14:21 Uhr – Man muss es auch mal so sagen: Was für ein schöner Tag! Ich habe mir heute freigenommen, ein bisschen länger geschlafen, gemütlich gefrühstückt und dann ganz entspannt ein bisschen was geschafft. Dann war ich ohne Eile einkaufen, im Auto habe ich meine Sonnenbrille getragen und Manu Chao gehört, habe mir beim Bäcker zwei Berliner gegönnt und danach einen Spaziergang bei herrlichem Sonnenschein gemacht. Das werden am letzten Februartag doch nicht schon erste Frühlingsgefühle sein?

Langsam kribbelt es auch ein bisschen in der Magengegend. Daran sind aber definitiv nicht die Frühlingsgefühle schuld, sondern ein telefonisches Bewerbungsgespräch, dass ich gleich habe. Es ist aber ein äußerst positives Kribbeln – schließlich kann man bei so einem Telefonat ja nur gewinnen.

Außerdem habe ich für heute Abend noch eine gute Tat geplant. Es handelt sich dabei allerdings nicht um die vielleicht erhoffte Beseitigung aller Häästräger dieser Welt. Die gute Tat ist etwas weniger egoistisch. Ich möchte mich nach über acht Jahren mal wieder am Blutspenden versuchen. Das erste und bisher letzte Mal endete leider beinahe in der Bewusstlosigkeit, darum hab ich mir jetzt mal eine kleine Spenderpause gegönnt. Aber heute fühl ich mich gut, heute scheint die Sonne, heute kann ich es mal wieder riskieren.

17:02 Uhr – Der Plan war gut. Der Plan war sogar sehr gut. Das Champions League-Achtelfinale zwischen Zenit St. Petersburg und Borussia Dortmund wird heute schon um 18 Uhr angepfiffen – statt wie normalerweise um 20.45 Uhr. Das hätte mir einen schönen Fußballabend mit anschließendem Adrenalinabbau bescheren können, an dem ich trotzdem einigermaßen zeitig zur (Bett-)Ruhe gekommen wäre.

Aber der Plan war eben nur gut. Er ist es nicht mehr.

Ich habe einen Abendtermin. Ich muss um 19 Uhr dämliche, erfolglose Wintersportler in Oberstdorf begrüßen. Die mit leeren Händen aus Russland zurück kommen. Während in Russland die Champions League KO-Runde läuft. Ohne mich als Zuschauer. Während den Olympischen Spielen hatte ich komischerweise keinen einzigen Abendtermin. Es ist zum heulen.

Es geht weiter.

21:12 Uhr – So, da bin ich wieder. Ich habe in der letzten Woche ein paar Tage an der Costa Blanca verbracht. Ich habe mir dort in Benidorm einen möglichen neuen Arbeitsplatz angeschaut. Die kurze Reise war auf jeden Fall sehr erfolgreich, denn jetzt stehe ich vor einer etwas kniffligen Entscheidung. Einerseits reizt mich Spanien sehr, andererseits sehen meine beruflichen Pläne eigentlich ein bisschen anders aus. Aber das Positive ist doch auf jeden Fall, dass ich mich überhaupt entscheiden darf. Das werd ich bald tun – gleich nachdem ich noch ein bisschen nachgedacht und nachgerechnet hab.

Derweil ist mir heute auch endgültig klar geworden, dass die Zeit beim Radio langsam aber sicher abläuft. Es startet der letzte Abschnitt – jetzt bin ich noch für rund vier Wochen Volontär. Etwas komisch ist es schon, bald zu gehen, nachdem man sich in zwei Jahren doch jede Menge aufgebaut hat. Andererseits bin ich aber auch froh, dass dieses Kapitel bald hinter mir liegt. Und die Entscheidung, danach was anderes zu machen, die haben ich ja immerhin schon gefällt.

Und kreuzen Sie auf jeden Fall CSU an, damit keine Stimme verloren geht!

20:53 Uhr – Da steh ich grad in meinem allerfeinsten blauen Ganzkörperjogginganzug in der Küche und spüle fröhlich das Geschirr der letzten zwei Wochen vor mich hin, als es plötzlich klingelt. Bei mir klingelt es eigentlich nie überraschend, weil ich erstens nie Besuch bekomme und dieser sich, wenn er dann doch mal kommt, im Normalfall vorher anmeldet. Da ich aber neugierig bin und mich auch nicht in meiner Wohnung verbarrikadieren will, mache ich auf. Da steht ein Paar mittlernen Alters, Mann und Frau. Beide gut bis schick gekleidet, er trägt einen Korb. Religiöse Fanatiker schließe ich auf den ersten Blick aus, keine Zeugen Jehovas. Mein zweiter Gedanke dreht sich um das Gutmenschentum. Spenden für die Lawinenhundestaffeln, Kriegsgräber, die Johanniter oder sowas. Auch nicht. Die beiden stellen sich als Thomas Senftleben und Brigitte Mayr von der CSU-Ortsgruppe Kempten Ost vor. Ja prima. Er redet viel, sie nichts. Und ich steh da in meinem Assi-Jogginganzug. Obwohl ich mir noch nie Gedanken darüber gemacht hab, in welcher Kemptener Himmelsrichtung ich wohne, lasse ich mir kurz die Probleme des Kemptener Ostens runterratttern (die Jogginganzugdichte unter der Bevölkerung mit Migrationshintergrund gehört nicht dazu) und höre mir den Wunsch nach zwei Mal drei Stimmen bei der Stadtratswahl an. Die Beiden wollen ganz offensichtlich nicht unbedingt mehr Zeit als nötig bei der unrasierten Gestalt im königsblauen Strampler verschwenden. Pech gehabt. Da ich mich seit zwei Wochen von Berufs wegen intensiv mit Kommunalpolitik beschäftige, kann ich durchaus was zu unserer Unterhaltung beitragen und ein bisschen damit angeben, mit welchen Parteigenossen ich mich in den letzten Tagen schon unterhalten habe. Als Anerkennung meiner Kompetenz (und trotz meiner selbstgefilzten Hausschuhe) erhalte ich eine Einladung zu einer tiefgründigeren Kommunalwahlveranstaltung. Und  ein Tütchen Gummibärchen, auf denen der CSU-Oberbürgermeisterkandidat zu sehen ist. Da muss ich natürlich anmerken, dass ich vom Kandidaten selbst keine Süßigkeiten geschenkt bekommen habe, dafür aber vom Sonthofener Kandidaten sogar personalisierten Traubenzucker. Gut gepokert. Den haben die beiden Christsozialen nämlich auch im Gepäck und überreichen ihn mir zusammen mit ihrem Zehnpunkteprogramm. Herzlichen Dank! Da ich die Zwei an dieser Stelle entweder hereinbitten oder verabschieden muss, trennen sich unsere Wege noch im Flur. Ich gehe zurück ans Spülbecken und freue mich schon auf die nächsten klingelnden Lokalpolitiker. Ich werde meinen Jogginganzug nicht mehr ausziehen.

1 + 1 = Private Muckibude

20:29 Uhr – Ich freue mich in diesen Tagen sehr darüber, dass zwei scheinbar völlig voneinander unabhängige, auf den ersten Blick total nutzlose Gegenstände als Duo endlich einen Sinn haben. Zum Einen ist das der Heimtrainer, den ich an Weihnachten vor einem Jahr von meinen Eltern geschenkt bekommen habe. Seitdem steht der auch hier in Kempten in meinem Schlafzimmer und dient mir hervorragend und sehr zuverlässig als Kleiderständer. Denn alleine in einem leeren, langweiligen Raum auf einem quietschenden, wackelnden Gerät länger als 5 Minuten Sport zu treiben, ist leider doch nichts für mich, wie sich herausgestellt hat. Zum Anderen ist das der kleine Tablet-PC, den ich mir im Herbst zugelegt habe, um mit der Zeit zu gehen. Das ist ein sehr nettes Spielzeug, kann aber letztendlich in Sachen Unterhaltung nicht mit einem richtigen PC mithalten – und was das Arbeiten und Schreiben angeht schon gleich gar nicht. Zwei klassische Fehlkäufe also.

Bis ich die Kombination für mich entdeckt habe. Sport auf dem Heimtrainer ist nämlich nicht mehr so langweilig und schlimm, wenn man dabei auf dem Tablet Serien schauen kann. Natürlich mit Kopfhörern, damit man das Quietschen nicht hört. Um diese Art von aktiver Unterhaltung zu ermöglichen, musste ich allerdings noch etwas erfinderisch sein. Jetzt befindet sich direkt vor dem Heimtrainer ein Stuhl, auf dem Stuhl steht ein Notenständer (meine Band-Kollegen vom Bambi kennen mein zweifelhaftes Verhältnis zu Notenständern…) und in dem Notenständer ist das Tablet eingeklemmt. Langsam glaube ich an meine technische Überlegenheit.

Nun schaue ich fleißig die alten Folgen von Pastewka, die ich alle schon mindestens dreimal gesehen habe, und schwitze dabei so lange, bis mein Schlafzimmerfenster beschlägt. Zwei Folgen Pastewka inklusive Werbung auf MySpass sind knapp 50 Minuten lang – eine ideale Trainingszeit. Allerdings quält mich jetzt schon der Gedanke, was ich schauen könnte, wenn ich alle 6 Staffeln von Pastewka durch hab. Gut, Stromberg würde mir wieder ein paar Wochen Zeit bringen. Aber dann?

Steinofenpizza mit Currywurst und Pommes

18:03 Uhr – Es gibt einfach so Dinge, an denen komm ich im Supermarkt nicht vorbei. Ich bin da mein eigenes Versuchskaninchen. Völlig vorurteilsfrei probiere ich alles, was mir angeboten wird. Man weiß ja nicht, ob sich nicht doch eine nicht für möglich gehaltene Leckerei in den Regalen befindet. Sehr spannend finde ich da immer völlig abgedrehte Pizza-Kreationen. Heute habe ich bei Penny zum ersten Mal Tiefkühl-Steinofenpizza mit Currywurst und Pommes entdeckt. Das stößt schon beinahe in ungeahnte Sphären vor. Also hab ich das Ding gekauft und Zuhause in den Ofen geschoben. Was soll ich sagen? Es war nicht gerade lecker. Minimale Curryspuren in der Tomatensoße, geschmacklose Würstchen, völlig matschige, vereinzelte Pommes und fast überhaupt kein Käse. Prädikat: Nicht empfehlenswert. Das nächste Mal greif ich wieder zu Pizza Gyros, Pizza Pasta oder Pizza American Barbecue. Allerdings steht auch noch dieser Pizza-Burger von Dr. Oetker auf meiner To-Eat-Liste. Allerdings hab ich den bisher noch nie im Supermarkt gefunden. Und auch die Pizza-Wurstsalat giert danach, demnächst von mir erfunden zu werden.

Heizen wie die Profis

17:26 Uhr – Ich habe heute schon gelernt, dass ich der absolute Heiz-Honk bin. Also war. Denn ab jetzt mache ich ja alles besser. Aber von Anfang an. Bisher habe ich, wenn mir kalt wurde, die Heizung ordentlich aufgedreht, eine Weile volle Pulle geheizt und die Heizung dann wieder ganz ausgemacht. Und dabei habe ich mich ziemlich clever gefühlt. Heute muss ich dann aus erster Expertenhand erfahren, dass so ein Heizkörper immer gleich warm wird, egal ob er auf Stufe 1 oder auf Stufe 5 heizt. Für den Thermostat gibt es offenbar nur hopp oder top – an oder aus. Der Unterschied ist lediglich, dass die Heizung auf Stufe 5 erst bei einer wesentlich höheren Raumtemperatur wieder aufhört zu heizen, als auf Stufe 1. Ständiges Hin- und Herregulieren ist also nicht nur unnötig, sondern sogar dumm. Darum ist meine Heizung jetzt auf 2 eingestellt, und ich werde die Finger weglassen. Versprochen.

Ein ziemlicher Profi bin ich allerdings im Lüften, wie ich mir vom Fachmann habe bestätigen lassen. „Querlüften“ heißt da das Zauberwort. Also nicht irgendwie stundenlang das Fenster kippen, sondern nur für ein paar Minuten alles aufreißen, was es aufzureißen gibt. Jetzt kommt natürlich noch die Kür: Der geübte Heizer dreht genau während dieser Minuten, in denen die Fenster aufstehen und Kaltluft durch die Räume strömt, die Heizung auf 0. Und dann darf man sich dabei sogar ziemlich clever fühlen.

Sehr geehrte Damen und Herren,

es geht los! Ich habe soeben meine erste richtige Bewerbung verschickt. Da mein Arbeitsvertrag nur noch zwei Monate läuft, war das jetzt mal höchste Zeit. In den nächsten Tagen werden sicherlich nach und nach weitere folgen. Jetzt wo ich die meisten wichtigen Unterlagen parat habe und der Lebenslauf auf dem neusten Stand ist, geht mir das hoffentlich gut von der Hand.

Natürlich bin ich nicht völlig naiv und weiß, dass ich im Internet leicht zu finden bin. Sei es über Google oder schlichtweg über meine Mailadresse. Es ist also durchaus anzunehmen, dass in den nächsten Tagen und Wochen der ein oder andere Personalverantwortliche über meinen kleine Seite hier huscht. Und das ist auch gut so – bedeutet es doch, dass meine Bewerbungsunterlagen nicht direkt im Papierkorb gelandet sind. An dieser Stelle möchte ich darum alle ganz herzlich begrüßen, die noch ein bisschen mehr über mich herausfinden wollen. Sehen Sie sich sehr gerne um auf meinem privaten Blog!

Für alle diejenigen, die ohnehin hier vorbeischauen wird sich auch nichts ändern. Ich habe ja schließlich nichts zu verbergen. Und was im Internet veröffentlicht ist, können eben alle sehen und lesen. Genau darum macht man es ja.

17:23 Uhr – Ich mein, da muss man ja fast zwangsläufig depressiv werden. Den ganzen Tag beschäftigt man sich schon etwas realitätsfern mit der eigenen Zukunft. Man könnte es Träumereien nennen. Balkon in Strandnähe mit Meerblick, hauseigener Pool und funktionierende Waschmaschine. Sowas. Man weiß natürlich, dass man mit Sowas nicht weiter kommt. Und in ein paar Minuten will man sich echt mal ernsthaft mit der eigenen Zukunft beschäftigen. Einen Lebenslauf zusammenschustern wäre ein guter Anfang. Aber erst noch schnell dieses eine Youtube-Video anklicken, das irgendwie auf Facebook grad die Runde macht.

Und da soll ich jetzt anfangen, an meiner Karriere zu basteln? Das fühlt sich irgendwie nicht richtig an. Aber es dauert andererseits auch noch ganz schön lange, bis die Wolken wieder lila werden. Draußen ist es auch sehr kalt. Und davon abgesehen wüsste ich nicht, wie ich irgendwo in Kempten auf ein Hausdach kommen sollte.

21:52 Uhr – Es ist nicht zu fassen. Heute, Montagmorgen, reißt mich mein Wecker um 6:31 Uhr mitten aus meiner Tiefschlafphase. Nach einer gefühlten Ewigkeit habe ich geschnallt, was da meinen so bitter benötigten Schlaf stört. Also habe ich versucht, den Wecker auszumachen. Und dabei habe ich mich so verrenkt, dass mir knapp unterhalb vom rechten Schulterblatt irgendwas in den Rücken gefahren ist. Ach was: Geschossen! Erst dachte ich, ich komm nie wieder aus dem Bett. Aber das wäre ja zu schön gewesen, um wahr zu sein.Also habe ich mich tapfer durch den Tag gekämpft. Zugegeben: Es war nicht ganz so furchtbar, wie es sich im ersten Moment angefühlt hat. Eine heiße Dusche am Morgen bewirkt da schon viel.
Ganz weg war der Schermz dann heute nach Feierabend und Powernap auf der Couch doch noch nicht. Also habe ich kurzerhand beschlossen, mich zu bewegen und so die Verspannung zu lösen oder im Idealfall ganz herauszuschütteln. Ich bin also raus zum Joggen. Und es hat geschüttelt ohne Ende und der schmerzende Punkt hat sich tatsächlich immer weiter nach unten verschieben lassen. Allerdings ist mir die Luft ausgegangen, vor sich das lästige Ziehen am großen Zehen aus meinem Körper hätte verabschieden können. Leider ist mir die Luft sogar sehr viel früher ausgegangen. Jetzt zieht es an der Wirbelsäule, knapp über der Hüfte. Oh Mann.
Immerhin habe ich damit gleich zwei meiner Vorsätze (also alle) für 2014 zumindest heute erfüllt. Joggen war ich – und die letzten 100 Meter (keine Luft mehr…) habe ich dann sogar barfuß gemeistert. Bei dem ganzen Splitt nicht ganz angenehm, aber temperaturtechnisch haben wir alle schon schlimmere 13. Januare erlebt.