22:05 Uhr – Natürlich weiß ich, dass Selfies eigentlich schon wieder total out sind. Aber das macht ja nichts.
Saison-Sonett: 15. Spieltag
Herbstmeister
Fußball ist ein Sport für echte Männer:
Da ist Feuer drin und manchmal Blut,
das finden dann alle Fans richtig gut.
Aber doch nicht so, du Schalker Penner!
Was hat sich der Skripnik wohl dabei gedacht?
Schickt einfach mal die halbe A-Jugend aufs Feld,
die die grün-weißen Farben tapfer hoch hält
und nach dem Punkt gegen Hannover Party macht.
Das ist mal wieder so eine Fußballer-Geschichte:
Macht Schieber seinen Ruf als Chancentod zunichte
– ausgerechnet gegen seinen Ex-Club Dortmund.
Paderborn hat gegen Wolfsburg gar nichts zu melden,
nur ihr Torhüter Lukas Kruse wird dort zum Helden.
Und hält sogar noch einen Elfmeter dieser Hund!
HerbstmeisterWikipedia: Herbstmeister or Autumnmeister is a name for a person or team which stands at first place after the first half of the season. This is usually the leader of the highest league. A requirement however, is that the season continues until the summer of the following year. ?
Kate, William & ich waren da. Haben uns aber nicht getroffen.
20:53 Uhr Langstreckenflüge mit Umsteigen in eine andere Zeitzone können sehr anstrengend sein, obwohl man eigentlich nichts macht, außer zu sitzen. Ohne den Rückflug könnte ich aber mit gutem Gewissen behaupten, dass acht Tage in New York City die reinste Entspannung waren. Kein Stress mit Pflicht-Sehenswürdigkeiten, einfach ein bisschen durch die Straßen ziehen und so tun, als ob man dazu gehört. Ich glaube sogar, dass es mir einigermaßen gut gelungen ist, streckenweise als waschechter New Yorker durchzugehen. Gut, in der Bronx und in Harlem vielleicht nicht ganz, aber Manhattan läuft. Ist eigentlich auch ganz einfach: Wer bei Rot an der Ampel wartet, ist ein Touri. Fertig.
In SoHo, Chelsea und im MoMA habe ich mich ein bisschen inspirieren lassen, in Lower Manhattan bin ich ewig für eine heiße Schokolade bei Starbucks angestanden, am Southstreet Seaport habe ich die Dezembersonne genossen, in Midtown habe ich Jeans, Pullover und Hemden mit Sternchen gekauft, mich im Madison Square Garden über amerikanische Sport- und Musikgeschichte informiert und bin in großen Pfützen herum gelatscht, in den Strawberry Fields habe ich den Beatles-Songs eines Straßenmusikers gelauscht, auf der Brooklyn Bridge habe ich mich gewundert, warum ich nicht als einziger auf die Idee kam, darüber zu spazieren, in Brooklyn selbst habe ich mich über die Ruhe gefreut, in Jamaica den Sonnenuntergang bewundert, in der Bronx habe ich einen Zoo ohne Tiere besucht und in Harlem habe ich mich sehr bleich gefühlt, mich dann aber in den Morningside Hights mit einem sehr Schwarzen über das sehr anstrengende Treppensteigen ausgetauscht und anschließend den Campus der Columbia University überquert. Und in Garden City habe ich geschlafen, getratscht, dem Hund den Bauch gekrault und gut gegessen. Und die ganze Zeit habe ich natürlich unendlich viele Selfies gemacht. Das muss man ja heutzutage.
Saison-Sonett: 14. Spieltag
Vorschau
Im Niedersachenderby können die Wölfe
sich endgültig zum Bayernjäger knallen.
Das würde auch Sponsor VW gut gefallen,
vielleicht gibts als Dank getunte Gölfe.
Die Gejagten selbst laden zum Spitzenspiel,
am Samstagabend in die leuchtende Schüssel.
Vielleicht findet Leverkusen ja einen Schlüssel,
ein Punkt in München wär ja schon recht viel.
An Bayer Leverkusen zieht derweil vorbei
der FC Augsburg heimlich auf Platz drei
durch einen knappen Sieg beim FC Kölle.
Auf Schalke ist Huub Stevens eine Art Legende,
drum wird er besucht auf dem Mercedes-Gelände
und kriegt als Geschenkt eins auf die Zwölle.
22:27 Uhr Gut, dass ich mich in Manhattan auskenne, wie in meiner eigenen Westentasche (der von der roten Daunenweste). Und gut, dass ich bei meiner letzten Reise nach New York mit einem strammen Programm so ziemlich alle Sehenswürdigkeiten abgeklappert habe. So kann ich es nämlich ab Donnerstag gemütlich angehen lassen, wenn ich wieder dort bin. Einfach mal so tun, als ob mich das alles nicht mehr beeindrucken könnte, als ob ich ein Kosmopolit der ersten Stunde wäre und als ob die Rush-Hour einer Millionenstadt für mich die Wellness-Oase schlechthin wäre. Und zwar ohne iPod-Stöpsel in den Ohren.
In Wahrheit bin ich aber einfach nur beschissen vorbereitet. Gut, die Flüge sind gebucht (liebe Lufthansa-Piloten, kommt nicht mal auf die Idee ) und die Unterkunft ist gesichert. Aber was ich in New York anstellen werde? Kein Plan. Die amerikanische Fußballliga ist scheinbar in der Winterpause, das entfällt. Um mich nach anderen Sportereignissen umzusehen, hat mir die Zeit bisher gefehlt. Und das soll ja auch so teuer sein in Amerika. Immerhin weiß ich schon genau, in welcher Kneipe ich am späten Vormittag Bundesliga gucken kann. Und am frühen Nachmittag Champions League. Dann habe ich mir fest vorgenommen, mich dieses Mal nicht nur von McDonalds zu ernähren. Amerika-Kenner haben mir nämlich auch die anderen Fastfood-Läden ans Herz gelegt. Und das soll ja auch so günstig sein in Amerika. Vielleicht finde ich auch wieder meine Lieblingsgalerie in Chelsea und kaufe mir endlich ein Bild von Mark Kostabi. Kann ja so teuer nicht sein.
Vielleicht kaufe ich auch kein Bild, sondern kofferweise Jeans. Auch die sollen ja so günstig sein. Oder ich probiere alle Kaffee-Geschmacksrichtungen bei Starbucks durch und fliege dann ohne Flugzeug zurück nach Deutschland und überhole unterwegs noch den Red Bull-Typen. Auf dem Hinflug bin ich aber ja auf jeden Fall noch im Flugzeug (Piloten Warnung!). Vielleicht blättere ich dann doch kurz durch meinen alten, abgegriffenen Reiseführer. Könnte ja sein, dass es in dieser Stadt doch noch irgendetwas gibt, was ich noch nicht gesehen habe. Die Freiheitsstatute zum Beispiel. Die hatte vor zwei Jahren wegen Hochwasser geschlossen.
Vor es in den Urlaub geht, schlägt aber der harte Arbeitsalltag nochmal mit seiner ganzen Gewalt zu: Morgen steht die erste von (mindestens) drei Weihnachtsfeiern beim neuen Arbeitgeber an. Auf gehts.
Saison-Sonett: 13. Spieltag
Huubschrauber
Wer ist denn jetzt die Macht am großen Rhein?,
fragt Mancher vor dem Ex-Ösi-Trainer-Duell.
Die Antwort: Es geht zwar nicht sehr schnell,
aber dann schenkt Bayer dem Effzeh 5 Tore ein.
Huub Stevens ist beim VfB Stuttgart zurück
zum Schwaben-Baden-Derby im Breisgau.
Jeder weiß spätestens nach der Sportschau:
Wie immer neuer Trainer, neues Glück.
Willst du Dortmund oben sehen,
musst du die Tabelle drehen
er war selten so wahr, dieser Satz.
Und DANN ständen ganz ganz unten
die Bayern mit bitteren zehn Punkten
Abstand auf den Relegationsplatz.
Saison-Sonett: 12. Spieltag
Paderzorn
Zu Gast in Stuttgart ist sein Heimatverein,
am letzten Arbeitstag des Armin Veh.
Der hat keine Lust mehr auf den VfB
und packt seine Koffer schon wieder ein.
In München nur vier Gegentore kassieren,
das finden sie eigentlich ganz gut und fein.
Denn keine Punkte will 1899 Hoffenheim,
sondern sich nur nicht extrem blamieren.
Im neuen Westfalen-Derby gewinnt Paderborn
einen Punkt und sehr viel kloppschen Zorn,
denn Bakalorz grätscht Reus ins Sprunggelenk.
Nordduell als Abstiegskrimi: Werder beim HSV,
nun ja, interessiert eigentlich auch keine Sau,
wenigstens gibts ein peinliches Eigentor-Geschenk.
Der letzte Schrei
19:56 Uhr Früher war nicht alles besser. Zum Beispiel in folgender Situation: Acht junge Menschen haben sich nach einer durchtanzten Nacht in einem Augsburger Wohnzimmer versammelt, fast alle auf dem Sofa. Man redet über große Kunst. Das Nachtcafé von van Gogh wird besprochen, die Seerosen von Monet ebenso und auch die blaue Phase von Picasso ist jedem Gesprächsteilnehmer ein Begriff. Dann kommt die Rede auf Der Schrei von Edvard Munch. Das steht im Moma in New York, ist sich einer der Kunstaffinen sicher, schließlich hat er es dort schon bewundert. Falsch, meint ein Anderer. Schließlich hat er das Original ganz sicher in Norwegen bestaunt letzten Sommer. Quatsch, kann ja alles gar nicht sein, zweifelt ein Dritter. Er habe im Kunstunterricht gelernt, dass das Bild geklaut wurde und zwar schon mehrfach. Es hinge vielleicht im Bernsteinzimmer, aber sicher weder in New York noch in Oslo.
Früher hatte das zu Streit und Tränen oder zumindest zu Ratlosigkeit geführt. Heute gibt es Wikipedia und alle können glücklich sein (und Recht haben):
Der Schrei ist der jeweilige Titel von vier nahezu identischen Gemälden des norwegischen Malers Edvard Munch, die zwischen 1893 und 1910 entstanden. Die Temperaversion von 1910 und die Pastellversion von 1893 werden im Munch-Museum Oslo, die Temperaversion von 1893 in der norwegischen Nationalgalerie ausgestellt. Die Pastellversion von 1895 befindet sich in Privatbesitz und wurde vom 24. Oktober 2012 bis zum 29. April 2013 im Museum of Modern Art in New York City gezeigt.
Am 12. Februar 1994 entwendeten Diebe die Temperaversion von 1893 aus der norwegischen Nationalgalerie. Am 22. August 2004 entwendeten maskierte Täter bei einem bewaffneten Raubüberfall auf das Munch-Museum die Temperaversion von 1910. Im Dezember 2006 gab das Munch-Museum bekannt, Der Schrei sei durch die Folgen des Raubes derart zerstört worden, dass eine vollständige Restaurierung nicht möglich sei.
Bei einer Sache kann Wikipedia dann allerdings auch nicht helfen: Nämlich dabei, sich bei absoluter Kunst-Ahnungslosigkeit Bildtitel auszudenken, die so authentisch klingen, dass alle Gesprächsteilnehmer augenblicklich an die Existenz der erfundenen Werke glauben.
Stillleben vor geschlossenem Fenster von Dalí und Bildnis einer ganz normalen Frau von da Vinci sind aber auch echt Meisterwerke.
Saison-Sonett: 11. Spieltag
Traumeigentor
58. Minute, Jantschke spielt auf Kramer im Mittelfeld,
der passt aus 45 Metern auf Torwart Jan Sommer zurück,
doch der rutscht aus, der Ball wird lang, welch Unglück,
und Kramer macht eines der besten Eigentore der Welt.
Dank dieser Kuriosität atmet Dortmund erleichtert aus,
denn selbst bringen die Borussen den Ball nicht rein,
jetzt fahren sie trotzdem mal wieder drei Punkte ein
und sind aus den Abstiegsrängen fürs Erste wieder raus.
Hoffenheim verliert seine erstes Heimspiel, aber wie!
3:3 zur Pause, spät trifft zum Kölner Sieg Olkowski
aus 20 Metern sauber ins Eck welch Freudentanz!
Im Breisgau zeigt sich eine Sache ganz genau:
Egal ob Keller oder di Matteo, bei Königsblau
fehlt es mit jedem Trainer einfach an Konstanz.
Dann klappts auch mit dem Nachbarn
20:30 Uhr Da kommt doch endlich mal zusammen, was einfach zusammen gehört: Gurke und Spülmittel. Leider muss ich zugeben, dass es mir nicht so ganz klar ist, was der Trick dahinter ist. Wenn ich irgendwas nicht mit Frische und Glanz verbinde, dann ist das nämlich ganz eindeutig eine gemeine Salatgurke. Und ich nehme an, dass das vielen potenziellen Käufern so geht. Wenn aber alle potenziellen Käufer genau das machen, was ich gemacht habe, dann wird das Gurken-Spülmittel ein durchschlagender Erfolg. Ich habe zugegriffen und mir das Ding gekauft. Sollte es sich als Flop erweisen, scheidet leider auch eine Alternativnutzung als Gurkenmaske aus: Das Spülmittel verursach laut Warnhinweis schwere Augenreizungen und es wird zum Tragen von Augenschutz geraten. Ein Teufelszeug, wie mir scheint.

