Wort zum Tag

Dosenbier und Currywurst-Schranke im ICE

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22:05 Uhr (gestern) – Kurz vor Stuttgart-Hauptbahnhof, im ICE – Total crazy. Ich bin einfach nicht Business genug. Da fahr ich hunderte von Kilometer mit dem ICE durch unser schönes Deutschland und bemerke erst kurz vor Stuttgart, dass direkt vor mir eine Steckdose ist, an der Wand ein WWW-Zeichen klebt und ich zu allem Überfluss auch noch meinen Laptop dabei habe.

Nur irgendwie hat das mit dem Internet nur ganz kurz funktioniert, jetzt muss ich mich irgendwie bei der Telekom anmelden und das kostet dann sicher. Schon gemein, da zahlt man zig Euro für eine unklimatisierte Zugfahrt, und dann ist nicht mal im Internet rumhängen inklusive. Das macht aber nichts. Da ich jetzt so wie so mein Buch schon zur Seite gelegt habe, schreibe ich einfach ein Wort zum Tag – als Vorrat sozusagen.

Es muss ohnehin noch vom letzten Wochenende berichtet werden. Von Donnerstag bis Samstag hat mich nämlich der Basti in Köln besucht. Wie ihr euch sicherlich vorstellen könnt, waren die Tage natürlich mehr als ereignisreich. Deshalb will ich nur einige absolute Highlights aufzählen. Die da wären: Currywurst essen gehen, selber Currywurst machen. Dosenbier trinken. Grillzeug und Kohle einkaufen um dann festzustellen, dass meine Mitbewohnerin unseren Grill verliehen hat. Also den Grill von den Nachbarn geliehen und solange Feuer gemacht, bis wir das Deutschlandspiel komplett verpasst hatten. Oder auch zwei Tage hintereinander nach Köln-Kalk fahren, um das Ortsschild und Originalschauplätze aus dem Kino-Klassiker Voll Normal zu finden. Dosenbier am Ortsschild von Köln-Kalk trinken. Im Schatten des Rhein-Energie-Stadions unter den Augen von faulen Sportstudenten und –studentinnen mit einem original roten KIK-Ein-Euro-Ball oben ohne kicken.  Zwei Mal Voll Normal  und einmal Ballermann 6 angucken. Tägliches Frühstück mit Aufbackwecken, Salami und Spezi. Einmal mit Bratwürsten.

Hört sich gut an, oder? Jetzt liegt Stuttgart hinter mir, der Zug fährt weiter nach München. Wenn mich geographisch nicht alles täuscht, dürfte das die richtige Richtung sein. Ich liebe ja immer so Züge, die sich irgendwie abkuppeln, was eben in Stuttgart der Fall ist. Im Zug selbst kann man dann meist sogar rausfinden, ob man im richtigen Teil sitzt, aber wie man das beim Einsteigen von außerhalb erkennen kann, habe ich noch nicht herausgefunden.

Jetzt habe ich noch ein Stündchen Zugfahrt vor mir. Stellt euch also auf einiges überflüssiges Gelaber und circa 2954 weitere Textzeilen ein. Denn ich kann schnell Tippen. Im Gegensatz zu dem Herrn gegenüber von mir, der ein Hemd in exakt dem gleichen Hellblau trägt, in dem auch die Kopfstützen im ICE gehalten sind. Ich habe übrigens keine Kopfstütze, weil ich auf einem Behindertenplatz sitze. Die Logik leuchtet mir nicht ganz ein, da ein abhandengekommenes Haupt eine Behinderung ist, die mir bisher eher selten aufgefallen ist. Aber gut. Zumindest ist die Beinfreiheit hier einwandfrei. Fast so perfekt wie der sächsische Einschlag des Schaffners.

Nun gut. Meine abendliche Fahrt wird mich ins wunderschöne Allgäu führen. Wobei ich festgestellt habe, dass es entlang des Rheins mit seinen Burgen und Weinbergen auch ganz nett ist. Mal schauen, was ich in fast einer Woche Heimaturlaub alles erleben werde. Fest eingeplant ist jedenfalls der Besuch des Abiballs am Freitag. Es wird mein zehnter Abiball. Ich werde alt. Ich kenne allerdings noch immer Abiturienten, die mir an der Bar großzügig Getränke spendieren können. Obwohl ich halt werde, scheine ich recht junggeblieben zu sein.

Um jung zu bleiben hilft eine gesunde Ernährung ja ungemein. Gerade in diesen Zeiten ist das natürlich schwierig. Auch wenn man es nur unter Vorbehalt sagen kann – aber scheinbar raffen die Lebensmittel, von denen ich über zwanzig Jahre meines Lebens angenommen habe, dass sie gesund seien, gerade die halbe Menschheit und. Und die andere Hälfte stirbt, weil sie sich ungesund ernährt. Na toll. Auf jeden Fall habe ich mir für die Fahrt eine Banane eingepackt (nebst zwei Aufbackwecken mit Salami. Da schließt sich der Kreis). Von Bananen habe ich bisher noch nichts Tödliches gehört. Jetzt ist das nur so, dass ich hier nirgendwo einen Mülleimer entdecken kann. Und wenn ich jetzt die Banane esse, habe ich die Schale übrig und muss sie hier zurücklassen. Und dann heißt es wieder: „Typisch, immer die Behinderten!“ Ihr seht, ich habe mal wieder eine Menge Probleme.

Das Schöne am ICE-Fahren ist ja auch, dass man ganz klar mitkriegt, welche Städte scheiße sind, und welche nicht. Denn so ein ICE hält ja nicht überall. Also Köln, Bonn, Koblenz, Mainz, Mannheim, Stuttgart und Ulm sind schon mal dufte. Worms ist zum Beispiel scheiße. Heidelberg auch. Und die ganzen anderen Orte, durch die man so durchbrettert, kennt man erst gar nicht. Aber das macht nichts. Die sind ja schließlich auch scheiße.

Meine Arbeit fängt an, mich zu prägen. Ich kann offenbar nur noch Texte in maximal sechszeiligen Strophen schreiben. Manchmal sogar mit einem netten Schlussabsatz, damit das Textbild stimmt. Der darf natürlich nicht zu kurz sein, sonst merkt man ja, dass er total überflüssig wäre. Zudem sieht das auch einfach nicht schön aus, wenn am Ende nur noch so ein kurzes Anhängsel hängt. Und sehr intelligent kommt natürlich immer, wenn man am Schluss eine Frage stellt. Stimmt doch, oder?

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