Ravensburg, Hexenkessel

18:07 Uhr – Einen neuen Lebensabschnitt würde ich es vielleicht nicht nennen. Aber ich denke, ich kann durchaus davon sprechen, ein neues Kapitel aufzuschlagen: Neuer Job, neue Stadt, neue Wohnung. Wie die allermeisten vermutlich schon wissen, bin ich bei Schwäbisch Media in Ravensburg gelandet. Morgen, am 1. August, geht’s los. Ich bin gespannt.

Heute bin ich quasi umgezogen, hierher nach Ravensburg. Da die Einzimmerwohnung möbliert ist und ich am Samstag ohnehin nochmal nach Leutkirch fahre, hat sich der Aufwand allerdings noch in Grenzen gehalten. Trotzdem habe ich gefühlt mehrere Stunden lang Spinnen eingesaugt (sorry!) – die fühlen sich in einer seit längerem unbewohnten Kellerwohnung offensichtlich recht wohl.

Jetzt geh ich mal noch meinen neuen Vermietern hallo sagen, damit die wissen, dass ich da bin. Und anschließend lauf ich den Weg zu meinem Arbeitsplatz mit der Stoppuhr ab, damit ich genau weiß, wann ich morgen früh los muss. Wäre ja unerhört, wenn ich eine Minute zu früh aufstehen würde.

15:56 Uhr – Die Fußball-Weltmeisterschaft liegt sein ein paar Wochen hinter uns, Deutschland ist Weltmeister und natürlich haben auch die deutschen Spieler dem Wettbewerb dementsprechend Ihren Stempel aufgedrückt. Vergessen sollte man aber auch nicht die (sportlich vielleicht weniger auffälligen) Spieler, die der WM zumindest mit ihrem Namen zum ganz großen Glanz verholfen haben:

  • Egàlwo Hintri?
  • Dagotmir de Huathoch
  • Messer Imsackov
  • Nemme-Alle Latte am Hagh
  • André Marschruth
  • Unde Rumacha
  • Honit Glada
  • Faxe zum Wølen
  • Beer Brouwer
  • Dustwi N’Wallach
  • Grillkôl Briquett
  • Oman Reg Diab
  • Kai Pirinha
  • Voršzá la Tàromá
  • Hao ab-Do
  • Ikami Di-Shao
  • Aguathe Grundlåg
  • Denhoshi Dimkreits

Habe ich wen vergessen? Wer war euer Lieblingsspieler?

 

10:03 Uhr – Ausgedehnte fünf Tage auf dem Kinderfest mit allem was dazu gehört haben mir doch etwas den Tag-Nacht-Rhythmus verhagelt. So kam es, dass ich heute Nacht eigentlich kein Auge zu bekommen haben sondern Wachträume von diversen Blasmusikkapellen und Alleinunterhaltern ausgestanden habe. Es war natürlich auch leichtsinnig, schon weit vor dem Morgengrauen unter die Bettdecke zu schlüpfen. Als Ergebnis bin ich jetzt schon den kompletten Vormittag todmüde, schlecht gelaunt und verknittert. Beziehungsweise: ich war es. Denn zum Glück kam gestern aus der aktuellen Ausgabe der 11FREUNDE ein Päckchen von Loreal voller ultraerfrischendem Feuchtigkeitszeug für Männer. Das hab ich mir natürlich gleich mal in den ultraharten Dreitagebart geschmiert und ich muss sagen: Noch höchstens eine komplette Flasche von dem Stoff und ich kann wieder unter die Lebenden.

16:36 Uhr – Ja, die Deutschen Fußballer sind gerannt, haben geackert, sind körperlich an ihre Grenzen gegangen und haben die ein oder andere Hitzeschlacht geschlagen. Als Belohnung gibt es neben einer finanziellen Aufputschspritze auch einen goldenen Pokal, goldene Medaillen und viel Ruhm und Ehre.

Aber auch ich habe in den vergangenen vier Wochen einiges geleistet:

  • 56 Fußballspiele im Fernsehen angesehen, darunter in der Vorrunde Spiele mit schlafraubenden Anstoßzeiten.
  • Nur 8 Spiele der WM nicht live gesehen. Das waren die jeweiligen Parallelspiele am 3. Vorrundenspieltag. Sprich: Keine übertragene WM-Minute verpasst.
  • 8 Mal mit den Mannschaften in die Verlängerung gegangen, auch bei höhepunktlosen Kickereien wie denen zwischen Argentinien und Holland.
  • 4 Elfmeterschießen mitgezittert.

Das macht insgesamt 88 Stunden Live-Fußball (3,7 Tage), ohne die Nachspielzeit und die Elfmeterschießen mit einzurechnen. Als kleines WM-Fazit muss ich also feststellen: Ich fühle mich schon auch ein bisschen weltmeisterlich.

 

Graue Theorie: Hopp Süddeutschschweizland

DCH Flagge13:55 Uhr – Bayern und Baden-Württemberg passen laut einer aktuellen Untersuchung der OECD viel besser zur Schweiz als zu den restlichen deutschen Bundesländern: „Süddeutschland hat nicht nur wirtschaftlich, sondern auch in puncto Sicherheit mehr mit Schweizer Kantonen gemein als mit den neuen Bundesländern oder der norddeutschen Küste.“ Das hat die süddeutsche Tagespresse natürlich zum Anlass genommen, mal nachzurechnen, wie gut das denn tatsächlich passen würde. Wenig überraschend würde das neue Land aus Schweiz, Bayern und Baden-Württemberg wirtschaftlich plötzlich auf einer Ebene mit dem restlichen Deutschland stehen. Rund 31 Millionen Einwohner hätte der neue Staat (Restdeutschland blieben immerhin noch rund 57 Millionen – NRW sei Dank), auf Hymne, Flagge, Staatsoberhaupt und Hauptstadt müsste man sich natürlich einigen. Aber das ist ja zunächst alles zweitrangig. Zuerst muss das Wesentliche betrachtet werden: Der Fußball. Die FIFA-Hauptstadt Zürich läge schon mal im Hoheitsgebiet, mit Vereinen wie dem FC Bayern, dem SC Freiburg, dem FC Augsburg, der TSG Hoffenheim oder dem VfB Stuttgart würde die bestehende Schweizer Liga definitiv attraktiver. Und auch Clubs wie Nürnberg, Fürth, Karlsruhe oder 1860 München hätten vielleicht bald wieder eine Chance auf Erstligafußball. Noch spannender ist natürlich die Frage nach einer schlagkräftigen Nationalmannschaft (selbstverständlich trainiert vom Deutschschweizer Ottmar Hitzfeld). Ich habe mir mal erlaubt, eine meiner Meinung nach schlagkräftige Elf aufzustellen, die nur aus Schweizern, Bayern und Baden-Württembergern besteht. Wegen Befangenheit habe ich mich selbst raus gelassen.

DCH

Nun, im Tor finde ich es schwierig, eine Nummer 1 zu finden, darum habe ich mich für den einen WM-Stammtorwart im Kader entschieden. Die Stamm-Abwehr stellt sich quasi von alleine auf, äußerst erfreulich ist, dass (mit Philipp Lahm auf der rechten Abwehrseite) die traditionellen deutschen Außenverteidigerprobleme auf einen Schlag gelöst wären. Von Lahm abgesehen wäre das vor allem eine richtige junge Abwehrreihe. Im defensiven Mittelfeld gibt es auch in diesem Team und trotz Lahm in der Abwehr einen Härtefall zwischen Khedira und Schweinsteiger. Man hat’s nicht leicht als Bundesnatitrainer. Bei einer Aufstellung mit Khedira und Inler scharren die wohl gleichwertigen Schweinsteiger und Behrami mit den Hufen, mit Lars Bender steht noch ein richtig gute Alternative zur Verfügung, die zur Not auch Rechtsverteidiger Lahm ersetzen kann. Die offensive Mittelfeldreihe kommt komplett vom FC Bayern: Shaqiri, Götze, Müller – das hätte schon was. Die Bank kommt vielleicht nicht ganz an die Qualität ran, aber wer will sich über Leute wie Hofmann oder Dzemaili als Joker beschweren? Als einzige Sturmspitze habe ich mich für einen Spieler entschieden, der bei der WM nicht dabei ist: Kevin Volland. Den könnte man aber wohl fast gleichwertig durch Josip Drimic ersetzten.

Für die Schweiz wäre der Kader sicherlich ein Sprung nach vorne, klar, wenn ein paar gute Süddeutsche dazukommen. Wie ein Kräftemessen der Schweizer-Süddeutschen und der Restdeutschen (Neuer – Höwedes, Hummels, Mertesacker, Boateng – Kramer, Kroos – Podolski, Özil, Schürrle – Klose) ausgehen würde, will ich allerdings nicht voraussagen. Könnte eine enge Kiste werden.

Tor
1 Diego Benaglio (CH)
12 Bernd Leno (Bietigheim-Bissingen/BW)
23 Yann Sommer (CH)

Abwehr
5 Matthias Ginter (Freiburg/BW)
16 Philipp Lahm (München/BY)
4 Fabian Schär (CH)
19 Johan Djourou (CH)
20 Philippe Senderos (CH)
2 Ricardo Rodríguez (CH)
3 Stephan Lichtsteiner (CH)

Mittelfeld
10 Mario Götze (Memmingen/BY)
6 Sami Khedira (Stuttgart/BW)
13 Thomas Müller (Weilheim/BY)
7 Bastian Schweinsteiger (Kolbermoor/BY)
18 Lars Bender (Rosenheim/BY)
17 Jonas Hofmann (Heidelberg/BW)
15 Valon Behrami (CH)
8 Gökhan Inler (CH)
14 Blerim Dzemaili (CH)
22 Xherdan Shaqiri (CH)

Sturm
11 Kevin Volland (Marktoberdorf/BY)
21 Admir Mehmedi (CH)
9 Josip Drmic (CH)

Bald geht's los!

17:03 Uhr – Von mir aus kann’s losgehen, ich wär nämlich soweit. Der WM-Spielplan im A2-Format ist auf einem großen Bogen Pappe aufgeklebt, damit er keine Eselsohren bekommt und man die Ergebnisse gut eintragen kann. Eine Brasilienkarte mit Übersicht der Spielorte liegt bereit. Der erste Spieltag im Tippspiel ist getippt. Die chronologische Übersicht der TV-Übertragungen liegt auf dem Wohnzimmertisch. Die überdimensionale Deutschlandflagge hängt am Giebel. Mein selbstgemachtes WM-Quartett ist ausgedruckt und ausgeschnitten – also spielbereit (Das Quartett zum selber drucken und schneiden gibt’s hier als Download). Deutschland-Trommel und -Hut sind einsatzbereit. Wie der Zufall es will, kam eben aus der Milchschnittepackung auch noch ein Deutschland-Armband. Blöd nur, dass Brasilien und Kroatien erst in knapp 5 Stunden aufs Feld marschieren. Und dann wird es ohnehin gleich eine heikle Angelegenheit für mich. Denn eigentlich bin ich natürlich für den Außenseiter. Aber mit kroatischen Fußballern konnte ich eigentlich auch noch nie was anfangen. Für wen soll man da sein? 3:3 wär für mich okay. Aber eigentlich ist es auch egal. Hauptsache es geht bald los. Ich wär nämlich soweit.

Begegnungen im Wasser

Und plötzlich ist er weg. Abgetaucht. Vom See verschluckt.

10:59 Uhr – Noch vor wenigen Sekunden hast du überlegt, wie du ihm aus dem Weg gehen kannst, eine sichere Kollision vermeiden. Du bist in Richtung der Leiter am Ufer geschwommen, er parallel zum Ufer. Eure Züge hätten sich zwangläufig gekreuzt.

Doch plötzlich war er weg. Und er taucht nicht mehr auf.

Das trübe Seewasser um dich herum fühlt sich auf einen Schlag viel kälter an, erst jetzt fallen dir die Wellen auf, die der Wind an die Wasseroberfläche bläst. Der Himmel zieht mit einem Mal zu, dunkle Wolken stehen jetzt über dem Gewässer. Leichte Panik kommt in dir auf. Er ist abgetaucht und seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr an der Oberfläche erschienen. Du hast keine Angst, dass er ertrunken sein könnte. Nein. Vielmehr bedrückt dich der Gedanke, dass er auf dich zu taucht. Sich im Schutz des trüben Wassers schnell nähert. Dass er dich von unten angreift. Du stellst deine Schwimmbewegungen ein und fuchtelst mit den Armen wild unter deinem Körper. Erkennen kannst du in der Tiefe nichts, aber einen möglichen Angriff kannst du vielleicht mit deinen Armen abwehren.

Doch es passiert nichts.

Kein Angriff, kein Auftauchen.

Du erreichst die rettende Leiter und ziehst dich mit letzten Kräften ans sichere Ufer. Leichter Wind auf deiner nassen Haut. Keine Sonne. Nur Kälte. Dein Puls rast, dein Herz klopft. Das kommt vom kalten Wasser, redest du dir ein. Dein Blick sucht den See ab. Die Oberfläche sieht jetzt ruhig und eben aus.

Dann hörst du ein hämisches Schnarren.

Und Niveau ist halt doch eine Handcreme

17:51 Uhr – Okay, die kulturelle Vielfalt bei Veranstaltungen ist in einem ländlichen Raum wie dem württembergischen Allgäu vielleicht nicht unbedingt zu erwarten. Aber wohin die Wochenendbespaßung der jungen Bevölkerung hier immer mehr abdriftet, ist schon erstaunlich bis besorgniserregend. Ich bin mir sicher, dass Viele beispielsweise bei einer ganz besonderen Party am morgigen Abend einen Heidenspaß haben werden. Trotzdem bin ich mir nicht sicher, ob ich Veranstaltungen für gut heißen soll, die mit solchen Höhepunkten locken:

>>> Specials <<<
? Ficken Welcome-Shot für alle über 18
? Ficken Promoteam mit eigenem Stand
? Heiße Gogo – Tänzerinnen
? LED Roboter mit eigener Show

>>> Getränke Specials <<<
? Ficken auf Koks
? Moloko, die Alternative zu Energy Drinks
? Hugo / verschiedene Fruchtsekte
? Leibinger Fassbrause Lemon/Birne
? Leckere Cocktails in verschiedenen Sorten mit und ohne Alkohol

Ein Ficken Welcome-Shot schmeckt auf jeden Fall alles andere als gut und wäre für mich höchstens in der Kombination mit drei Willkommensbier erträglich. Auch die wohl als komisch eingeschätzte Marketingstrategie mit der Frage nach dem „Ficken?“ dürfte inzwischen im letzten Dörfchen angekommen und hoffentlich verpufft sein. Vermutlich gibt es aber an der Bar für die Dame von heute auch „Kalte Muschi“ (ehemals bekannt als „Korea“). Dass besagtes zuckersüßtes Likörgetränk Ficken sogar mit einem ganzen Promoteam samt eigenem Stand anreist hört sich nach blankem Horror an. Schreit nach systematischem Abfüllen der minderjährigen weiblichen Landbevölkerung oder nach ziemlich aufdringlichen Promo-Mädels. Beides Geschmackssache. Apropos Geschmackssache. Beim Thema „heiße Gogo-Tänzerinnen“ muss die Lokalität der Veranstaltung erwähnt werden: Freigelände am Reitplatz Urlau. Genug zur voraussichtlichen Qualität der Tänzerinnen gesagt. Wäre jetzt August, würde ich fast noch auf einen Miss-Wet-T-Shirt-Contest tippen (aka „wir suchen die besoffenste dicke Partybesucherin“). Mit den vielen Mädels sind die männlichen Gäste also befriedigt. Sollte man meinen, dass nun was für die Damen kommt. Ein LED Roboter mit eigener Show hört sich für mich aber schon wieder eher nach so einem Männerding an. Was auch immer das verrücktes sein mag – man stelle sich noch vor, das Ding wäre auch noch ein Produkt der Fendt-Forschung. Nicht auszumalen.

Obwohl es sich bei den normalen Specials schon zur Hälfte um Alkohol handelt, dürfen natürlich Getränke Specials trotzdem nicht fehlen. „Ficken auf Koks“ ist ein nettes Drogen-Geschlechtsverkehr-Wortspiel, auf das die Jugend rund um Urlau sicher anspringen wird. Endlich mal Koks statt Schnupftabak. Das Getränk, so könnte ich mir vorstellen, könnte eine Mischung aus Kokosmilch beziehungsweise Piña Colada und besagtem johannisbeerlikörähnlichen Ficken sein. Wenn das mal keinen Zuckerschock gibt. Aber vermutlich eher doch nicht, denn in Abwandlung der erwiesenen Behauptung „Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht“ wird wohl der Umsatz an der Colaweizeninsel allen Getränkespecials zu trotz wieder rekordverdächtig sein. Klar, dass auch ein szeniger, überteuerter Energiedrink mit im Angebot sein muss. Moloko also. Von mir aus. Hugo, verschiedene Fruchtsekte und Leibinger Fassbrause. Ich weiß ja nicht, wer sowas trinkt, aber man kann es ja mal anbieten. Bayer will ja auch weiterhin Aspirin verkaufen. Das mit den alkoholfreien Cocktails ist natürlich auch ein netter Versuch. Aber nochmal zur Erinnerung: Veranstaltungsort ist der Reitplatz in Urlau. Is klar, ne?

Nun gut, ich bin mir immerhin ziemlich sicher, dass es auch stinknormales Bier gibt. Selbst wenn ich dann ein solches in der Hand halten sollte – wohltemperiert und feinherb im Abgang – sind die angekündigten Musikrichtungen (House, Electro, Dirty Dutch, EDM, Progressive, Dance, Charts, Hip Hop, RNB und Black) nicht unbedingt meins. Aber da sind die Geschmäcker ja bekanntlich auch verschieden, und wer weiß, das ganz junge zahlungsfähige Publikum wippt dazu vielleicht sogar im Takt. Genau so stark eben, dass der „Ficken auf Koks“ nicht überschwappt. Oder halt doch der Colaweizen.

So, jetzt aber Spaß bei Seite. Ich gebe zu, im soeben gelesenen Kommentar zur „1. Leutkircher Partynacht“ schwingt vielleicht eine etwas negative Grundhaltung gegenüber der Veranstaltung mit. Das tut mir leid. Darum lasst uns dem Spektakel eine Chance geben. Lasst uns frohen Mutes dort hingehen, die Urlauer Nacht zum Tage machen und jede Menge Spaß auf dem Reitplatz haben. Also schnell die Facebook-Veranstaltung anklicken und euer Kommen ankündigen. Simon is going!

(Anmelden kann man sich ja mal. Zur Not können wir ja klangheimlich auf ein stinknormales Bier in eine innerstädtische Kneipe gehen. Aber hey: pssst!)

Erfrischung mit Schweizer Akzent

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13:21 Uhr – Wenn es seit Stunden unaufhörlich herniederprasselt wie einst am 4. Juli 1954 in Bern, dann ist es besonders angenehm, sich an den kurzen Ausflug nach Zürich am letzten Wochenende zu erinnern. Da war nämlich durchgängig allerfeinstes Sommerwetter. So sommerlich, dass wir nach einer Mittagspause bei Rivella und frischem Obst ziemlich bald in einer äußerst malerischen und am Wasser gelegenen Lokalität beim ein oder anderen kühlen Quöllfrisch verhockt sind. Genaugenommen solange, dass es sich dann auch nicht mehr gelohnt hätte, nochmal in unser Domizil zurückzukehren. Aber was soll’s, bei allerfeinstem Sommerwetter kann man auch mal eine schweizer Nacht im T-Shirt verbringen und das als Grillgut geplante Knoblauchsteak am Sonntag zum Frühstück vernaschen. Schön war’s! Lecker isch’s gsi!

 

14:15 Uhr – Es ist ein Wettkampf gegen die Uhr. Ich sitze jetzt tatsächlich mit meinem Laptop im Fernbus von Memmingen nach Zürich, und tatsächlich gibt es hier auch WLAN. Allerdings wohl nur in Deutschland. Und Von Memmingen aus ist man bekanntlich ziemlich bald in Österreich, ich muss mich also sputen. Übrigens reise ich erst zum zweiten Mal innerhalb von Deutschland mit dem Fernbus, die Premiere war vor einigen Jahren eine Fahrt nach Berlin. Damals war das noch die Ausnahme, ansonsten war ja gesetzliches Zugfahren angesagt. Nun also mal wieder im Reisebus auf deutscher Autobahn. Und das Prozedere hier gefällt mir sehr gut. Die Deutschen sind halt noch um ihre Busfahrgäste bemüht, nicht wie in anderen Ländern, in denen die Bevölkerung das schon kennt. Hier gibt es extra eine Dame am Abfahr-Steig, die die Fahrgäste einsammelt. In Spanien, wo Busfahren weitaus häufiger aber weniger gut organisiert ist, gibt es sowas nicht. Dann heißt es selber den richtigen Bus suchen. Hier wäre das sicher auch ohne Hilfe machbar gewesen. Schließlich gibt es am Allgäu Airport Memmingen nur eine Bushaltestelle. Ausfahrt Aitrach. Die Schweizer Grenze näherte sich unaufhaltsam. Das heißt, dass ich langsam anfangen muss, meinen Saitenwurst- und Debrezinervorrat aufzuessen. Die zulässige Fleischmenge zur Einfuhr in die Schweiz lagert nämlich bereits in Form von 520 Gramm Knoblauchsteak in meinem Rucksack. Und es wäre ja zu schade, wenn die Eidgenossen mich wegen einem Paar Saiten und einem Zungenwurstwecken nicht einreisen lassen würden.