Es wird Regen geben

10:16 Uhr

Hausmeister steht gelangweilt auf der Bühne.

Typ kommt von links hinten auf die Bühne. Er trägt einen weißen Anzug mit rotem Hemd, Cowboystiefel, eine Afro-Frisur und goldenen Schmuck an den Armen.

Der Typ setzt sich vor dem Hausmeister auf den Boden.   

Der Typ übergibt sich und nimmt einen Schluck aus einer Flasche Korn.

Typ: „Es wird Regen geben.“

Hausmeister sieht den Typen abschätzig von hinten an.

Stimme des Hausmeisters aus dem Off (Gedanken): „Alter, locker bleiben, mach mal keine Wellen.“

Typ springt auf und zeigt zum Himmel.

Typ: „Von dort wird es kommen.“

Hausmeister sieht ebenfalls zum Himmel.

Hausmeister: „Ich versuch was zu erkennen, doch ich sehe zu verschwommen.“

Typ dreht sich zum Hausmeister um.

Typ: „Du wirst es noch erleben.“

Hausmeister: „Was? Es wird Regen geben?“

Typ nickt und setzt sich wieder hin. Er nimmt einen Schluck aus seiner Flasche.

Hausmeister: „Für heute bin ich raus. Zieh den Regenmantel an, denn es sieht nach Regen aus.“

Hausmeister geht ab.

Typ nimmt einen Schluck aus seiner Flasche.

Es beginnt zu tröpfeln.

Alte Heimat

16:06 Uhr – Dann bin ich jetzt wohl wieder Leutkircher. Gut, der Papierkram ist noch nicht erledigt, aber ich habe meinen festen und einzigen Wohnsitz wieder auf der württembergischen Seite des Allgäus. Dass man es hier aushalten kann, war mir ja schon bekannt. Aber bei diesem überragenden Wetter ist es eh überall schön. Vor lauter Schönwettereuphorie bin ich heute Mittag auch gleich mal mit meinen neuen Laufschuhen für eine kleine Runde in den Wald rein gerannt – und hab mich direkt ordentlich verlaufen. Erst im übernächsten Dorf kam ich wieder aus dem Wald raus – und musste ja auch wieder zurück. Aber bei dem schönen Wetter ja alles gar kein Problem. Und weil’s so schön war, bin ich dann gleich auch noch mit dem Fahrrad zum Einkaufen geradelt. Jetzt muss ich wohl oder übel eine kleine Bewegungspause auf dem Liegestuhl einlegen. Hilft ja nix.

Beim Teutates!

12:14 Uhr – In einer der ältesten Städte Deutschlands zu wohnen, ist nicht schlecht. Genau in dem Gebiet der Stadt zu wohnen, in der tatsächlich auch schon die Römer um die Jahrtausendwende (also die vorvorletzte) gesiedelt haben, ist eigentlich ganz cool. In zwei Jahren kein einziges Mal die Ausgrabungen besucht zu haben, ist zwar typisch, aber absolut untragbar.

Also habe ich das heute Vormittag nachgeholt. Ich bin die 200 Meter rüber zur Taberna spaziert, habe mich von Herkules durch den sehr anschaulichen Tempelbezirk führen lassen, habe in den Steinen auf dem Bolzplatz die Überreste von Forum und Basilika erkannt und abschließend die eher weniger spannenden Überreste der kleinen Thermen besichtigt. Zwei Stunden römische Geschichte direkt vor meiner Haustür. Hätte ich aufs Klo gemusst, ich hätte einfach heimgehen können. Ich musste aber nicht.

Jetzt schaut man sich ja im Laufe seines Lebens öfter mal alte Steine und Ausgrabungen an. Bei mir zumindest war dies meist in irgendwelchen Urlauben in Südeuropa. Und vermutlich weil ich Ausgrabungen mit genau solchen Urlauben verbinde und das Wetter heute schon wieder sehr gut ist, hat sich das Schlendern durch die römischen Hinterlassenschaften (Stichwort: Latrine) sehr nach Urlaub angefühlt. Nur dass sich die Erklärungen auf ordentlichem Deutsch doch leichter lesen lassen, als auf Spanisch, Italienisch oder gar Französisch.

Eine Sache geht mir aber eigentlich immer im Kopf rum, wenn ich Ausgrabungen besichtige. Vorsichtiges Ausgraben und Darstellen der originalen Überbleibsel ist ja schön und gut. Aber es wäre doch viel anschaulicher, das Ganze einfach einigermaßen originalgetreu komplett wieder aufzubauen. Wenn man hier durch eine richtige römische Kleinstadt spazieren könnte, ungefähr so, wie sie vermutlich vor 2.000 Jahren ausgesehen haben mag. Mit allem drum und dran (Stichwort: Latrine) – das fände ich toll, und dann könnte man sich das doch alles viel besser vorstellen.

Darum hoffe ich, dass bald ein archäologisches Umdenken stattfindet. Der gleiche Begehbarkeitsgedanke kommt mir nämlich, wie gesagt, immer wieder, zuletzt in der Medina Azahara und in Rom.

Apropos Rom. Das heute war ja quasi ein kleiner Ausflug in die römische Provinz Rätien. Natürlich habe ich auch fleißig fotografiert. Genau wie bei meiner Reise nach Rom im letzten Frühjahr. Leider sind mir jetzt die Fotos durcheinander geraten. Beim Teutates! Darum ein kleines kulturelles Quiz: Welche der 9 Fotos stammen aus Cambonunum – welche aus Rom?

400 Gipfel21:23 Uhr – Das hat sich heute schon nach einer ganz ordentlichen Frühlingsportion Freiheit angefühlt. Ich war beim Skifahren am Nebelhorn, was bei dem traumhaften Wetter und unter der Woche nicht übel ist. Man könnte beinahe behaupten, dass die Sicht vom Gipfel sogar ziemlich gut war. Gegen Mittag hat die Sonne dann aber etwas übertrieben und dem wenigen Schnee doch reichlich zugesetzt. Also habe ich Feierabend gemacht. Und dann hat das absolut Geniale seinen Lauf genommen: Auf dem Parkplatz bin ich aus den Skischuhen und der Skijacke geschlüpft. Dann aus den dicken warmen Skisocken und der Skihose. Und dann habe ich eine kurze Hose angezogen und bin barfuß und im T-Shirt mit lauter Musik von Manu Chao und meiner grünen Sonnenbrille auf der Nase durchs Allgäu gefahren. Erst Skifahren im Schnee auf 2.000 Metern und ein paar Minuten später Sommergefühle ohne Ende. Wie geil ist das denn?

Geh mit Wurstsalat – aber geh.

20:58 Uhr – Das ist jetzt doch irgendwie schnell gegangen. Sowohl die beiden Jahre als auch die letzten Wochen. Morgen ist mein letzter Arbeitstag bei RSA. Das komische ist, dass es sich noch gar nicht komisch anfühlt. Irgendwie war ich zumindest bis heute noch so im Arbeitstrott drin, dass es mir undenkbar erscheint, damit ab Donnerstag nie wieder etwas zu tun zu haben. Aber ich denke mal, dass ich es spätestens morgen auch begreifen werde. Damit das alles mir und den Kollegen nicht zu sehr auf den Magen schlägt, habe ich eben noch zwei große Schüsseln Wurstsalat gemacht. Könnte vielleicht etwas würzig geworden sein, aber einen faden Abgang hatte ich eigentlich auch nicht geplant.

Wie die Jungfrau zum Oscar kam

Korrespondent

20:55 Uhr – So, da war er also gestern, der große Wahlsonntag. Geplant war, dass ich als Radio-Reporter in Sonthofen bin, dort die Bürgermeister und die Landratswahl verfolge, telefonische Live-Reportagen mache, die aktuellen Hochrechnungen im Auge behalte und Töne mit den Wahlsiegern aufnehme. Da ich in der kommunalpolitischen Materie eigentlich recht fit bin, wäre das ein zwar interessanter, aber recht entspannter Abend geworden. Wäre. Denn der Redakteur von TV Allgäu, unserem befreundeten Fernsehsender, der eigentlich in Sonthofen gewesen wäre, ist kurzfristig krankheitsbedingt ausgefallen. Also habe ich kurzerhand seinen Job und seinen Kameramann übernommen. Und so bin ich an meinem viertletzten Radio-Arbeitstag zu meiner Premiere als Fernseh-Korrespondent gekommen. Zwei Einstiege haben wir aufgenommen – und ich behaupte mal, dass ich das gar nicht mal so schlecht gemacht habe. Natürlich war es etwas ungewohnt, da vor einer Kamera zu stehen. Und wäre ich besser vorbereitet gewesen, hätte ich mich vielleicht sogar noch anständig rasiert und mir nicht ausgerechnet mein CSU-Hemd angezogen. Aber ich bin ja nicht umsonst hauptamtlich beim Radio.

Wie prickelnd: Wahlsieger steht vorzeitig fest

Ahoj11: 21 Uhr – Nachdem ich vorgestern mein Sammelsurium an Wahlwerbung vorgestellt habe, möchte ich heute meinen persönlichen Favoriten küren. Für sein quadratisches Gesamtwerk wird der 32-jährige Stephan Prause von der CSU von mir bei der Stadtratswahl 3 Stimmen erhalten. Ausschlaggebend war der sehr kreative Einfall, als Anspielung auf seinen Nachnamen Prause ein Päckchen Ahoj Brause-Pulver an sein Faltblatt zu tackern. Wenn man bei der Unterscheidung von B und P ein Auge zudrückt, dann, so finde ich, ist das eine super Idee. Herzlichen Glückwunsch. Ich hebe die Prause übrigens noch auf. Ich hoffe nämlich noch auf Last-Minute-Werbegeschenke vom Grünen-Kandidaten Thomas Koslowski…  in diesem Sinne: Brost!

Eine Wahlkampfstudie zur Kommunalwahl in Kempten

20:23 Uhr – Prospekte, Werbung und Anzeigenblätter haben in meinem Briefkasten nichts zu suchen. Allerdings klebt auf meinem Briefkasten der Hinweis, dass Wahlwerbung sehr willkommen ist. Darum haben im aktuellen Kommunalwahlkampf einige schriftliche Werbemittel den Weg zu mir gefunden. Ich habe natürlich alles gesammelt. Nicht nur, weil mich die Inhalte und die Aufmachungen interessieren. Nein. Ich wollte auch sehen, von welcher Gruppierung wie viel kommt. Wenig überraschend: Die CSU stellt mit 62,5 Prozent der Kumulationeingegangenen Wahlwerbung den Bärenanteil. Dann allerdings ein absolutes Armutszeugnis, vielleicht sogar ein Zeugnis der Resignation gegen die Übermächtige christsoziale Konkurrenz: Rein gar nichts von der SPD und den Grünen. Das ist sehr erschreckend, schließlich stellen beide Parteien eigene Oberbürgermeister-Kandidaten. Zweitstärkste Partei in Sachen Werbung in meinem Briefkasten sind die Freien Wähler. Immerhin ein Viertel der Werbebotschaften kam von dieser politischen Gruppe. Trotz Product-Placement für einen amerikanisches Computerunternehmen gefällt mir hier die Aufmachung am besten, wenn ich das einmal bewerten darf. Den dritten Platz auf den Siegertreppchen teilen sich die FDP und die Unabhängigen Bürger / ödp. Beide zeichnen sich für je gute sechs Prozent der Werbematerialien verantwortlich – an Professionalität gibt es hier sicherlich noch Spielraum nach oben. Gerne möchte ich im Folgenden aufdröseln, wer alles an mich gedacht hat. Natürlich nenne ich die großzügigen Versender auch namentlich – nicht aus Gründen der Wahlwerbung, sondern aus Gründen des Dankes. Es ist ja nicht so, dass mein Briefkasten sonst überquillt.

CSU:

Freie Wähler:

FDP:

UB/ödp

Lidl lohnt sich.

spazierspazier20:21 Uhr – Herrlich, dieses Frühlingswetter zurzeit. Weil ich pünktlich von der Arbeit weggekommen bin, habe ich mich für einen kleinen Stadtspaziergang zu Lidl entschieden. Die paar Kilometer zu Fuß in der etwas zu warmen Jacke haben sich dann doch etwas gezogen. Aber ich habe mein Ziel erhobenen Hauptes und frohen Mutes erreicht. Und bei Lidl einen Gürtel gekauft, den ich mir aus dem aktuellen Prospekt ausgesucht hatte. Anschließend per strammem Fußmarsch nach Hause. Dort habe ich natürlich sofort den neu erstandenen Gürtel ausprobiert. Er ist zu lang. Viel zu lang. Die Fastenzeit ist hiermit für mich beendet.

Alter Franzose

11:41 Uhr – Ich bin gerade auf ein Stück Musikgeschichte gestoßen. Zumindest auf ein Stück, dass das Potenzial hat, Musikgeschichte zu schreiben. Es könnte aber mit Blick auf die beiden Nebendarsteller auch sehr gut sein, dass das Stück Bewegtbildgeschichte schreibt. Aber seht selbst.