Ob Pils oder Export – Hauptsache Urtyp

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20:59 Uhr – In Köln rollt seit 8 Minuten der Ball zwischen Deutschland und Frankreich. Aber ich kann ja nicht schon wieder Kölsch trinken. Darum gibt es heute was aus dem Allgäu: Das Allgäuer Urtyp Export aus dem Allgäuer Brauhaus Kempten. Schön verpackt in der Halbliter-Bügelflaschen mit kunstvollem, rotgoldenem Etikett, laut dem dieses Bier „unser Traditionsbier“ ist. Nun dann.

Im Glas schimmert das Urtyp golden, es hat einen stabilen aber luftigen Schaum. Ein Bild von einem Bier. Erst kann man einen leicht süßlichen Bierduft erahnen, der verfliegt aber sehr schnell, dann hat das Export kaum mehr einen Geruch. Im Mund ist es ziemlich herb, fast schon bitter und – ich weiß gar nicht, ob Bier das sein kann – trocken. Der Nachgeschmack ist bitter, knapp an der Grenze zu unangenehm. Irgendwie kann ich es kaum glauben, dass das ein Export-Bier sein soll, bei einer Blindverkostung hätte ich es garantiert zum Pils erklärt.

Ob nun Pils oder Export – ein besonders gutes Bier ist der Allgäuer Urtyp mit 5,3 Prozent Alkohol leider nicht.

Original kühl

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21:54 Uhr – Auf dem Weg nach Zürich habe ich letzte Woche auf der Durchfahrt in Österreich bei einem Hofer (Alpen-Aldi) Stopp gemacht und mich bei der Gelegenheit nicht lumpen lassen und mir eine kleine Auswahl an Bieren eingepackt. Beginnen möchte ich heute mit der Verkostung einer Flasche Kühles Blondes Original Bier, das die Wiener Ottakringer Brauerei exklusiv für Hofer braut und in ein grünes 0,33 Liter-Einwegglasfläschchen verpackt. Die Temperatur in den Namen zu packen ist auf jeden Fall ein schlauer Schachzug. Kurz habe ich überlegt, ob das blöd ist, weil das Bier ja nicht von Haus aus kühl ist. Aber Glühwein steht ja auch nicht heiß im Weinregal.

Beim Einschenken macht sich aber direkt ein bisschen Ernüchterung breit: Es sieht sehr dünn aus, bildet überhaupt keinen Schaum und riecht außerdem süßlich und eigentlich nicht nach Bier. Naja. Ganz so schlimm ist es dann nicht. Eine leichte Süße bleibt aber, sodass man sich erst vergewissern muss, ob das wirklich kein Radler ist. Nein, nur Wasser, Gerstenmalz, Hopfen und Hopfenextrakt und 5,0 Prozent. Kein Radler. Auch nach mehreren Schlücken (ich hab im Duden geschaut, „die Schlücke“ ist der korrekte Plural von „der Schluck“, wobei eher „die Schlucke“ empfohlen wird) wartet man vergebens auf irgendein geschmackliches Signal oder einen Hauch von Bitterkeit. Nichts.

Das Schöne ist: Gegen dieses Bier kann wohl niemand was haben. Es ist absolut massenkompatibel und auch für Nicht-Biertrinker geeignet. Wie schon das Easy kann man also eigentlich nicht viel falsch machen, wenn man ein mildes, süffiges Bier für einen sonnigen Tag sucht. Vermutlich ist das auch genau das, was Hofer verkaufen möchte. Und das alles pfandfrei.

Grillen an der Isar

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20:23 Uhr – So, da bin ich wieder und lasse das sehr lange Wochenende mit einer kleinen Bierprobe ausklingen. Das Easy von Crew Republic steht heute auf dem Plan. Die Flasche fällt durch sehr hippes, schwarz-gelb-weißes Design auf, was eher an Limo oder Energydrink erinnert. Dazu trägt auch das Männchen auf Deckel und Halsetikett bei: Kapuzenpulli, kurze Hose, Chucks, Sonnenbrille. So stellt man sich in Unterschleißheim den Biertrinker von heute vor.

Das Bier ist goldgelb und recht klar, es riecht bitter nach Zitrusfrüchten. Nach Zitrusfrüchten schmeckt es dann auch, aber sehr angenehm fruchtig bis hopfig herb, ohne süß zu sein. Malz lässt sich nicht erahnen. Insgesamt ist es leider etwas dünn im Geschmack, sodass man absolut gar nichts Schlechtes über das Easy sagen kann, aber so richtig vom Hocker haut es einen halt auch nicht. Ganz sicher ist es ein tolles Sommerbier, und das ist ja auch laut Beschreibung seine eigentliche Bestimmung: „Grillen an der Isar, Relaxen mit Freunden, Sonnetanken in der Bergen“ – ja, da kann man mit diesem Getränk eigentlich nicht viel falsch machen.

Alaaf seit 1904

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11:11 (ungefähr) – Für die eine Hälfte ist es der Martinstag, für die andere Hälfte ist es Hellau, Hooorig, Alaaaaf und Schrääää und Wo hocket dr Frosch. Und Brrrrrrr. Und da Köln nun mal eine der Karnevalshochburgen ist, gibt es heute ein Klösch. Nicht, dass ich noch nie Kölsch getrunken hätte. In meinen Monaten in Köln habe ich sogar versucht, mich den örtlichen Trinkgewohnheiten anzupassen und ich bin ohne Schaden wieder aus Köln weg. Beim Bonaparte-Konzert gab’s übrigens Desperados.

Die Dose, in der dieses Früh Kölsch aus dem Cölner Hofbräu Früh verpackt ist, ist diagonal rot-weiß gestreift, das Logo ist auch rot-weiß mit ein bisschen gold. Die Stadtfarben von Köln sind rot und weiß. Das Sympathische an dieser Gebindeform ist ja, dass ein halber Liter reinpasst – also nicht nur die in Köln übrige Probierportion. Für mein heutiges Vorhaben hätte natürlich eine Probierportion genügt.

Im Glas ist das Kölsch klar und goldgelb, es hat einen dichten Schaum und versprüht direkt angenehmen Bierduft. Im Mund ist es leicht herb, von dieser Herbe bleibt im Abgang aber fast nichts. Der Nachgeschmack ist sogar eher süßlich, ohne malzig zu sein. Insgesamt, so komisch das klingt, würde ich sagen, dass das Früh einfach ordentlich nach Bier schmeckt. Leicht herb, nicht zu schwer aber auch nicht wässrig. Das ist sehr angenehm und nicht zu verachten. Durchaus vorstellbar also, mit diesem Getränk eine Prunksitzung durchzustehen. Wenn da nicht das Problem mit den kleinen Gläschen wäre.

Wenn wir schon beim Thema Köln sind: Ruhe in Frieden, Jupp! Du warst sowatt von romantisch.

Blonde Belgierin

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20:18 Uhr – Belgische Biere gelten ja auch als begehrenswert, ich habe allerdings noch nicht so arg viele davon probiert. Heute ist aber eines fällig, auf das ich mich schon eine ganze Weile freue: Das Ename Blond Abdijbier der Brauerei Roman. Ich verstehe ehrlich gesagt nicht so ganz, was es mit dem Kloster (gibt’s nicht mehr?), dem Bier (gibt’s ja noch), der Französischen Revolution (gab’s) und dem Fluss Scheldt (gibt’s auch noch) auf sich hat. Der Text auf dem Etikett ist sehr klein. Und auf einer witzigen Phantasiesprache geschrieben. Ansonsten ist das Etikett der 0,33 Liter Steini-Flasche schwarz, weiß und orange und passt damit hervorragend in mein Wohnzimmer. Außerdem ist darauf ein stilisierter Mönch mit weißer Kapuze zu sehen, der seine Nase in einen riesengroßen Bierkelch steckt. Anno 1063 soll das so stattgefunden haben.

Nun aber zum Wesentlichen: Schon beim Einschenken fällt auf, dass das Bier viel Kohlensäure hat und ordentlich schaumt. Zudem steigt einem direkt ein angenehmer Zitrusgeruch in die Nase. Diese Zitrusherbe bestätigt sich auch im Mund, wo das Blonde mild, rund und erfrischend schmeckt. Der Nachgeschmack ist ganz leicht herb und malzig, aber insgesamt sehr schwach. Ein sehr erfrischendes, schmackhaftes Bier, da könnte man fast übersehen, dass das Abdijbier trotz seiner hellen Farbe stolze 6,6 Prozent Alkohol hat. Fein, Oudenaarde scheint eine Reise wert zu sein.

Limettenbananefantavanillekirschcolazero mit Schuss

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20:03 Uhr – Ich war heute bei Burger King Mittagessen. Irgendwo zwischen Tuttlingen und Ravensburg. Und die haben dort so Coca-Cola-Maschinen, aus denen man fünfhunderttausend verschiedene Geschmacksrichtungen raus lassen kann. Diese Wundermaschinen habe ich damals bei meinem ersten Besuch in New York entdeckt und ausgiebig gemolken. Bisher hatte ich befürchtet, dass es diese menschliche Errungenschaft vielleicht nie bis Europa schafft. Jetzt ist sie da!

Also habe ich mir heute direkt einen halben Liter Vanillekirschcolazero gezapft. Aufgrund der begrenzen Austrittsmöglichkeiten auf der vor mir liegenden Autostrecke habe ich auf weitere Becher Limettenbananefantaextrakoffein und Saurerapfelspritebrombeercolalight verzichtet. Dennoch bin ich jetzt ein viel glücklicherer Mensch! Danke Amerika.

Hu-La-Palu, sexy, alles tanzt, alles lacht.

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21:37 Uhr – Weil das Oktoberfest ja bekanntlich hauptsächlich im September stattfindet, habe ich es leider versäumt, rechtzeitig ein Oktoberfestbier zu testen. Das mag auch daran liegen, dass Festbiere im Regelfall nicht so mein Ding sind. Nichtdestotrotz: Oktoberfest ist Oktoberfest und Oktober ist ja noch. Deshalb: Löwenbräu Oktoberfestbier.

Die junge Blonde im schlichten Dirndl streckt mir gleich fünf Maßkrüge voller Oktoberfestbier entgegen. Ihr Dekolleté ist gar nicht so üppig, wie man es erwarten dürfte. Im Hintergrund sieht man eine bayerische Flagge und einen sitzenden Löwen, der ein Bier trinkt. Außerdem weiße Wolken im blauen Himmel über einem Festzelt. So viel zur passend folkloristischen Dosen.

6,1 Prozent hat das Vollbier aus München – und das schmeckt man schon. Es ist ziemlich malzig würzig und – auch wenn das komisch klingt – es hat einen beinahe brotigen Geschmack. Im Abgang ist es recht bitter, was sich meiner bescheidenen Meinung nach etwas mit der malzigen Süße beißt. Kalt serviert – und es steht ausdrücklich auf der Dose, dass das zu tun ist – ist dieses Festbier aber auf jeden Fall trinkbar, bei euphorischer Stimmung gehen sicher auch zwei bis unendlich.

Bemerkenswert ist die sehr helle Farbe des Oktoberfestbieres. Ich hätte mir das irgendwie bernsteinfarbener vorgestellt. Also mehr so Richtung Löwenmähne. Was auch erstaunlich ist: Der halbe Liter ist verdammt schnell weg. Gut, dass die junge Blonde noch ein paar Gläschen übrig hat. Prost!

 

Braunes Fläschchen aus Sachsen

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22:00 Uhr – Letzte Woche war ich in Dresden, ganz schön schön dort. Vor Ort habe ich mir ein echtes Dresdner Feldschlösschen genehmigt. Das ist ja nicht auszuhalten. Da kann einem echt die Lust am Biertrinken vergehen. Natürlich habe ich mir aber dennoch ein paar schöne braune sächsische Flaschen (solche aus Glas höhöhö) in den Koffer gepackt. Unter anderem ein Radeberger, bekannt aus Funk und Fernsehen. Und der einzige Grund, aus dem wir die Semperoper besucht haben. Auch ganz schön da.

Aus Gewichtsgründen (beim Koffer, nicht bei mir) habe ich mir für die kleine 0,33 Literflasche Radeberger Pilsner entschieden. Nun, es ist ein herbes, leicht bitteres Bier ohne viel Nebengeschmack – so wie ein ordentliches Pils halt sein soll. Gut gekühlt ist es schon okay. Das fand wohl im Jahre 1905 auch König Friedrich August III. von Sachsen. Er machte nämlich damals das Radeberger Pilsner zum „Tafelgetränk seiner Majestät“. Da mein Tafelgetränk momentan eher Mineralwasser vom Discounter ist, gibt es hier offenbar durchaus noch Ziele, die man sich setzten kann. Ob mein Tafelgetränk dann letztlich Radeberger wird, dran habe ich allerdings noch meine Zweifel.

Radeberg ist übrigens eine große Kreisstadt im Südwesten des Landkreises Bautzen. Und da kommen dann die braunen sächsischen Flaschen her, die nicht aus Glas sind.

Werwolfgehäul

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19:47 Uhr – Anfang Oktober, draußen ist es schon dunkel, der Vollmond scheint über Ravensburg und die Wölfe heulen. Der ideale Abend also für ein Vollmond Bier. Gebraut vom Braumeister der Brauerei Locher in Appenzell in der Stille des Kellers in einer vergangenen Vollmondnacht. Man sagt (also das Etikett), dass sich in seinem schimmernden Gold die magische Kraft der Natur spiegelt.

Von Magie zu sprechen, wäre jetzt vielleicht ein bisschen übertrieben. Das Vollmondbier aus der hübschen Drittelliterflasche ist aber auf jeden Fall ein überdurchschnittliches Geschmackserlebnis. Es findet eine sehr gute Balance zwischen einem Hauch von Malz und einer ganz leichten Bitternote. Diese feine Abstimmung lässt auch darüber hinwegsehen, dass es zunächst fast ein bisschen wässrig-leicht schmeckt.

Auch die Optik des Etiketts ist zu loben: Golden scheint der Vollmond aus einem tiefblauen, klaren Nachthimmel auf ein schwarzes Appenzeller Dorf, umgeben von vielen kleinen Sternen. Das Etikett auf der Rückseite dient außerdem als Mondkalender: Es sind alle Vollmondnächte von 2017 und 2018 vermerkt. Es würde sich durchaus anbieten, in jeder dieser Nächte ein solches Bierchen zu genießen. Zum Beispiel beim Reinfeiern in meinen nächsten Geburtstag.

Apropos genießen: Die Brauerei Locher hat einen ganz schon großen und bunten Strauß im Angebot, zum Teil hört sich das sehr interessant und schmackhaft an. Sogar die Preise im Onlineshop sind für Schweizer Verhältnisse ganz okay. Allerdings verschicken die nur in die Schweiz und nach Liechtenstein (laut der Internetseite der Brauerei heißt das Land allerdings Lichtenstein).

Schade Deutschland

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12:27 Uhr – Natürlich habe ich schon gewählt, schon vor Tagen per Briefwahl. Leider muss ich sagen, dass ich etwas von Deutschland enttäuscht bin. Auf der ganzen Welt sind wir für unsere Genauigkeit, unsere Effizienz, unsere Korrektheit und unseren Abneigung gegenüber improvisierten Lösungen bekannt. Und dann das: Der Wahlschein passt nicht in den roten Umschlag, in den er rein muss. Man muss ihn neu falten. Die Zeit, die das bei zig Millionen Wahlscheinen beim Ein- und auch beim wieder Auspacken kostet, läppert sich ganz schön. Zeit ist schließlich Geld, nicht auszudenken, was man mit den Steuern, die produktive Arbeit in dieser Zeit abgeworfen hätte, alles finanzieren könnte.

Außerdem habe ich natürlich kurz an mir gezweifelt, ob ich jetzt alle Zettel in den richtigen Umschlag und die richtigen Umschläge in die richtigen anderen Umschläge gepackt habe (Stimmzettel in den blauen Umschlag, blauen Umschlag und Wahlschein zusammen in den roten Umschlag, roten Umschlag in einen gelben Briefkasten der Deutschen Post). Man rechnet hierzulande ja gar nicht damit, dass ein amtliches Dokument eventuell noch nicht richtig vorgefaltet worden ist. Jämmerliche Zustände sind das.