20:53 Uhr Da steh ich grad in meinem allerfeinsten blauen Ganzkörperjogginganzug in der Küche und spüle fröhlich das Geschirr der letzten zwei Wochen vor mich hin, als es plötzlich klingelt. Bei mir klingelt es eigentlich nie überraschend, weil ich erstens nie Besuch bekomme und dieser sich, wenn er dann doch mal kommt, im Normalfall vorher anmeldet. Da ich aber neugierig bin und mich auch nicht in meiner Wohnung verbarrikadieren will, mache ich auf. Da steht ein Paar mittlernen Alters, Mann und Frau. Beide gut bis schick gekleidet, er trägt einen Korb. Religiöse Fanatiker schließe ich auf den ersten Blick aus, keine Zeugen Jehovas. Mein zweiter Gedanke dreht sich um das Gutmenschentum. Spenden für die Lawinenhundestaffeln, Kriegsgräber, die Johanniter oder sowas. Auch nicht. Die beiden stellen sich als Thomas Senftleben und Brigitte Mayr von der CSU-Ortsgruppe Kempten Ost vor. Ja prima. Er redet viel, sie nichts. Und ich steh da in meinem Assi-Jogginganzug. Obwohl ich mir noch nie Gedanken darüber gemacht hab, in welcher Kemptener Himmelsrichtung ich wohne, lasse ich mir kurz die Probleme des Kemptener Ostens runterratttern (die Jogginganzugdichte unter der Bevölkerung mit Migrationshintergrund gehört nicht dazu) und höre mir den Wunsch nach zwei Mal drei Stimmen bei der Stadtratswahl an. Die Beiden wollen ganz offensichtlich nicht unbedingt mehr Zeit als nötig bei der unrasierten Gestalt im königsblauen Strampler verschwenden. Pech gehabt. Da ich mich seit zwei Wochen von Berufs wegen intensiv mit Kommunalpolitik beschäftige, kann ich durchaus was zu unserer Unterhaltung beitragen und ein bisschen damit angeben, mit welchen Parteigenossen ich mich in den letzten Tagen schon unterhalten habe. Als Anerkennung meiner Kompetenz (und trotz meiner selbstgefilzten Hausschuhe) erhalte ich eine Einladung zu einer tiefgründigeren Kommunalwahlveranstaltung. Und ein Tütchen Gummibärchen, auf denen der CSU-Oberbürgermeisterkandidat zu sehen ist. Da muss ich natürlich anmerken, dass ich vom Kandidaten selbst keine Süßigkeiten geschenkt bekommen habe, dafür aber vom Sonthofener Kandidaten sogar personalisierten Traubenzucker. Gut gepokert. Den haben die beiden Christsozialen nämlich auch im Gepäck und überreichen ihn mir zusammen mit ihrem Zehnpunkteprogramm. Herzlichen Dank! Da ich die Zwei an dieser Stelle entweder hereinbitten oder verabschieden muss, trennen sich unsere Wege noch im Flur. Ich gehe zurück ans Spülbecken und freue mich schon auf die nächsten klingelnden Lokalpolitiker. Ich werde meinen Jogginganzug nicht mehr ausziehen.
1 + 1 = Private Muckibude
20:29 Uhr Ich freue mich in diesen Tagen sehr darüber, dass zwei scheinbar völlig voneinander unabhängige, auf den ersten Blick total nutzlose Gegenstände als Duo endlich einen Sinn haben. Zum Einen ist das der Heimtrainer, den ich an Weihnachten vor einem Jahr von meinen Eltern geschenkt bekommen habe. Seitdem steht der auch hier in Kempten in meinem Schlafzimmer und dient mir hervorragend und sehr zuverlässig als Kleiderständer. Denn alleine in einem leeren, langweiligen Raum auf einem quietschenden, wackelnden Gerät länger als 5 Minuten Sport zu treiben, ist leider doch nichts für mich, wie sich herausgestellt hat. Zum Anderen ist das der kleine Tablet-PC, den ich mir im Herbst zugelegt habe, um mit der Zeit zu gehen. Das ist ein sehr nettes Spielzeug, kann aber letztendlich in Sachen Unterhaltung nicht mit einem richtigen PC mithalten und was das Arbeiten und Schreiben angeht schon gleich gar nicht. Zwei klassische Fehlkäufe also.
Bis ich die Kombination für mich entdeckt habe. Sport auf dem Heimtrainer ist nämlich nicht mehr so langweilig und schlimm, wenn man dabei auf dem Tablet Serien schauen kann. Natürlich mit Kopfhörern, damit man das Quietschen nicht hört. Um diese Art von aktiver Unterhaltung zu ermöglichen, musste ich allerdings noch etwas erfinderisch sein. Jetzt befindet sich direkt vor dem Heimtrainer ein Stuhl, auf dem Stuhl steht ein Notenständer (meine Band-Kollegen vom Bambi kennen mein zweifelhaftes Verhältnis zu Notenständern ) und in dem Notenständer ist das Tablet eingeklemmt. Langsam glaube ich an meine technische Überlegenheit.
Nun schaue ich fleißig die alten Folgen von Pastewka, die ich alle schon mindestens dreimal gesehen habe, und schwitze dabei so lange, bis mein Schlafzimmerfenster beschlägt. Zwei Folgen Pastewka inklusive Werbung auf MySpass sind knapp 50 Minuten lang eine ideale Trainingszeit. Allerdings quält mich jetzt schon der Gedanke, was ich schauen könnte, wenn ich alle 6 Staffeln von Pastewka durch hab. Gut, Stromberg würde mir wieder ein paar Wochen Zeit bringen. Aber dann?
Steinofenpizza mit Currywurst und Pommes
18:03 Uhr Es gibt einfach so Dinge, an denen komm ich im Supermarkt nicht vorbei. Ich bin da mein eigenes Versuchskaninchen. Völlig vorurteilsfrei probiere ich alles, was mir angeboten wird. Man weiß ja nicht, ob sich nicht doch eine nicht für möglich gehaltene Leckerei in den Regalen befindet. Sehr spannend finde ich da immer völlig abgedrehte Pizza-Kreationen. Heute habe ich bei Penny zum ersten Mal Tiefkühl-Steinofenpizza mit Currywurst und Pommes entdeckt. Das stößt schon beinahe in ungeahnte Sphären vor. Also hab ich das Ding gekauft und Zuhause in den Ofen geschoben. Was soll ich sagen? Es war nicht gerade lecker. Minimale Curryspuren in der Tomatensoße, geschmacklose Würstchen, völlig matschige, vereinzelte Pommes und fast überhaupt kein Käse. Prädikat: Nicht empfehlenswert. Das nächste Mal greif ich wieder zu Pizza Gyros, Pizza Pasta oder Pizza American Barbecue. Allerdings steht auch noch dieser Pizza-Burger von Dr. Oetker auf meiner To-Eat-Liste. Allerdings hab ich den bisher noch nie im Supermarkt gefunden. Und auch die Pizza-Wurstsalat giert danach, demnächst von mir erfunden zu werden.
Heizen wie die Profis
17:26 Uhr Ich habe heute schon gelernt, dass ich der absolute Heiz-Honk bin. Also war. Denn ab jetzt mache ich ja alles besser. Aber von Anfang an. Bisher habe ich, wenn mir kalt wurde, die Heizung ordentlich aufgedreht, eine Weile volle Pulle geheizt und die Heizung dann wieder ganz ausgemacht. Und dabei habe ich mich ziemlich clever gefühlt. Heute muss ich dann aus erster Expertenhand erfahren, dass so ein Heizkörper immer gleich warm wird, egal ob er auf Stufe 1 oder auf Stufe 5 heizt. Für den Thermostat gibt es offenbar nur hopp oder top an oder aus. Der Unterschied ist lediglich, dass die Heizung auf Stufe 5 erst bei einer wesentlich höheren Raumtemperatur wieder aufhört zu heizen, als auf Stufe 1. Ständiges Hin- und Herregulieren ist also nicht nur unnötig, sondern sogar dumm. Darum ist meine Heizung jetzt auf 2 eingestellt, und ich werde die Finger weglassen. Versprochen.
Ein ziemlicher Profi bin ich allerdings im Lüften, wie ich mir vom Fachmann habe bestätigen lassen. Querlüften heißt da das Zauberwort. Also nicht irgendwie stundenlang das Fenster kippen, sondern nur für ein paar Minuten alles aufreißen, was es aufzureißen gibt. Jetzt kommt natürlich noch die Kür: Der geübte Heizer dreht genau während dieser Minuten, in denen die Fenster aufstehen und Kaltluft durch die Räume strömt, die Heizung auf 0. Und dann darf man sich dabei sogar ziemlich clever fühlen.
Sehr geehrte Damen und Herren,
es geht los! Ich habe soeben meine erste richtige Bewerbung verschickt. Da mein Arbeitsvertrag nur noch zwei Monate läuft, war das jetzt mal höchste Zeit. In den nächsten Tagen werden sicherlich nach und nach weitere folgen. Jetzt wo ich die meisten wichtigen Unterlagen parat habe und der Lebenslauf auf dem neusten Stand ist, geht mir das hoffentlich gut von der Hand.
Natürlich bin ich nicht völlig naiv und weiß, dass ich im Internet leicht zu finden bin. Sei es über Google oder schlichtweg über meine Mailadresse. Es ist also durchaus anzunehmen, dass in den nächsten Tagen und Wochen der ein oder andere Personalverantwortliche über meinen kleine Seite hier huscht. Und das ist auch gut so bedeutet es doch, dass meine Bewerbungsunterlagen nicht direkt im Papierkorb gelandet sind. An dieser Stelle möchte ich darum alle ganz herzlich begrüßen, die noch ein bisschen mehr über mich herausfinden wollen. Sehen Sie sich sehr gerne um auf meinem privaten Blog!
Für alle diejenigen, die ohnehin hier vorbeischauen wird sich auch nichts ändern. Ich habe ja schließlich nichts zu verbergen. Und was im Internet veröffentlicht ist, können eben alle sehen und lesen. Genau darum macht man es ja.
17:23 Uhr Ich mein, da muss man ja fast zwangsläufig depressiv werden. Den ganzen Tag beschäftigt man sich schon etwas realitätsfern mit der eigenen Zukunft. Man könnte es Träumereien nennen. Balkon in Strandnähe mit Meerblick, hauseigener Pool und funktionierende Waschmaschine. Sowas. Man weiß natürlich, dass man mit Sowas nicht weiter kommt. Und in ein paar Minuten will man sich echt mal ernsthaft mit der eigenen Zukunft beschäftigen. Einen Lebenslauf zusammenschustern wäre ein guter Anfang. Aber erst noch schnell dieses eine Youtube-Video anklicken, das irgendwie auf Facebook grad die Runde macht.
Und da soll ich jetzt anfangen, an meiner Karriere zu basteln? Das fühlt sich irgendwie nicht richtig an. Aber es dauert andererseits auch noch ganz schön lange, bis die Wolken wieder lila werden. Draußen ist es auch sehr kalt. Und davon abgesehen wüsste ich nicht, wie ich irgendwo in Kempten auf ein Hausdach kommen sollte.
21:52 Uhr Es ist nicht zu fassen. Heute, Montagmorgen, reißt mich mein Wecker um 6:31 Uhr mitten aus meiner Tiefschlafphase. Nach einer gefühlten Ewigkeit habe ich geschnallt, was da meinen so bitter benötigten Schlaf stört. Also habe ich versucht, den Wecker auszumachen. Und dabei habe ich mich so verrenkt, dass mir knapp unterhalb vom rechten Schulterblatt irgendwas in den Rücken gefahren ist. Ach was: Geschossen! Erst dachte ich, ich komm nie wieder aus dem Bett. Aber das wäre ja zu schön gewesen, um wahr zu sein.Also habe ich mich tapfer durch den Tag gekämpft. Zugegeben: Es war nicht ganz so furchtbar, wie es sich im ersten Moment angefühlt hat. Eine heiße Dusche am Morgen bewirkt da schon viel.
Ganz weg war der Schermz dann heute nach Feierabend und Powernap auf der Couch doch noch nicht. Also habe ich kurzerhand beschlossen, mich zu bewegen und so die Verspannung zu lösen oder im Idealfall ganz herauszuschütteln. Ich bin also raus zum Joggen. Und es hat geschüttelt ohne Ende und der schmerzende Punkt hat sich tatsächlich immer weiter nach unten verschieben lassen. Allerdings ist mir die Luft ausgegangen, vor sich das lästige Ziehen am großen Zehen aus meinem Körper hätte verabschieden können. Leider ist mir die Luft sogar sehr viel früher ausgegangen. Jetzt zieht es an der Wirbelsäule, knapp über der Hüfte. Oh Mann.
Immerhin habe ich damit gleich zwei meiner Vorsätze (also alle) für 2014 zumindest heute erfüllt. Joggen war ich und die letzten 100 Meter (keine Luft mehr
) habe ich dann sogar barfuß gemeistert. Bei dem ganzen Splitt nicht ganz angenehm, aber temperaturtechnisch haben wir alle schon schlimmere 13. Januare erlebt.
Aber bitte mit Sahne
6:58 Uhr Irgendwann habe ich beschlossen, dass ich ohne Frühstück nicht über den Tag komme. Weil ich ja auch kein Mittagessen hab. Also habe ich begonnen, Müsli zu frühstücken. Das ist gesund und geht schnell. Aber ich kann kein Müsli mehr sehen. Egal welche Sorte, ich will nicht mehr. Also habe ich neuerdings umbeschlossen, dass es ab sofort Milchspeisen aus Plastikbechern zum Frühstück gibt. Das geht noch schneller, ist nicht total ungesund und auf jeden Fall für den Moment besser als Müsli. Außerdem fällt natürlich täglich Plastik- und Aludeckelmüll an. Das ist auch nicht zu verachten. Also habe ich mich beim Aldi heute einfach mal quer durchs unter Preissegment gekauft. Auf Sahnepudding habe ich übrigens bewusst verzichtet. Man muss es ja nicht gleich übertreiben am frühen Morgen. Jetzt gehts los mit der neuen Ernährung. Ihr werdet mich nicht wieder erkennen!
Meine Jeans hat den Arsch offen
21:12 Uhr Ich sags grad so, wie es ist: Es ist zum Mäuse melken. Bei anderen Leuten reißen die Jeans an den Knien auf. Das ist cool. Oder die Gesäßtasche wetzt durch. Das ist auch cool. Oder sie bleiben wenigstens mit dem Oberschenkel an einem Nagel hängen, damit die Hose etwas aufripst. Auch das ist cool. Nur bei mir wird der Stoff immer im unteren Gesäßbereich dünn. So dünn, dass er dann irgendwann links und rechts von der Naht reißt. Das ist überhaupt nicht cool. Na toll. Das sieht einfach nur dämlich aus und man kann die Jeans nicht mehr tragen. Zumindest dann nicht mehr, wenn man den Schaden bemerkt hat. Denn es stellt sich natürlich immer die Frage, wie lang man schon so rumläuft, ohne das einem jemand gesagt hätte, dass da was nicht stimmt. Man selbst sieht da ja nicht so gut hin. Und ich begutachte meinen knackigen Hintern nicht täglich im Spiegel. Die Wahrscheinlichkeit, dass man tagelang mit Gesäßbelüftung durch die Lande zieht, ist also durchaus gegeben. Ich zum Beispiel war gestern mit der Jeans, an der ich heute zwei Löcher gefunden habe, noch bei einem schicken Neujahrsempfang. Na toll. Außerdem frag ich mich schon auch, warum immer die guten Lieblingsjeans genau an diesem Phänomen zugrunde gehen. Immer. Die Jeans mit komischem Schnitt oder die, die um die Hüfte rum etwas zu gut anliegen, halten für immer. Das ist doch scheiße. Und flicken kann man an der Stelle auch kaum, wie die Erfahrungen mit vielen anderen Hosen, die das gleiche Schicksal erlitten haben, zeigten. Da sich meine gute dunkelblaue Jeans trotz allem Bedauern nicht mehr tragen lässt (nicht mal auf Hippie-Partys kann man mit einem Loch an der Stelle kommen), stellen sich mir jetzt zwei Aufgaben. Erstens: Ich muss wohl bald mal wieder eine Hose kaufen gehen. Das ist noch schön. Zweitens: Wegen zwei kleiner Löcher gleichen die ganze Jeans wegwerfen geht natürlich nicht. Weil man sie nicht mehr anziehen kann, heißt das ja noch längst nicht, dass es nicht irgendeine andere Verwendung für den Stoff gibt. 99 Prozent davon sind ja absolut intakt. Tadellos. Einwandfrei. Für nichtsnutzige Tiere gibts ja auch Gnadenhöfe. Ich werd mir mal Gedanken machen, was man daraus so basteln könnte. Vorschläge sind herzlich willkommen.
Waka Waka eh eh
23:12 Uhr Freikarten sei Dank war ich heute im Festspielhaus Füssen bei Mother Africa. Ich hatte keine Ahnung, was mich da genau erwartet, aber geschenkter Gaul und so. Und es war ziemlich gut. Viel Akrobatik, ein bisschen Comedy und afrikanische Rhythmen. Es war sehr kurzweilig und hat mir gut gefallen. Besonders beeindruckend fand ich, dass die Darsteller wirklich den Eindruck vermittelt haben, als ob sie Spaß an der Sache hätten. Das mag die Show sein, oder ist es wirklich so. Wenn sich Akrobaten nach einer geglückten Nummer gegenseitig bejubeln und nach einer missglückten beim zweiten Versuch euphorisch anfeuern das hat was. Und auch für mich habe ich dank Mother Africa zwei Vorsätze fürs neue Jahr gefasst:
- Ich muss mich mehr bewegen
- Ich muss mehr barfuß gehen
