Begegnungen im Wasser

Und plötzlich ist er weg. Abgetaucht. Vom See verschluckt.

10:59 Uhr – Noch vor wenigen Sekunden hast du überlegt, wie du ihm aus dem Weg gehen kannst, eine sichere Kollision vermeiden. Du bist in Richtung der Leiter am Ufer geschwommen, er parallel zum Ufer. Eure Züge hätten sich zwangläufig gekreuzt.

Doch plötzlich war er weg. Und er taucht nicht mehr auf.

Das trübe Seewasser um dich herum fühlt sich auf einen Schlag viel kälter an, erst jetzt fallen dir die Wellen auf, die der Wind an die Wasseroberfläche bläst. Der Himmel zieht mit einem Mal zu, dunkle Wolken stehen jetzt über dem Gewässer. Leichte Panik kommt in dir auf. Er ist abgetaucht und seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr an der Oberfläche erschienen. Du hast keine Angst, dass er ertrunken sein könnte. Nein. Vielmehr bedrückt dich der Gedanke, dass er auf dich zu taucht. Sich im Schutz des trüben Wassers schnell nähert. Dass er dich von unten angreift. Du stellst deine Schwimmbewegungen ein und fuchtelst mit den Armen wild unter deinem Körper. Erkennen kannst du in der Tiefe nichts, aber einen möglichen Angriff kannst du vielleicht mit deinen Armen abwehren.

Doch es passiert nichts.

Kein Angriff, kein Auftauchen.

Du erreichst die rettende Leiter und ziehst dich mit letzten Kräften ans sichere Ufer. Leichter Wind auf deiner nassen Haut. Keine Sonne. Nur Kälte. Dein Puls rast, dein Herz klopft. Das kommt vom kalten Wasser, redest du dir ein. Dein Blick sucht den See ab. Die Oberfläche sieht jetzt ruhig und eben aus.

Dann hörst du ein hämisches Schnarren.

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