21:23 Uhr Das hat sich heute schon nach einer ganz ordentlichen Frühlingsportion Freiheit angefühlt. Ich war beim Skifahren am Nebelhorn, was bei dem traumhaften Wetter und unter der Woche nicht übel ist. Man könnte beinahe behaupten, dass die Sicht vom Gipfel sogar ziemlich gut war. Gegen Mittag hat die Sonne dann aber etwas übertrieben und dem wenigen Schnee doch reichlich zugesetzt. Also habe ich Feierabend gemacht. Und dann hat das absolut Geniale seinen Lauf genommen: Auf dem Parkplatz bin ich aus den Skischuhen und der Skijacke geschlüpft. Dann aus den dicken warmen Skisocken und der Skihose. Und dann habe ich eine kurze Hose angezogen und bin barfuß und im T-Shirt mit lauter Musik von Manu Chao und meiner grünen Sonnenbrille auf der Nase durchs Allgäu gefahren. Erst Skifahren im Schnee auf 2.000 Metern und ein paar Minuten später Sommergefühle ohne Ende. Wie geil ist das denn?
Geh mit Wurstsalat – aber geh.
20:58 Uhr Das ist jetzt doch irgendwie schnell gegangen. Sowohl die beiden Jahre als auch die letzten Wochen. Morgen ist mein letzter Arbeitstag bei RSA. Das komische ist, dass es sich noch gar nicht komisch anfühlt. Irgendwie war ich zumindest bis heute noch so im Arbeitstrott drin, dass es mir undenkbar erscheint, damit ab Donnerstag nie wieder etwas zu tun zu haben. Aber ich denke mal, dass ich es spätestens morgen auch begreifen werde. Damit das alles mir und den Kollegen nicht zu sehr auf den Magen schlägt, habe ich eben noch zwei große Schüsseln Wurstsalat gemacht. Könnte vielleicht etwas würzig geworden sein, aber einen faden Abgang hatte ich eigentlich auch nicht geplant.
Wie die Jungfrau zum Oscar kam
20:55 Uhr So, da war er also gestern, der große Wahlsonntag. Geplant war, dass ich als Radio-Reporter in Sonthofen bin, dort die Bürgermeister und die Landratswahl verfolge, telefonische Live-Reportagen mache, die aktuellen Hochrechnungen im Auge behalte und Töne mit den Wahlsiegern aufnehme. Da ich in der kommunalpolitischen Materie eigentlich recht fit bin, wäre das ein zwar interessanter, aber recht entspannter Abend geworden. Wäre. Denn der Redakteur von TV Allgäu, unserem befreundeten Fernsehsender, der eigentlich in Sonthofen gewesen wäre, ist kurzfristig krankheitsbedingt ausgefallen. Also habe ich kurzerhand seinen Job und seinen Kameramann übernommen. Und so bin ich an meinem viertletzten Radio-Arbeitstag zu meiner Premiere als Fernseh-Korrespondent gekommen. Zwei Einstiege haben wir aufgenommen und ich behaupte mal, dass ich das gar nicht mal so schlecht gemacht habe. Natürlich war es etwas ungewohnt, da vor einer Kamera zu stehen. Und wäre ich besser vorbereitet gewesen, hätte ich mich vielleicht sogar noch anständig rasiert und mir nicht ausgerechnet mein CSU-Hemd angezogen. Aber ich bin ja nicht umsonst hauptamtlich beim Radio.
Wie prickelnd: Wahlsieger steht vorzeitig fest
11: 21 Uhr Nachdem ich vorgestern mein Sammelsurium an Wahlwerbung vorgestellt habe, möchte ich heute meinen persönlichen Favoriten küren. Für sein quadratisches Gesamtwerk wird der 32-jährige Stephan Prause von der CSU von mir bei der Stadtratswahl 3 Stimmen erhalten. Ausschlaggebend war der sehr kreative Einfall, als Anspielung auf seinen Nachnamen Prause ein Päckchen Ahoj Brause-Pulver an sein Faltblatt zu tackern. Wenn man bei der Unterscheidung von B und P ein Auge zudrückt, dann, so finde ich, ist das eine super Idee. Herzlichen Glückwunsch. Ich hebe die Prause übrigens noch auf. Ich hoffe nämlich noch auf Last-Minute-Werbegeschenke vom Grünen-Kandidaten Thomas Koslowski
in diesem Sinne: Brost!
Eine Wahlkampfstudie zur Kommunalwahl in Kempten
20:23 Uhr – Prospekte, Werbung und Anzeigenblätter haben in meinem Briefkasten nichts zu suchen. Allerdings klebt auf meinem Briefkasten der Hinweis, dass Wahlwerbung sehr willkommen ist. Darum haben im aktuellen Kommunalwahlkampf einige schriftliche Werbemittel den Weg zu mir gefunden. Ich habe natürlich alles gesammelt. Nicht nur, weil mich die Inhalte und die Aufmachungen interessieren. Nein. Ich wollte auch sehen, von welcher Gruppierung wie viel kommt. Wenig überraschend: Die CSU stellt mit 62,5 Prozent der
eingegangenen Wahlwerbung den Bärenanteil. Dann allerdings ein absolutes Armutszeugnis, vielleicht sogar ein Zeugnis der Resignation gegen die Übermächtige christsoziale Konkurrenz: Rein gar nichts von der SPD und den Grünen. Das ist sehr erschreckend, schließlich stellen beide Parteien eigene Oberbürgermeister-Kandidaten. Zweitstärkste Partei in Sachen Werbung in meinem Briefkasten sind die Freien Wähler. Immerhin ein Viertel der Werbebotschaften kam von dieser politischen Gruppe. Trotz Product-Placement für einen amerikanisches Computerunternehmen gefällt mir hier die Aufmachung am besten, wenn ich das einmal bewerten darf. Den dritten Platz auf den Siegertreppchen teilen sich die FDP und die Unabhängigen Bürger / ödp. Beide zeichnen sich für je gute sechs Prozent der Werbematerialien verantwortlich an Professionalität gibt es hier sicherlich noch Spielraum nach oben. Gerne möchte ich im Folgenden aufdröseln, wer alles an mich gedacht hat. Natürlich nenne ich die großzügigen Versender auch namentlich nicht aus Gründen der Wahlwerbung, sondern aus Gründen des Dankes. Es ist ja nicht so, dass mein Briefkasten sonst überquillt.
CSU:
- 2x Faltblatt Senioren-Union Kempten
- 1x Faltblatt CSU Kempten-Ost
- 1x Flugblatt Silvia Rupp
- 1x Flugblatt Markus Hatt
- 1x Flugblatt Markus Birnstiel
- 1x Faltblatt Stephan Prause
- 1x Visitenkarte Franz Josef Natterer
- 1x Taschenkalender Carina Bauernfeind
- 1x Taschenkalender Dietmar Markmiller
Freie Wähler:
- 2x Faltblatt Stadtratskandidaten
- 1x Flugblatt Robert C. Wiedenmann
- 1x Flugblatt Kandidaten aus Ihrer Nachbarschaft
FDP:
- 1x Faltblatt Stadtratskandidaten
UB/ödp
- 1x Faltblatt Stadtratskandidaten
Lidl lohnt sich.
20:21 Uhr Herrlich, dieses Frühlingswetter zurzeit. Weil ich pünktlich von der Arbeit weggekommen bin, habe ich mich für einen kleinen Stadtspaziergang zu Lidl entschieden. Die paar Kilometer zu Fuß in der etwas zu warmen Jacke haben sich dann doch etwas gezogen. Aber ich habe mein Ziel erhobenen Hauptes und frohen Mutes erreicht. Und bei Lidl einen Gürtel gekauft, den ich mir aus dem aktuellen Prospekt ausgesucht hatte. Anschließend per strammem Fußmarsch nach Hause. Dort habe ich natürlich sofort den neu erstandenen Gürtel ausprobiert. Er ist zu lang. Viel zu lang. Die Fastenzeit ist hiermit für mich beendet.
Alter Franzose
11:41 Uhr Ich bin gerade auf ein Stück Musikgeschichte gestoßen. Zumindest auf ein Stück, dass das Potenzial hat, Musikgeschichte zu schreiben. Es könnte aber mit Blick auf die beiden Nebendarsteller auch sehr gut sein, dass das Stück Bewegtbildgeschichte schreibt. Aber seht selbst.
14:21 Uhr Man muss es auch mal so sagen: Was für ein schöner Tag! Ich habe mir heute freigenommen, ein bisschen länger geschlafen, gemütlich gefrühstückt und dann ganz entspannt ein bisschen was geschafft. Dann war ich ohne Eile einkaufen, im Auto habe ich meine Sonnenbrille getragen und Manu Chao gehört, habe mir beim Bäcker zwei Berliner gegönnt und danach einen Spaziergang bei herrlichem Sonnenschein gemacht. Das werden am letzten Februartag doch nicht schon erste Frühlingsgefühle sein?
Langsam kribbelt es auch ein bisschen in der Magengegend. Daran sind aber definitiv nicht die Frühlingsgefühle schuld, sondern ein telefonisches Bewerbungsgespräch, dass ich gleich habe. Es ist aber ein äußerst positives Kribbeln schließlich kann man bei so einem Telefonat ja nur gewinnen.
Außerdem habe ich für heute Abend noch eine gute Tat geplant. Es handelt sich dabei allerdings nicht um die vielleicht erhoffte Beseitigung aller Häästräger dieser Welt. Die gute Tat ist etwas weniger egoistisch. Ich möchte mich nach über acht Jahren mal wieder am Blutspenden versuchen. Das erste und bisher letzte Mal endete leider beinahe in der Bewusstlosigkeit, darum hab ich mir jetzt mal eine kleine Spenderpause gegönnt. Aber heute fühl ich mich gut, heute scheint die Sonne, heute kann ich es mal wieder riskieren.
17:02 Uhr Der Plan war gut. Der Plan war sogar sehr gut. Das Champions League-Achtelfinale zwischen Zenit St. Petersburg und Borussia Dortmund wird heute schon um 18 Uhr angepfiffen – statt wie normalerweise um 20.45 Uhr. Das hätte mir einen schönen Fußballabend mit anschließendem Adrenalinabbau bescheren können, an dem ich trotzdem einigermaßen zeitig zur (Bett-)Ruhe gekommen wäre.
Aber der Plan war eben nur gut. Er ist es nicht mehr.
Ich habe einen Abendtermin. Ich muss um 19 Uhr dämliche, erfolglose Wintersportler in Oberstdorf begrüßen. Die mit leeren Händen aus Russland zurück kommen. Während in Russland die Champions League KO-Runde läuft. Ohne mich als Zuschauer. Während den Olympischen Spielen hatte ich komischerweise keinen einzigen Abendtermin. Es ist zum heulen.
Es geht weiter.
21:12 Uhr So, da bin ich wieder. Ich habe in der letzten Woche ein paar Tage an der Costa Blanca verbracht. Ich habe mir dort in Benidorm einen möglichen neuen Arbeitsplatz angeschaut. Die kurze Reise war auf jeden Fall sehr erfolgreich, denn jetzt stehe ich vor einer etwas kniffligen Entscheidung. Einerseits reizt mich Spanien sehr, andererseits sehen meine beruflichen Pläne eigentlich ein bisschen anders aus. Aber das Positive ist doch auf jeden Fall, dass ich mich überhaupt entscheiden darf. Das werd ich bald tun gleich nachdem ich noch ein bisschen nachgedacht und nachgerechnet hab.
Derweil ist mir heute auch endgültig klar geworden, dass die Zeit beim Radio langsam aber sicher abläuft. Es startet der letzte Abschnitt – jetzt bin ich noch für rund vier Wochen Volontär. Etwas komisch ist es schon, bald zu gehen, nachdem man sich in zwei Jahren doch jede Menge aufgebaut hat. Andererseits bin ich aber auch froh, dass dieses Kapitel bald hinter mir liegt. Und die Entscheidung, danach was anderes zu machen, die haben ich ja immerhin schon gefällt.

