigen Süße, die fast ganz ohne Malzigkeit auskommt. Dazu eine leichte, angenehm natürliche Harzigkeit. Letztendlich muss man eher sagen, dass die Herbe komplett fehlt. Von den auf dem Etikett angegebenen Früchten erkenne ich am ehesten die noch nicht ganz reife Aprikose, die Mango lässt sich erst im Abgang hinten im Rachen blicken (und deutet dann tatsächlich ein bisschen Mango Lassi an). Mit leichter Temperierung des Simco 3 meint man auch, die Holunderblüten zu erkennen. Zugegebenermaßen ist das natürlich auch einfach, wenn es schon auf dem Etikett steht.

Wenn ich mal alt bin, also so 33 zum Beispiel, will ich – genau wie heute – mit diesem Bierchen in einem schönen Glas in meinem Schaukelstuhl unter den Hopfenpflanzen auf der Veranda (statt Balkon) sitzen, den Tag, die Ruhe (statt Straßen- und Baustellenlärm) und jeden Schluck genießen und in die endlose Prärie (Alternativ: See, Grünland, Berge, Kuhweide, Meer – aber nicht die grauverputze Rückwand eines Bürogebäudes) blicken. Hopfiges Lebensglück eben.

Ich, jetzt und mit 33 Jahren.

Seltenes Bier in Papier

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18:14 Uhr – Es ist nicht das erste Mal, dass ich ein Bier trinke, das in einer Papiertüte versteckt ist. In manchen Ländern muss man seine Getränke ja so tarnen. Aber bei den Flaschen der Insel-Brauerei Rügen gehört das zur Verpackung, die Papiertüte rund um die Flasche ist quasi ein großflächiges Etikett. So auch beim Insel Herb, laut Etikett ein Seltenes Bier, laut World Beer Award 2016 das beste IPA der Welt. Es wird also was herbes, obergäriges, vielleicht gar fruchtiges in der Tüte sein. Was genau auf das Recycle-Papier gedruckt ist, ist gar nicht so einfach zu erkennen. Ich würde sagen, dass das düstere Bild einen fast blattlosen Baum im starken Wind zeigt, der an der Küste steht. Dahinter zeichnet sich die stürmische Ostsee ab.

Im Glas ist es goldgelb und recht klar, der grobporige, weiße Schaum entwickelt sich rasant. Der Geruch ist nicht allzu intensiv, eher sogar ein bisschen säuerlich oder wie ein Witbier. Ich rieche auch ein bisschen, ganz wenig, Gummibärchen und Marmite. Beim ersten Schluck habe ich eine herbe Breitseite erwartet – ich meine, das Bier heißt Insel Herb – aber weit gefehlt: Absolut mild ist das 5,6 Prozent starke Gebräu. Die leichte Säuere aus der Nase bestätigt sich auf dem Gaumen, fast, also ob ein paar Tropfen Fruchtessig in die Flasche gekommen wären. Dazu gesellen sich dezente Röstaromen, die eher rauchig als karamellig sind. Im Abgang kommt dann endlich ein Hauch von trockener Herbe.

Ein prinzipiell rundes, erfrischendes Bier von der Insel Rügen. Aber irgendeine Nuance schwingt da mit, die mir nicht so richtig passt. Ich hätte mir bei der spektakulären Verpackung mehr ausgerechnet.

Die wichtigste Frage allerdings muss noch gelüftet werden: Was verbirgt sich eigentlich unter dem Papier? Die Antwort ist: Nichts. Gar nichts. Die Tüte ist flächig verklebt und darunter ist nur noch das braune Glas. Da hätte ich mir als Insel-Brauerei ja schon was einfallen lassen. Da guckt doch jeder nach!

Urban Beergardening VI

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20:26 Uhr – Die Erntezeit rückt sichtbar näher. Der Callista-Hopfen hat vor ungefähr zwei Wochen angefangen, auffällig zu blühen. Erst dachte ich, dass irgendwas nicht stimmt, weil ich noch nie bewusst weiße Blüten an einer Hopfenpflanze wahrgenommen habe. Es ist aber alles gut, denn die Blüten werden nach und nach zu schönen Hopfendolden. Der Polaris-Hopfen hat direkt Dolden angesetzt, oder vielleicht waren die Blüten einfach auch nur extremst unauffällig. Beide Pflanzen haben noch nicht sehr viele Dolden, aber ich hoffe, dass da noch einiges kommt. Noch ein paar Tage Sonne, dann kann ich die ersten ernten und trocknen.

Für die Gerste gilt, so glaube ich, das gleiche. Noch zwei, drei warme Tage und ich kann mit der Ernte beginnen. Der Großteil der Halme ist inzwischen sehr trocken und entsprechend braun. Nur noch wenige Halme sind grün. Leider sind weitere Pflanzen abgestorben, so dass die Ausbeute relativ gering ausfallen wird. Dazu kommt, dass die Körner recht klein sind. Man muss sicher überlegen, ob Gerste vielleicht doch nicht das optimale Balkongetreide ist. Festzuhalten ist aber auch, dass es mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit eine Ernte geben wird – und damit das Projekt, ein Bier nur mit Zutaten vom eigenen Balkon zu brauen, am Leben ist.

Das heißt natürlich auch, dass ich mich so langsam ernsthaft mit der Kunst des Mälzens vertraut machen muss. Denn die geernteten Gerstenkörner wollen ja auch verarbeitet werden.

Aus Hamburg in die Welt

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21:01 Uhr – Ein Geschenk aus Hamburg war das Great Escape India Pale Ale der Buddelship Brauerei. Sehr schön finde ich, wie hier Hamburg, der Hafen von denen Viele in die sogenannte neue Welt aufgebrochen sind (bestimmt mit stark eingebrautem Bier an Bord), mit Aromahopfen kombiniert wird, der jetzt aus dieser neuen Welt zurück kommt. Solche Geschichten habe ich gerne. Auf dem Etikett, das einmal rund um die braune Drittelliterflasche geht, ist auch ein bisschen was von dieser Geschichte zu sehen: Ganz links ein Kranen im Hamburger Hafen, daneben das große Logo der Brauerei. Darunter immer die blauen Wellen, auf denen sich etwas weiter rechts ein großes Dampfschiff bewegt. Dass schon Land in Sicht ist, verrät die Möwe, die auf das Schiff zufliegt.

Beim Einschenken entwickelt sich extrem viel Schaum, der fast ein bisschen wie weißer Spülmittelschaum aussieht und das Trinkerlebnis erheblich verzögert. Darunter zeigt sich ein goldfarbenes, klares Bier, das insgesamt äußerst nett anzuschauen ist. In der Nase zeigt das IPA eine gehörige Hopfenwucht, man kann die Herbe schon richtig heraus riechen. Dazu kommen leicht säuerliche Fruchtaromen und der Geruch von nassem Wald.

Der Geschmack bestätigt den Geruch: Ein ziemlich herbes IPA, mit auffälligen waldigen (Pinien?) und erdigen Aromen. Wenn sich die erste Bitterwelle legt, sind da auch Töne von unreifer Mango und im Abgang Grapefruit. Dazu kommt ein leichter Karamellgeschmack, der Dank der Hopfenherbe aber gar keine Süße entwickelt. Für seine 6,5 Prozent Alkohol kommt das Great Escape doch recht schlank und einigermaßen spritzig daher. Ein ganz ordentliches IPA, das den Gaumen mit seiner ganzen Herbe erfreut und ein paar Fruchtaromen andeutet, ohne eine komplette Fruchtbombe zu sein.

Tripel Trouble

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22:15 Uhr – Den Schlafanzug habe ich schon an, es ist also allerhöchste Schlummertrunkzeit. Heut mal wieder was aus der Ename-Reihe der belgischen Roman-Brauerei. Das Tripel versteckt seine schlummertauglichen 8,5 Prozent Alkohol wie gewohnt in einer Drittelliter Steiniflasche. Das Etikett ist vollkommen schwarz, lediglich der Name des Bieres ist in klaren, weißen Buchstaben darauf geschrieben. Darüber Steckt ein Mönch mit Kapuze seine Nase in gleich drei Bierkelche. Sieht sehr edel aus.

Im Glas ist das Ename dunkelgold, sehr klar und macht irgendwie einen eisigen Eindruck. Es hat eine sehr lebendige Kohlensäure und einen ganz enormen, grobporigen Schaum, der gar nicht weniger wird. Der Geruch ist säuerlich nach Wein, leicht alkoholisch und ein bisschen muffelig – auf jeden Fall recht intensiv.

Der erste Schluck ist überraschend mild. Meine erste Assoziation ist Weichkäse mit Rotschmiere. Das Bier hat eine ganz besondere Konsistenz auf der Zunge und eben diese Spur von miefigem Käse. Dann hält sich die  karamellige Malzigkeit eigentlich ganz gut die Wage mit den bitteren Kräutertönen. Im Abgang kommt für meinen Geschmack der Alkohol aber viel zu stark durch. Zurück bleibt der abgestandene Geschmack von erbrochener Banane.

Das hört sich jetzt alles sehr furchtbar an. Ist es nicht. Wenn das Tripel ein bisschen an Temperatur gewinnt und sich der Gaumen daran gewöhnt hat, ist es zwar immer noch stark, herb und gewöhnungsbedürftig, aber schon ganz okay. Definitiv was relativ außergewöhnliches – das ich jetzt aber zugegebenermaßen nicht so bald wieder haben muss.

Belgische Bakterienparty

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21:48 Uhr – Ein Kind, das in diesem Moment geboren wird, wird schon volljährig sein, wenn das Fläschchen Bier, das zu meiner Rechten steht, sein Mindesthaltbarkeitsdatum überschreitet: 10. August 2037. Ein frommer Wunsch, dass wir alle dann noch da sind – das Bier wird es nämlich nicht mehr sein. In wenigen Augenblicken werde ich es öffnen.

Um dem Kind – also dem Bier – einen Namen zu geben: Es heißt Oude Geuze Boon à l’Ancienne und ist Jahrgang 2014 und 2015. Fangen wir mal an zu entziffern: Boon ist der Name der Brauerei. Geuze ist eine Bierart, bei der verschiedene Lambics miteinander vermischt werden, und zwar ungesüßt und ungefiltert. In diesem Falle aus den Jahren 2014 und 2015. Oude steht dafür, dass es eine Geuze traditioneller Art ist. Ein Lambic wiederum ist ein Bier, das mit wilden Hefen vergoren wurde, die von selbst in das frisch gebraute Bier kamen. Anschließend wir das Bier in Holzfässern gelagert. Spontangärige Biere werden nur in der kleinen Region um Lembeek in Belgien hergestellt. Eine Geuze wird auch Umgangssprachlich Brüsseler Champagner genannt. Und à la Ancienne heißt das gleiche wie Oude. So. Alles klar, oder?

Die grüne Flasche fasst nur einen viertel Liter und erinnert ein bisschen an eine Mini-Sektflasche. Das Etikett ist dunkelgrün, in weißen und goldenen Buchstaben steht der Name des Bieres drauf. Weder besonders schick, noch besonders spektakulär. Aber irgendwie ein bisschen edel.

Die Flasche schäumt nach dem Einschenken direkt über, das geht ja gut los. Klar ist auf jeden Fall also, dass es sich um ein lebhaftes Tröpflein handelt. Was sich auch direkt bemerkbar macht, ist ein sehr intensiver, säuerlicher Geruch. Optisch ist die Geuze recht hübsch, matt und trüb goldgelb, dazu ein feiner, weißer Schaum. Wenn man die Nase ins Glas hält, wird klar, dass die Säure nicht an Bier erinnert, sondern an Sekt.

Der Eindruck von Sekt verhärtet sich zunächst auch beim ersten Schluck, aber nur kurz. Dann gesellt sich ein schwer zu definierendes Aroma dazu. Fast ein bisschen hölzern, vielleicht kommt das tatsächlich von den Fässern? Dazu eine leicht fruchtige Süße, die mich vor allem an säuerliche Äpfel erinnert. Man muss klar sagen: Mit Bier im herkömmlichen Sinne hat das geschmacklich nichts zu tun. Aber es schmeckt, auf seine Art, ziemlich gut. Das Zusammenspiel der Säure, der leichten Süße und die Spritzigkeit passen gut und macht die Geuze zu einem ziemlich erfrischenden Getränk – die 7 Prozent Alkohol bemerkt man überhaupt nicht. Das spannende ist ja, dass in diesem Bier nur Wasser, Gerste, Weizen und Hopfen drin sind – und eben die von selbst gekommene Hefe. Dass letztere so einen extremen Einfluss auf den Geschmack ausübt, ist schon faszinierend.

Wer in diesem Sommer noch einen Sektempfang für Bierfreude plant – mit dem Geuze Boon könnte das ein echter Coup werden.

Urban Beergardening V

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8:10 Uhr – Ich muss mich entschuldigen. 5 Wochen lange habe ich keine Wasserstandsmeldung aus meinem Biergarten herniedergetippt. Sicherlich haltet ihr es vor Wissbegierde kaum mehr aus. Absolut verständlich.

Der Hopfen gedeiht weiterhin prächtig. Die beim letzten Mal entdeckten Schädlinge waren Läuse, die ich mit den herkömmlichen Amateurgärtnertricks nicht los geworden bin. Also bin ich in die Schädlingsbekämpfungsabteilung des Gartenmarktes meines Vertrauens und habe mir ein Sprühmittelchen geholt. Was harmloses natürlich, denn aus dem Hopfen soll ja noch ein Lebensmittel werden. Es hat gewirkt, die allermeisten Läuse sind weg. Und an den restlichen erfreuen sich Ameisen und Marienkäfer. Die Hopfenpflanzen haben jetzt auch so langsam kapiert, dass es nach oben nicht weitergeht, das erspart mir viel Abzwickerei – und ganz nebenbei erfüllen sie ihre Rolle als Sichtschutz immer dichter und damit besser. Nun mache ich mich täglich auf die Suche nach den ersten kleinen Dolden.

Die Gerste ist weiter gewachsen, allerdings ist ungefähr die Hälfte abgestorben. Ich denke in der Tat, dass mein Feld zu dicht war und sich einfach die stärksten Halme durchgesetzt haben. Letzte Woche hat sie mich dann richtig glücklich gemacht, meine Gerste. Aus den breiten Grashalmen hat sich nämlich die Entwicklung zu richtigem Getreide angedeutet: Erste Härchen haben sich oben herausgestreckt. Nach ein paar Tagen waren auch die ersten Körnchen zu sehen. Jetzt wird die Gerste natürlich noch mehr gehegt und gepflegt als ohnehin schon. Und so langsam muss ich mir einen Experten suchen, der weiß, wann man ernten kann. Und einen Minimähdrescher sollte der im Idealfall auch haben.

Brot Bier

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20:44 Uhr – Gabriel hat mir vor Monaten eine Reportage über verschiedene Menschen empfohlen, die Lebensmittel retten. Hab ich geguckt und das meiste vergessen. Eine Gruppierung aber, ich habe vergessen in welchem Land, hat aus altem Brot Bier gebraut – und somit die Haltbarkeit eines Lebensmittels von ein paar Tagen auf ungefähr ein Jahr erhöht. Klingt spannend, hab ich mir gedacht. Das mach ich auch.

Also habe ich am vorletzten Brautag einen kleinen Extrasud Brot Bier gebraut. Dabei ersetzt man einen gewissen Anteil des Malzes durch getrocknetes, altes Brot. Und das schöne ist: Es hat geklappt! Es ist tatsächlich Bier daraus geworden. Und obwohl es nur ein Versuch war, nehme ich das heute mal unter die Lupe.

Im Glas sieht das Bier etwas dünn und wässrig aus, die Farbe geht in die Richtung eines matten Goldgelbes. Der feste, weiße Schaum weiß zu gefallen, dank lebendiger Bläschenentwicklung hält der ewig. Das Bier riecht sehr intensiv, vor allem fällt eine säuerliche Zitrusnote auf. Die kommt vom verwendeten Citra-Hopfen. Spannend ist aber auch ein hefig-brotiges Aroma, das in die Nase dringt. Vielleicht kommt das vom Brot, vielleicht aber auch daher, dass das Brot Bier von der Brauart her ein Hefeweizen ist. Auch im Geschmack kommt das Gebräu eher etwas leicht, dünn und wässrig daher. Beim nächsten Mal also stärker einbrauen. Dazu hat es eine leichte Herbe, auch die Zitrussäure ist wieder dezent zu bemerken. Im Abgang ist es recht drucken, auf der Zunge bleibt ein irgendwie Gefühl nach (zu) frischem Brot zurück.

Das Wichtigste ist ja – wie oben geschrieben – es hat funktioniert. Jetzt kann man an die Feinarbeit gehen.