Schluß mit Vorurteilen: Schalke ist schön!

19:37 – Es ist an der Zeit, mit üblen Vorurteilen aufzuräumen. Darum bin ich heute nach Gelsenkirchen gefahren, um mich selbst davon zu überzeugen, dass dieser Ort nicht die hässlichste Stadt Deutschlands sondern eine echte Perle des Ruhrgebiets ist.

Und es war ein Erfolg auf ganzer Linie.

Modisch ist Gelsenkirchen vielen anderen Städten weit voraus. Während anderswo der Retro-Look noch voll in den Siebzigern oder Achtzigern hängt, ist das liebevoll ‚GE‘ genannte Städtchen schon mitten in den Neunzigern: Die Vokuhila-Dichte ist nahezu unschlagbar. Kombiniert mit einer raffiniert geschnittenen Jeansjacke braucht diese Frisur keine Coiffeursmesse zu scheuen. Damit die passende Gesichtsbehaarung auch farblich passt, bietet der Friseur von nebenan ‚Schnurbart‘-Färben für nur fünf Euro an. Ob ein Schnurrbart Aufpreis kostet, ist nicht überliefert. Für weniger modisch veranlagte bietet der Salon auch das Entfernen von Oberlippenbehaarung (sieben Euro – dann lieber färben). Leider habe ich mich nicht getraut, ein Foto von dem Laden am Rathaus Buer zu machen -– aber isch schwör ey.

Doch nicht nur in Sachen Mode braucht sich Gelsenkirchen nicht zu verstecken. Auch die anderorts problematische Integration fand hier bereits ihren erfolgreichen Abschluss: Menschen ohne Migrationshintergrund wurden verdrängt. Ein Glanzpunkt deutscher Siedlungsgeschichte.

Während Städte wie München, Köln oder Berlin städtebaulich hervorragen wollen, tut Gelsenkirchen dies einfach ohne große Worte. Eine wunderschöne, beinahe malerische Einkaufzone unweit des bezaubernden 60er-Jahre Hauptbahnhofes lädt zum Shopping-Erlebnis ein. Vor allem die zahlreichen Ein-Euro-Boutiquen locken Ruhrpottler von Nah (Herne) und Fern (Izmir).

Ein weiterer Höhepunkt der Stadt ist das Fußballstadion des Vereins VfB Schalke 05, von dem ihr an dieser Stelle ein Foto bewundern könntet. Es ist architektonisch brillant auf einen Hügel gesetzt, allerdings so, dass man es von keiner Seite als Fußballstadion erkennen kann. Nur mein überdurchschnittliches Fachwissen hat mir da den Durchblick gesichert.

Und wenn wir schon bei diesem Fußballverein sind, der erst vor wenigen Jahren die letzte deutsche Meisterschaft erringen konnte: Schalke ist wohl der einzige Stadtteil weltweit, der bekannter ist, als die Stadt, deren Teil er ist. Ich meine, es gibt viele berühmte Stadtteile (Sankt Pauli, Manhattan, Brooklyn, Chelsea, Köln-Kalk oder Adrazhofen), aber letztendlich werden diese von ihrer eigentlichen Stadt überstrahlt. Lediglich Schalke ist definitiv bekannter als Gelsenkirchen. Auch aus diesem Grund überkam mich heute ein kleiner Anfall von Traurigkeit: Man stelle sich vor, die Sportsfreunde hätten ihre Klub damals nicht im Stadtteil Schalke, sondern im Gelsenkirchener Stadtteil Horst gegründet – und schon hätte Inter Mailand das UEFA-Cup Finale 1997 gegen den VfB Horst 05 verloren.

Alles in allem wird das goldene Gütesiegel mit fünf Sternen und Auszeichnung inklusive rubinrotem Stadttor verliehen. Herzlichen Glückwunsch und Glückauf!

PS: Sollte El Arenal ein Stadtteil von Palma de Mallorca sein, könnte man über die im vorletzten Absatz erwähnte Besonderheit unter Umständen diskutieren.

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