Der Sinn des Schwebens

21:28 Uhr – Warum bezahlen wir acht Euro Eintritt und danach drei Euro für ein kleines Bier, wenn wir in der Eckkneipe auch ein großes Bier für zwei Euro bekommen könnten? Warum geben wir unsere Jacke gegen Bezahlung an einer bewachten Garderobe ab, wenn wir sie auch einfach über die Stuhllehne in unserer Lieblingsbar legen könnten? Warum geben wir Unsummen für Mischungen aus Eiswürfeln, billigem Kartoffelschnaps und österreichischer Taurinbrause mit schwarzen Strohhalmen aus, wenn wir auf einer Parkbank auch einfach ein lauwarmes Bier aus der Flasche trinken könnten? Warum hören wir uns stundenlang laute und unerträglich schlechte Mainstreammusik an, wenn wir auch am Lagerfeuer den Klängen einer verstimmten Gitarre lauschen könnten? Warum schweigen wir uns eine Ewigkeit lang auf einer klebrigen Tanzfläche an, wenn wir auch bei gedämpfter Hintergrundmusik gute Gespräche führen könnten? Warum verbringen wir die ganze Nacht ein einem fensterlosen Gebäude, wenn wir den Sonnenaufgang auch am Ufer eines Sees erleben könnten? Warum verbringen wir Stunden damit, auf dem Weg zwischen Bar, Klo und Raucherbereich nach bekannten Gesichtern zu suchen, wenn wir uns auch über ein neues Gesicht zwischen vielen altbekannten freuen könnten? Warum machen wir all das, wenn wir doch eigentlich alt genug wären, um es besser zu wissen? Weil wir immer noch hoffen, dass es dieses Mal ja doch anders sein könnte.

Victorias Secret

19:56 Uhr – Dass ich mal in David Beckham-Unterwäsche rumlauf – das hätte ich bis vor wenigen Stunden auch nicht geglaubt. Aber es kam so: Eigentlich wollte ich mir Sommerschuhe kaufen. Auf dem Weg zum Schuhgeschäft bin ich beim H&M vorbei kommen und hab dort noch auf einen Sprung reingeschaut. Eigentlich hab ich nichts gefunden – bis ich an diesen Wühltisch vor der Kasse geraten bin. Dort gab es Boxershorts aus der David Beckham-Edition für drei Euro. Das ist schon ein Kampfpreis. Da ist es mir dann sogar egal, dass jetzt oben am Bündchen zentral nicht mehr tcm sondern David Beckham steht. Klar, Zinedine Zidane oder Carsten Janker (dazu ein Zitat von Bild.de: Zwar fehlt Götze beim großen Guradiola-Auftakt, doch seinen Rückennummer für die kommende Spielzeit steht schon fest. Der Jungstar wird bei den Bayern die 19 tragen und wandelt damit auf den Spuren von Ex-Stürmer Carsten Jancker (38).) wären mir lieber, aber bei drei Euro will man nicht mehr wählerisch sein. Und auf dem Weg nach Hause ist mir dann auch noch folgendes eingefallen: Wie schaut wohl die gute Victoria aus der Wäsche, wenn sie fremdgeht und ihr Lover den Namen ihres Ehemanns auf der Buchse trägt? Übrigens: Schuhe hab ich mir auch gekauft. Da gab’s leider keine für drei Euro. Nicht mal aus der Jens Jeremies-Kollektion.

Freitag am Montag. Ist dann morgen Donnerstag oder Samstag?

15:11 Uhr – So ein freier Tag ist einfach was Feines. Weil ich im letzten Jahr die ein oder andere Überstunde angesammelt hab, bin ich heute und morgen zum Daheimbleiben verdonnert. Nun, es gibt schlimmeres. Natürlich hätte ich mir zwei herrliche Schönwettertage mit kühlen Getränken auf der sonnigen Freibadwiese vorgestellt. Aber jetzt regnet’s halt. Was soll’s, das hat auch seine guten Seiten. Nachdem das Wochenende schon äußerst entspannend war (Feierabend-Pils mit Blick auf Schafweide!) kann ich heute endlich das ein oder andere anpacken, was schon länger auf mich gewartet hat. Und wie viel man da gleich fertig bringt, wenn man nicht neun Stunden am Tag im Büro vertrödelt. Jetzt ist viertel nach drei und ich hab schon fast alles geschafft, was ich heute schaffen wollte. Inklusive Fischbrötchen auf dem Leutkircher Wochenmarkt.

Das mit dem Fertigbringen war jetzt die gute Seite des schlechten Wetters. Aber jetzt könnte es ruhig mal ein kleines bisschen trocken werden, denn gutes Wetter könnte mich ja von keinen dringenden Verpflichtungen mehr abhalten. Und dann könnte ich noch ein bisschen an die frische Luft. Wenn ich mich an meinen freien Tagen nämlich auch noch bewegen würde… ich will gar nicht dran denken!

Gewitter?!

20:59 Uhr – Freunde, ich warte. Wo bleibt jetzt dieses Hitzegewitter? Ein bisschen frische Luft wäre mir nämlich echt recht. Die in meiner Wohnung könnte man nämlich zerschneiden – wenn man ein scharfgenuges Messer hätte. Lüften geht aber nicht, weil es draußen auch noch über 30°C hat. Und ich habe schon die letzten Nächte kaum geschlafen, langsam wär’s mal wieder äußerst angenehm. Aber immerhin wird es nicht ewig so weiter gehen: Am Wochenende ist ja Southside Festival. Und da regnet’s dann bestimmt.

Nobler Mix

16:57 Uhr – Es ist jetzt schon 16:59 Uhr, weil ich die letzten zwei Minuten nicht tippen konnte. Ich musste mir nämlich Nüsschen aus meiner „Nobler Mix“ (Cashewkerne, Cranberries, Haselnusskerne, Mandelkerne, Paranusskerne und Walnusskerne) in den Mund stopfen. Beim Checken der Zutaten bin ich jetzt genau in diesem Moment auch auf die Nährwertangaben gestoßen. Mannometer. Vielleicht muss ich gleich nochmal eine Schreibpause einlegen und mich über die Kloschüssel hängen…

Aber so Nüsse sind einfach ein toller Sommersnack. Ich sitze nämlich gerade in meiner knallorangenen Badehosen und mit meiner neongrünen Sonnenbrille auf der Nase unter meinem rot-gelb-blau-grünen Sonnenschirm auf meinem graubraunen Balkon. Schön hier. Hinter mir dorrt mein Kräuterbeet vor sich hin. Das hat schon fast was von Sommer. Wobei der Bildschirm vom Laptop auch ganz schön spiegelt. Ich mache also grad eigentlich einen Cam-Chat mit mir selbst.

Die machen da doch irgendeinen Geschmacksverstärker in die Nüsschen rein, damit man süchtig wird und nicht mehr von dem Zeug wegkommt, oder? Also die Packung ist gleich leer. Und ich hoffe inständig, dass die Cranberries die ganzen Kalorien haben. Auf die könnt ich nämlich verzichten. Gummibärchen rein stattdessen wär lecker.

Hallo Sommer

19:02 Uhr – Endlich kehrt hier mal ein Hauch von Sommer ein. Ich glaube es hat jetzt schon seit 24 Stunden nicht mehr geregnet. Außerdem ist schon Donnerstagabend und damit die Woche so gut wie geschafft. Darum habe ich heute zur Feier des Tages gegrillt. Okay, gegrillt ist nicht ganz richtig. In der Pfanne gegrillt. Aber sonst war alles perfekt: Lauwarme Antipasti, schmackhafter Krautsalat, zweierlei rauchige Grillsaucen, zwei würzige Steaks, ein kräutriger Grillkäse und ein eiskaltes Radler. Das alles auf meinem sonnigen Balkon – so schmeckt der Sommer.

Sportfernsehen

21:00 Uhr – Freunde, es wird ernst. Um beim Triathlon die letzten Sekunden beim Umziehen reinzuholen, habe ich mir heute noch schnell beim Ingo, meinem persönlichen Triathlon-Ausstatter, eine Triathlon-Hose geholt. Mit der kann man Schwimmen, Radeln und Laufen ohne Umziehen. Kurz darauf habe ich mich gefragt, warum um alles in der Welt ich mir bei einer Unwetterwarnung, acht Grad und starkem Regen in der Wettervorhersage eine kurze Hose gekauft habe. Aber ist ja egal. Eben habe ich die Hose dann unter Wettkampfbedingungen getestet: Unter der heißen Dusche. Scheint zu passen, aber unter schnelltrocknend hätte ich mir durchaus etwas Trockeneres vorgestellt. Das wiederum ist ja auch egal, denn nass wird’s am Sonntag ohnehin.

Weil mein letzter Fernsehauftritt schon so schön war, kam das Fernsehteam übrigens diese Woche nochmal vorbei. Das einmal mehr überaus beeindruckende Ergebnis will ich euch nicht vorenthalten: (ab Minute 23:45)

Übermorgen gilt’s dann also in Lindau, schon morgen reisen wir an, um an der Pasta-Party teilzunehmen. Ich würde vorschlagen, dass ihr hier euren Tipp abgebt, wie schnell ich den Triathlon hinter mich bringe. 200 Meter schwimmen, 7 Kilometer radeln und 2,5 Kilometer laufen. Alles relativ eben, nur beim Schwimmen gibt es einige Höhenmeter zu bewältigen. Zeiten unter 15 Minuten dürfen nicht getippt werden. Von allen, deren getippte Zeit ich unterbiete, bekomme ich beim nächsten Treffen ein isotonisches  Getränk. Top, die Wette gilt.

Irische Ochsenbacken auf karamellisierten Urkarotten

17:34 Uhr – Okay, ich bin vielleicht nur der Presse-Fuzzi. Aber das ist mir egal. Heute Abend zieh ich mir trotzdem meinen Anzug an und geh lecker und schick essen. Und zwar zum Gala-Abend der Spitzengastronomie. Die Spitzengastronome haben nämlich heute den Tag über in Kempten den Europameister im Fußball ausgespielt. Und heut Abend gibt’s die Siegprämien in Form von leckeren Häppchen. Ich will meine Vorfreude über das anstehende Menü gerne mit euch teilen und sage nur:

  • Sektempfang und Fingerfood.
  • Marinierter Wildkräutersalat mit lauwarmen Sous Vide, gegartem Bachsaibling, Keta Kaviar und Basilikumpesto.
  • Cappuccino von der Tomatenessenz mit Perle con Prosciutto und Tasmanischem Bergpfeffer.
  • Irische Ochsenbacken auf karamellisierten Urkarotten mit Kartoffelschaum und Süßkartoffelchip.
  • Piemonteser Haselnussmouse auf Mangocarpaccio und Sauerrahm-Limetteneis.

"Oh mann du."

20:09 Uhr – Am frühen Sonntagabend eine SMS mit dem Inhalt „Oh mann du.“ zu bekommen, lässt ja so viele Möglichkeiten für Spekulationen. Ich habe mir mal überlegt, was diese drei kurzen, aber prägnanten Wörter bedeuten könnten:

  • „Die falsche Mannschaft hat das Champions League-Finale gewonnen.“
  • „Mein Wochenende war phantastisch.“
  • „Mein Wochenende war anstrengend.“
  • „Mein Wochenende war scheiße.“
  • „Ich war am Wochenende auf einer Hütte und hatte ausversehen eine Kiste Erdinger alkoholfrei dabei.“
  • „Ich war am Wochenende auf einer Hütte und dort haben sich Mitglieder einer bestimmten Familie mal wieder sowas von daneben benommen. Grad gut wars.“
  • „Das Wetter ist derzeit nicht nach meinem Geschmack.“
  • „Ich habe gerade eben gelesen, dass der Hamburger SV angeblich den Sportdirektor meines Lieblingsvereins verpflichten will.“
  • „Ich sitze gerade im Zug und mir ist langweilig. Ich weiß zwar nicht, was ich dir mitteilen könnte, hoffe aber, dass du trotzdem zurückschreibst und mich mit deiner Antwort für wenige Sekunden ablenkst.“
  • „Mein ultramodernes Smartphone hat am Wochenende irreparablen Schaden genommen. Ich habe jetzt wieder ein altes Nokia und ich schreibe darum jetzt wieder herkömmliche Kurznachrichten.“
  • „Ich wollte mir selbst Wurstseelen backen und die sind total verbrannt.“
  • „Alles Gute zum Geburtstag.“ (Hierzu eine Erklärung: Ich habe deinen Geburtstag falsch in meinem Handy eingespeichert. Und keine Ahnung, wer als automatische Geburtstags-SMS diesen Blödsinn einprogrammiert hat.)

Renato Faverani

18:22 Uhr – Ich habe in den letzten Tagen viel gelesen, über das, was da heute Abend ansteht. Lange habe ich überlegt, in welche Richtung ich noch etwas zu diesem Spiel schreiben könnte. Die Argumente, die für einen Dortmundsieg sprechen? Meine Erwartungen ans Spielgeschehen? Meine, These, wer diesmal bei Bayern den entscheidenden Elfer verschießt? Gerade eben war ich noch bei meinem Opa und habe dort gesehen, dass sogar auf Phoenix mittags eine Vorberichtssendung auf‘s Champions League-Finale läuft. Jetzt weiß ich: Zu diesem Spiel ist alles gesagt, geschrieben und gezeigt. Es wird Zeit, dass es los geht. Natürlich ist mir nicht egal, wie es ausgeht. Trotzdem hoffe ich erst Mal, dass das beide Mannschaften sauber über die Bühne kriegen. Leider kommen gerade schon die ersten Meldungen über Ausschreitungen in London. Ich hoffe, dass es bei diesen ersten Meldungen bleibt. Das wäre ja zu schade. Euch wünsche ich ein schönes, friedliches und unterhaltsames „Spiel des Jahres“. Möge es so ausgehen, wie ihr es euch wünscht.

Und warum Renato Faverani? Na, der ist heute Abend einer der Linienrichter. Und deutsche Mannschaften, Wembley und Linienrichter… wer weiß.