Der Sinn des Schwebens

21:28 Uhr – Warum bezahlen wir acht Euro Eintritt und danach drei Euro für ein kleines Bier, wenn wir in der Eckkneipe auch ein großes Bier für zwei Euro bekommen könnten? Warum geben wir unsere Jacke gegen Bezahlung an einer bewachten Garderobe ab, wenn wir sie auch einfach über die Stuhllehne in unserer Lieblingsbar legen könnten? Warum geben wir Unsummen für Mischungen aus Eiswürfeln, billigem Kartoffelschnaps und österreichischer Taurinbrause mit schwarzen Strohhalmen aus, wenn wir auf einer Parkbank auch einfach ein lauwarmes Bier aus der Flasche trinken könnten? Warum hören wir uns stundenlang laute und unerträglich schlechte Mainstreammusik an, wenn wir auch am Lagerfeuer den Klängen einer verstimmten Gitarre lauschen könnten? Warum schweigen wir uns eine Ewigkeit lang auf einer klebrigen Tanzfläche an, wenn wir auch bei gedämpfter Hintergrundmusik gute Gespräche führen könnten? Warum verbringen wir die ganze Nacht ein einem fensterlosen Gebäude, wenn wir den Sonnenaufgang auch am Ufer eines Sees erleben könnten? Warum verbringen wir Stunden damit, auf dem Weg zwischen Bar, Klo und Raucherbereich nach bekannten Gesichtern zu suchen, wenn wir uns auch über ein neues Gesicht zwischen vielen altbekannten freuen könnten? Warum machen wir all das, wenn wir doch eigentlich alt genug wären, um es besser zu wissen? Weil wir immer noch hoffen, dass es dieses Mal ja doch anders sein könnte.

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Ein Gedanke zu „Der Sinn des Schwebens

  1. Dieser Text ist einer der besten (wenn sich sogar DER beste), den ich je von dir gelesen hab. Sehr, sehr schön! Und ich stimm dir vollkommen zu.

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