Bier

Ciao Giovanni: Prosciutto e Melone

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21:52 Uhr – Den sonnigen Nachmittag habe ich für einen Ausflug an den Bodensee genutzt. Natürlich nicht ganz ohne Hintergedanke. Ich habe nämlich herausgefunden, dass es in Langenargen ein Bierfachgeschäft gibt. So habe ich dann nach einem Spaziergang am Seeufer das KommproBier angesteuert. Ein interessanter kleiner Laden in einer Art Lagerhalle. Vollgestopft mit Regalen und ein paar Kühlschränken, Fenster habe ich maximal eines entdeckt. Das besondere ist, dass dort ausschließlich leere Flaschen stehen. Man kann dann auswählen, was man gerne hätte und ein Mitarbeiter verschwindet für eine Weile im Kühlraum und bringt die gut gekühlten Flaschen wieder. Artgerechte Haltung also – und genügend Wartezeit, um sich für noch viele andere Biere zu entscheiden.

Bei so viel Auswahl will man natürlich auch etwas besonders mit nach Hause bringen. Darum war ich heute sehr mutig und hab zu einem Rauchbier gegriffen. Mit Rauchbieren verbinde ich bisher nicht gerade Hochgenuss. Eigentlich habe ich erst einmal eines getrunken, ein Schlenkerla Rauchbier aus Bamberg auf der Heimfahrt von einem Fußballspiel in Nürnberg. Es war furchtbar. Trotzdem: Die Beschreibung des Parma Rauch IPA hat einen Kauf unausweichlich gemacht. Steht da doch: „Warum nicht mal den Geschmack von Melone mit Schinken ins Bier bringen – quasi Schinken mit Melone im Glas“. Klingt spannend, oder? Find ich auch. Auch wenn es mir ein bisschen Angst macht.

Das Etikett ist ein Cremetönen gehalten, rechts ein Leuchtturm, links eine Insel mit Palmen, dazwischen das Meer. Der Leuchtturm könnte auf den Sitz der Kehrwieder Kreativbrauerei in Hamburg hinweisen, die Palmeninsel vielleicht auf die Indischen Kronkolonien. Kein Schinken, keine Melone und schon gleich gar kein Rauch.

In einer hellen Bernsteinfarbe und mit grobem Schaum schmiegt sich das Parma ins Glas. Und es riecht tatsächlich süßlich, viel Phantasie braucht man nicht, um da die Melone hinein zu interpretieren. Ein paar schon leicht angedatschte Beeren sind auf jeden Fall auch mit im Geruchsstrauß. Ja, und tatsächlich auch ein Hauch von abgebranntem Altbau. Das ist nun ja erst mal kein schöner Parmaschinken.

Uh. Wie soll ich sagen: Der erste, kleine, vorsichtige Schluck ist dann doch sehr gewöhnungsbedürftig. Jetzt habe ich (zum Glück!) niemals ausversehen aus einer Flasche getrunken, in die zuvor stundenlang Zigarettenkippen gesteckt wurden. Aber so stelle ich mir das vor. Im Detail: Eine schwere, dumpfe Herbe, die erst recht bitter wird und dann wirklich ein Asche-Aroma hat (Röst-Aroma finde ich nicht die richtige Beschreibung), das lange im Mund bleibt.

Nachdem die ersten Schlücke des 6,1 Prozent schweren Gebräus hart sind, gewöhnt man sich aber an den sehr außergewöhnlichen Geschmack – und man entwickelt den Ehrgeiz, zwischen all dem Rauch noch den Schinken und die Melone zu finden. Von der Süße aus dem Geruch ist im Bier allerdings beim besten Willen nichts mehr zu finden. Der verbrannte Aschegeschmack wird aber immer mehr zu dem Gefühl von Rauch. Beinahe möchte man diesen lässig aus dem Mund blasen (Anmerkung des Autors: Klappt nicht).

Ein faszinierendes Geschmackserlebnis, das man beinahe mal probiert haben muss. Aber: Gut ist es leider nicht wirklich. Für die nächsten Monate brauche ich kein Rauchbier mehr. Kam eigentlich schon jemand auf die Idee, Bier mit dem Geschmack von Menthol-Zigaretten zu brauen? Oder Räucherlachs mit Meerrettich?

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