Ein Ritter auf Nachtischjagd

19:46 Uhr – Bei mir gab es heute kalorienarme Kost zum Abendessen: Dreierlei vom Essig mit Salateinlage und schöner Chili-Pfeffer-Verfeinerung. Nach der Beendigung des Mals, das war so vor einer halben Stunde, hatte ich dann aufgrund von leichter Übersäuerung und Brandgefühl auf den Lippen ein dringendes Nachtischbedürfnis. Eine Tafel Rittersport Halbbitter musste her. Kein Problem; dass die Läden in Bayern um 20 Uhr schließen, daran habe ich mich längst gewöhnt. Aber es war ja noch Zeit genug für den zweiminütigen Fußmarsch zur nächsten Feneberg Filiale. Feneberg schließt um 19 Uhr. Völlig unterzuckert bin ich trotz eindeutig zu luftiger Kleidung für Jahreszeit und Sonnenverhältnisse weiter zum Penny. Der hatte noch auf. Vorsichtshalber hab ich mir gleich zwei Tafeln Schokolade eingepackt und bin zur Kasse. Vor mir standen zwei Zimmermänner. Sie haben 20 Flaschen Penny-PET-Bier, ein halbes Kilo Zungenwurst, eine Flasche Essig und einen riesigen Sack Zwiebeln aufs Band gelegt. Und ich denk nur so: Freunde, vergesst den Nachtisch nicht.

Damit die Welt in trockenen Tüchern ist

17:45 Uhr – Einige von euch werden das Problem kennen: Man duscht viermal am Tag in seinem fensterlosen Badezimmer. Natürlich duscht man ordentlich lange und ordentlich heiß, sodass die Luftfeuchtigkeit im Bad ziemlich tropisch wird. Danach trocknet man sich ab und hängt das Handtuch an den Haken. Der Haken dabei ist: Bis zum nächsten Abtrockenvorgang trocknet das Handtuch nicht. Aber gerade eben unter der Dusche habe ich die Welt verbessert. Zumindest in der Theorie, an der Praxis müssen sich andere versuchen. Aber das dürfte kein Problem sein, die Idee ist nämlich simpel und genial zugleich: Duschhandtücher brauchen Aufhänge-Teile an zwei Ecken anstatt nur an einer oder gar in der Mitte. Dann hängt das Handtuch nämlich nicht zusammengeknüllt am Haken, sondern offenbart seine ganze Oberfläche der frischen Luft. Ich hab jetzt keine Formel dafür parat, wie viel schneller das Handtuch dann trocknet, aber ich bin mir sicher, dass es klappt. Und meine Oma (die Praktikerin) freut sich sicher auch, wenn sie bald an alle meine Handtücher neue Aufhänger dran nähen darf.

Herbstdüfte

11:29 Uhr – Ich mag ja gar kein Nutella. Aber heute habe ich das seit Ewigkeiten offene Glas mal leer gemacht. Zentimeterdick Schoko-Haselnusscreme auf dunklem Brot. Muss eben auch mal sein. Hausmann, wie ich nun mal bin, wollte ich danach das Glas natürlich spülen. Diese Nutella-Reste halten sich ja extrem hartnäckig – und ohne Spülmaschine ist das dann nicht so leicht. Also Glas mit warmem Wasser gefüllt und schön zwei Minuten in die Mikrowelle, damit die Scheiße rausschmilzt und das Glas so sauber wird, dass ich sogar meiner Nachbarin (der aus der Spülmittelwerbung) Rotwein darin kredenzen könnte. Okay – zwei Minuten waren zu lang. Das Nutella-Wasser hat ziemlich gekocht, die Mikrowelle ist überflutet – und: Die Luft in meiner Wohnung ist jetzt richtig schön herbstlich mit Schoko-Haselnussduft geschwängert. Ein guter Sonntag!

Kling Glöckchen klingelingeling

17:42 Uhr – Gestern Morgen, Punkt sieben Uhr, habe ich mir ernsthaft überlegt, aus der Kirche auszutreten. Nun, das wäre wahrscheinlich ein Schritt, der weder mir noch der katholischen Kirche großartig schaden würde. Genau genommen würden wir beide sogar herzlich wenig davon spüren, schätze ich. Gut, ich zahle natürlich Kirchensteuer. Aber das ist bei meinem saftigen Gehalt ein monatlicher Betrag im Centbereich, mit dem ich gern den Erhalt der kulturell wertvollen Gotteshäuser und die caritative Arbeit der katholischen Kirche unterstütze. Aber gestern Morgen, Punkt sieben Uhr, als ich in meinem Bett lag und geschlagenen zehn Minuten lang ein monotones, aber lautes „Ding-Dong“ in den Ohren hatte, habe ich mir überlegt: Stellen die die Kirchenglocken ab, wenn ich aus der Kirche austrete? Ich befürchte nein.

Eine Alternative währe natürlich ein materialverschwendender Angriffskrieg. Wie ich einst im Geschichtsunterricht gehört habe, war es in Deutschland Anfang der 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts – glockentechnisch – recht still. Die Glocken wurden nämlich eingeschmolzen und zu Munition weiterverarbeitet. Gut, im Nachhinein muss man wahrscheinlich zugeben, dass die Ruhe nur von kurzer Dauer und das, was später so alles vom Himmel fiel, wesentlich lauter war. Und stelle man sich vor, ein möglicher Krieg, beispielsweise gegen die muslimische Welt, ginge verloren – des Szenario ist ja von der großen Glockenruhe vor 70 Jahren bekannt – ich glaube so ein Muezzin vor dem Schlafzimmerfenster kann auch ganz schön nervtötend sein.

Außerdem hab ich mir bereits gestern Abend eine äußerst friedliche Lösung für zukünftige Wochenenden erdacht: Fenster schließen.

Aber sowas von mediterran

17:29 Uhr – Der heutige Speiseplan war eigentlich ganz einfach: Salbei im balkoneigenen Kräuterkärtchen ernten und leckere Salbeispagetti kochen. Aber dann bin ich doch noch in den Supermarkt, weil ich noch Spezi gebraucht hab. Dort gab es reduzierte Krabben. Und Butter zum gehaltvolleren anrösten. Wieder zuhause hab ich auf meinem Balkon auch noch reife Tomaten gefunden. Und im Schrank Knoblauch und Chili. Das war vielleicht ein mittelmeermäßiges Festtagsmenü. Und als Nachtisch noch zwei Rippchen Ritter Sport mit Schoko-Creme-Füllung. Ich sags euch.

Real Madrid, Manchester City und Ajax Amsterdam

17:45 Uhr – Also wenn ich irgendwas liebe, dann das: Fußball-Auslosungen im Fernsehen angucken. Egal ob Weltmeisterschaftsgruppen, DFB-Pokal, Europameisterschaftsqualifikationsgruppen oder wie heute Champions League-Gruppen – immer ist eine einmalige Gala angekündigt und am Ende wird einfach unglaublich langsam ausgelost, was auch in zwei Minuten machbar wäre. Ich gehe mal davon aus, dass es auch heute in Monte Carlo nicht besonders spannend wird. Also von der Veranstaltung her. Wie am Ende die acht Vierergruppen aussehen, ist natürlich hammerspannend. Und los geht’s auf Eurosport. Von den beiden Moderatoren hab ich auf jeden Fall noch nie was gehört, aber sie reden Französisch und Englisch. Spiegelt ja wohl nicht unbedingt das Kräfteverhältnis im europäischen Fußball wieder.

Lampards Frank von Chelsea darf jetzt auch noch ein bisschen über das Finale in München berichten, obwohl er noch nicht mal als bester Spieler der vergangenen Saison nominiert ist. Zum Glück hat er den Pokal mitgebracht, sonst würde das ja alles gar keinen Sinn machen.

Erster Gast: Denis Law. Hab noch nie etwas von ihm gehört, aber hat wohl recht oft und gar nicht so schlecht für die beiden Clubs aus Manchester gespielt. Der darf dann wohl die Gruppenköpfe auslosen, oder? Jetzt kommen noch zwei Offizielle, damit es auch richtig zugeht. Zwei Italiener – Signore Spaghetti und Signore Infantino – komische Besetzung. Und weil drei Menschen zum Loseziehen auf gar keinen Fall reichen, darf Steven McManaman auch noch mithelfen. Bravo!

Endspiel ist also am 25. Mai 2013 in London. Ist ein Samstag – ich muss also am nächsten Tag nicht freinehmen, um mich von der Siegesfeier zu erholen. Von mir aus könnte jetzt trotzdem mal losgelost werden. Rote Gruppe, blaue Gruppe. Genau.  Teams aus dem Norden werden das letzte Spiel im Winter auswärts spielen – da hat sich ja sogar mal einer was gedacht.

Oha, es geht los. Real Madrid landet in Gruppe D. Sensationell. Und als zweites schon die Bayern, mal gucken, wo die hinkommen. Zack, ab in Gruppe F wie Freistaat. So, die Gruppenköpfe sind gelost. Die zweite Mannschaft darf jetzt George Waeh ziehen. Da kommt jetzt wohl auch Schalke raus. Und in die Bayern Gruppe kommt Valencia. Da wär ich jetzt auch gern zum Dortmund-Auswärtsspiel hin. Jetzt ist Schalke gezogen und kommt in Gruppe…. B zu Arsenal. Dann darf jetzt die dritte Runde gelost werden. Das interessiert mich jetzt nicht sooo sehr, und gezogen wird auch noch von einem holländischen Lama. Ich muss glaub mal kurz weg.

Ich seh’s schon kommen. Dortmund kommt zu Real, Ajax und ManCity. Aufbaugegner halt. Wehe das lost jetzt wieder so ein Idiot aus. Ein Italiener also. Canavaro. Puh. A, C oder D heißt es jetzt. Ich hätte ja ne gewisse Präferenz für A oder C. Scheiß, A ist schon mal weg. Jetzt pocht mein Herz aber doch ein bisschen. Und ab in Gruppe D für Dortmund. Real Madrid, Manchester City und Ajax Amsterdam. Das wird wohl ein klassischer Durchmarsch. Aber Auswärtsspiel im Bernabeau wär schon auch ganz angenehm. Pack’mers an!

Herrmannsseiten: Kopfweh im Freien.

14:47 Uhr – So. Mit Gurke, Radieschen, Emmentaler und Kirsch-Cola versuche auf meinem Balkon unter meinem blau-gelb-grün-roten Sonnenschirm und im Duft meines Kräuterbeetes mein Kopfweh zu bekämpfen. Es ist mir ja unerklärlich, wo das herkommt. Vielleicht, weil ich heute drei Stunden lang am Stück Willy Astor gehört habe. Dienstlich. Wobei ich ja sagen muss: Der ist schon großes Wortspielkino. Eventuell kann man ihn ja als Amsel, Drossel, Ringo und Star-Gast für die nächste große Kalauer-Nacht gewinnen. Apropos groß: Sind Radieschen, die bitter schmecken eigentlich schlecht? Nicht schlecht wird auf jeden Fall mein Herrmannkuchen (von mir auch liebevoll Herbertkuchen genannt), an dem ich seit gestern rumbacke. Der Herrmannkuchen funktioniert nämlich so: Man bekommt von irgendjemand (in meinem Fall war das die liebe Elisa) ein Eimerchen mit Teig geschenkt, dessen Zutaten man nicht kennt. Dazu gehört eine Anleitung: Eine Woche lang muss in den Teig irgendwas anderes hinein gerührt werden. Gestern waren es 250 Gramm Zucker, heute kommen 250 Milliliter Milch dazu. Am Samstag kommt ein Viertel des Teiges dann in den Ofen und wird zu einem vermutlich oberleckeren Herrmannkuchen. Und die anderen drei Viertel schenkt man an andere Opfer weiter, die dann auch backen müssen. Vielleicht schenke ich ein Viertel dem Herrn Herrmann von den Allgäuer Überlandwerken. Den habe ich nämlich vorhin interviewt.

Bei schönem Wetter wird gesurft

13:51 Uhr – Eigentlich sollte ich jetzt gleich Möcker und Helge vom Bahnhof abholen, weil die beiden mich in Kempten besuchen wollen. Eigentlich. Eigentlich habe ich nämlich auch seit wenigen Minuten Internet in meiner Wohnung. Und außerdem ist es draußen auch total heiß und Ozon ist ja so wie so so böse. Vielleicht denken sich die Nachbarn auch schlechte Dinge über mich, wenn ich jetzt schon wieder vor die Tür geh. Nicht zu vergessen ist natürlich auch die Tatsache, dass meine Chilli-Leberkäs-Muffins-Kreation gerade im Backhofen vor sich hin schmort und ich die natürlich unmöglich allein lassen kann. Und man muss auch wissen, dass die Ecke rund um den Bahnhof die schönste in Kempten ist. Wäre eigentlich zu schade, wenn ich den beiden Touristen genau diese vorenthalten würde, oder? Es gibt noch viel mehr Gründe, warum ich die beiden leider doch nicht abholen kann. Aber ich hab leider keine Zeit, alle aufzuschreiben. Ich muss nämlich schnell was im Internet nachschauen….

Sportarten, die uns egal waren

22:43 Uhr – Es kann nicht immer Fußball-WM oder EM sein. Und Olympia hat ja schließlich auch seinen Reiz. Man schaut nämlich ständig Sportarten, die einem normalerweise total am Arsch vorbei gehen. Gerade habe ich zum Beispiel versehentlich in das Hockey-Spiel zwischen Deutschland und Belgien reingezappt. Zum ersten Mal seit 104 Jahren wird auf einem blauen Platz gespielt. Ich habe noch nie auch nur eine Sekunde Hockey gesehen. Es eigentlich ganz schön, vor allem weil es so ähnlich wie Fußball funktioniert und auch so aussieht. Und ziemlich anstrengend siehts aus, aber ich glaub das hat Olympia so an sich. Ich muss jetzt nur noch rausfinden, ob das Hockeyfeld irgendwie gewässert wurde, weil das sieht immer so aus, als ob das was hochspritzen würde. Oder ist es doch SO anstrengend? Auf jeden Fall gibt es lange, kurze und Straf-Ecken. Ob es Abseits gibt hab ich jetzt noch nicht herausgefunden. Bei Foul gibt’s auf jeden Fall lange Ecke. Benjamin Wess‘ Spitzname ist ja Dani Alves – Außenverteidiger halt. Ich bin ja jetzt Benjamin Wess-Fan. Der ist nämlich sauoft im Bild – auch weil er grad fast nem Belgier seinen Schläger über die Pommesrüber gezogen hätte. Einen Elfmeterpunkt gibt’s auch. Und Eckfahnen. Ich schmeiß mich weg: Grüne Karte! Was ist da wohl die Steigerung? Also als Kommentator kann man das auf jeden Fall zu 90 Prozent mit Fußballphrasen abdecken. Und jetzt ist Halbzeit.

Ich bin dann mal kurz da

11:26 Uhr – Es ist wie verhext. Letzte Samstag habe ich mir endlich mal wieder einen bösen Virus eingefangen, der meinen Internetzugang blockiert hat – darum konnte ich die ganze Woche natürlich kein Wort zum Tag schreiben. Zum Monatsende habe ich außerdem mein Internet gekündigt, weil mich der Surfstick nervt. Allerdings hatte ich jetzt, weil ja das Internet nicht ging, keine Gelegenheit, mir neues zu besorgen. Mal schauen, wie lange das jetzt dauert, bis ich in meiner Wohnung wieder sinnlos rumsurfen kann. Heute werde ich auf jeden Fall zu nichts kommen, denn heute wird geheiratet. Gerade eben habe ich noch schnell Anzug, Hemd und Socken probiert – und – oh Wunder – es passt alles einigermaßen. Sonst wäre dieser Vormittag eventuell etwas stressiger geworden und es hätte wieder kein Wort zum Tag gegeben. Jetzt sitz ich in meinem Pro-Hochzeits-Western-Outfit mit Jeans und Lederjacke auf dem Sofa und schaue dabei zu, wie das Wetter draußen schlecht wird. Vielleicht nehm ich doch nen quietschebunten Regenponjo mit, wenn ich gleich nach draußen geh. Da ich spießigerweise nach der Hochzeitsfeier ein Hotelzimmer beziehe, kann ich so wie so eine schier unendliche Auswahl an Festtags-Kostümen mitführen. Ich denke so sieben bis acht Mal werde ich mein Outfit heute schon wechseln. Ich freu mich.